Aus LinuxUser 11/2001

XML-Editor KXMLEditor

Schachtelhelfer

XML wird immer wichtiger – KXMLEditor erleichtert den Umgang mit diesem Datenformat.

Frei übersetzt bedeutet XML („EXtensible Markup Language“), „erweiterbare Auszeichnungssprache“. Sie eignet sich gut zur Verwaltung strukturierter Daten, zum Beispiel kleinerer Datenbanken, und wird als Dateiformat für die verschiedensten Programme verwendet, darunter Textverarbeitungen wie KWord oder Abiword, Zeichenprogramme von Kontour bis Sodipodi, aber auch Tabellenkalkulationen wie Gnumeric und KSpread.

Wer ein XML-Dokument vor sich hat, dürfte sich an den Quellcode von Web-Seiten erinnert fühlen: Der darin enthaltene ASCII-Text enthält Auszeichnungen (Tags) in spitzen Klammern, wobei zu jedem Anfangs- ein Endtag gehören muss:

 <autor>Frank Wieduwilt</autor>

Durch die Anordnung der beiden wird klar, dass die Wörter Frank Wieduwilt im Dokument als Name eines Autors formatiert werden sollen. Soll Frank Wieduwilt nicht namentlich im Text auftauchen, aber dennoch im Dokument als Autor genannt werden, könnte man ein Tag mit Attributen verwenden:

 <autor nachname="Wieduwilt" vorname="Frank"/>

Da hier kein Text von Anfangs- und Endtag umschlossen werden muss, fasst man beide zusammen, indem vor der schließenden Klammer das Ende-Zeichen / eingefügt wird.

Im Gegensatz zu HTML, dass es mit den Endtags nicht so genau nimmt, dient XML ausschließlich dazu, ein Dokument zu strukturieren, während sich HTML auch noch um die Formatierung kümmert. Letztere übernimmt bei XML-Dokumenten eine gesonderte Formatvorlage, ein Style Sheet. Wie sich die Trennung von Struktur und Formatierung auswirkt, sehen Sie, wenn Sie die Beispieldatenbank (Listing 1), die wir in Abbildung 7 entwickelt haben, in einem XML-fähigen Browser (z. B. Konqueror) betrachten (Abbildung 1). Mangels Style Sheet zeigt er den Inhalt der Datenbank völlig unformatiert an.

Abbildung 1: Eine XML-Datei im Konqueror
Abbildung 1: Eine XML-Datei im Konqueror

Weil sich die einzelnen Elemente einer XML-Datei von einem Root-Tag ausgehend immer weiter verzweigen, stellen XML-Editoren wie KXMLEditor den Dateiinhalt in einer baumartigen Struktur, dem Dokumentenbaum, dar. Ein Tag, das weitere Unter-Tags enthält, wird als Knoten bezeichnet.

Zum Erstellen von Style Sheets gibt es eine eigene Sprache namens XSLT, „EXtensible Stylesheet Language Transformation“. Mit ihrer Hilfe transformiert man die Inhalte eines XML-Dokuments in verschiedene Ausgabeformate, z. B. HTML oder pdf. Zusätzlich benötigt eine XML-Datei gelegentlich noch eine DTD, eine „Document Type Definition“, in der die Verwendung der einzelnen Tags festgelegt wird. Mit Hilfe einer DTD kann beispielsweise überprüft werden, ob ein XML-Dokument wirklich nur Attribute verwendet, die für ein bestimmtes Tag auch zugelassen sind, oder ob Auszeichnungen geschachtelt werden, die gar nicht ineinander verschachtelt werden dürfen. Einen guten Einstieg in die Arbeit mit XML finden Sie in [1] und im WWW unter [2].

Wie jedes ASCII-Auszeichnungsformat kann man XML natürlich mit einem Text-Editor der Wahl schreiben. KXMLEditor erleichtert das Erstellen und Bearbeiten von XML-Dokumenten insofern, als dass seine Baumdarstellung dem Benutzer stets einen Überblick über den Dokumentenbaum bietet. Das Kopieren ganzer „Äste“ innerhalb des Dokuments ist sehr bequem möglich. DTDs oder Style Sheets erstellt KXMLEditor jedoch (noch) nicht.

XML-Helfer

Sie finden das Programm unter http://kxmleditor.sourceforge.net/ und auf der Heft-CD. Red-Hat-7.x-Benutzer spielen das passende rpm-Paket als root mit dem Befehl

rpm -Uvh kxmleditor-0.6-0.1.i686.rpm

ein. Wie Sie die Software aus dem Quelltext installieren, verrät Kasten 1. Zum Programmstart geben Sie kxmleditor & in einer Konsole ein oder wählen Anwendungen / KXMLEditor im K-Menü.

Kasten 1: Installation aus den Quellen

Zum eigenhändigen Übersetzen benötigen Sie die Datei kxmleditor-0.6.tar.gz von der Programm-Homepage oder der Heft-CD. Sie entpacken sie mit dem Befehl

tar -xzvf kxmleditor-0.6.tar.gz

und wechseln ins neu entstandene Verzeichnis kxmleditor-0.6. Dort richten Sie das Programm durch Eingabe von ./configure zum Übersetzen ein, starten mit make den Kompiliervorgang und installieren es schließlich als root durch Eingabe von make install.

Als Testsystem für diesen Artikel diente ein AMD Duron mit 750 Mhz und Red Hat 7.1.

KXMLEditor begrüßt Sie mit einem dreigeteilten Programmfenster (Abbildung 2). Unterhalb der Menüzeile befinden sich zwei Werkzeugleisten: oben die allgemeine Toolbar, darunter eine Navigationszeile, die jeweils das aktive Element innerhalb der XML-Datei anzeigt. Im unteren Teil sehen Sie links die XML-Werkzeugleiste, in der Mitte eine Baumansicht, in der der Inhalt der geöffneten Datei dargestellt wird, und rechts einen Eingabebereich mit zwei Karteireitern für die Parameter der Tags und ihren Inhalt.

Die Oberflächenelemente sind zur Zeit noch englisch beschriftet, an Übersetzungen in andere Sprachen wird gearbeitet. Abbildung 3 erklärt die Bedeutung der Schaltflächen auf der XML-Werkzeugleiste.

Abbildung 2: KXMLEditor
Abbildung 2: KXMLEditor
Abbildung 3: Die XML-Werkzeugleiste
Abbildung 3: Die XML-Werkzeugleiste

XML-Dateien bearbeiten

Am einfachsten lässt sich die Arbeit mit XML an einer bereits vorhandenen XML-Datei trainieren. Wählen Sie dazu den Punkt File / Open aus dem KXMLEditor-Menü, und laden Sie eine Abiword-, KWord- o. ä. Datei ein. Deren Struktur präsentiert sich Ihnen jetzt in der Baumansicht. In Abbildung 4 ist das Tag pagesize ausgewählt. Im rechten Teil des Arbeitsbereichs sehen Sie im Reiter Attributes, welche Attribute es besitzt und welchen Wert diese haben.

LinuxUser 11/2001 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: