Aus LinuxUser 11/2001

Qtella

Tauschhandel

MP3s gefällig? Qtella macht’s möglich.

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Napster ist tot – es leben seine Nachfolger. Eines der wohl bekanntesten alternativen Peer-to-Peer-Projekte trägt den schönen Namen Gnutella. Obwohl der Name viel mit einem beliebten Brotaufstrich gemein hat, versteckt sich dahinter etwas ganz anderes, nämlich ein Netz untereinander verbundener Rechner („peers„), die miteinander Suchanfragen austauschen und beantworten. Treffer werden auf demselben Weg wie die Suchanfrage zurückgesandt, der Dateiaustausch erfolgt jedoch immer direkt.

Eine Suchanfrage enthält stets eine TTL-Angabe („Time to live“), die bei jeder Zwischenstation um eins heruntergesetzt wird. Damit soll ein Überfluten des Netzes mit unendlichen Suchanfragen verhindert werden.

Über eines sollte man sich im Klaren sein, bevor man der Welt seine Musikwünsche mitteilt: Anonymität ist bei Gnutella nur gewährleistet, solange keine Daten ausgetauscht werden. Bei Zustandekommen eines Dateitausches wird die IP-Adresse der Benutzers übermittelt.

Leckerbissen

Dass Gnutella ursprünglich entwickelt wurden, um lukullische Rezepte zu tauschen, kann man glauben oder nicht. Jedenfalls scheinen heutzutage MP3s der größte kulinarische Leckerbissen zu sein. Die Rechtslage hinsichtlich Download und Weitergabe von MP3-Dateien ist immer noch nicht abschließend geklärt. Überwiegend herrscht derzeit jedoch die Meinung vor, dass das Herunterladen von mp3-Files für den privaten Gebrauch rechtlich zulässig sei. Dies gilt jedoch nicht für das Bereitstellen von Musik in mp3-Form für die unbekannte Allgemeinheit (sofern man dazu keine Lizenz hat).

Mit Qtella möchten wir Ihnen ein Programm vorstellen, das als überaus komfortabler Client für Gnutella & Co das Auffinden von Musikdateien, Bildern etc. noch einmal so ergiebig macht. Wer sich ins perfekte Download-Vergnügen stürzen möchte, sollte nicht lange zögern und sich die aktuelle Version des Programms auf der Homepage des Projekts unter http://www.qtella.net/ herunterladen.

Außer mit einem Tarball können sich Mandrake- und Red-Hat-Benutzer auch mit passenden rpm-Paketen eindecken. SuSE-User und der Rest der Gang müssen das Programm leider selber kompilieren. Dafür reicht es, die Sourcen zu entpacken und mit den Kommandos ./configure, make, su root make install zu installieren.

Maßgeschneidert

Bevor Sie sich an die Konfiguration des Programms wagen, sollten Sie Ihren neuen Gnutella-Client erst einmal starten. Geben Sie dazu einfach ein qtella & in einer Terminalemulation ein. Nun müssen Sie nach dem Online-Gang nur noch den Menüpunkt File / Connect anwählen, und das Suchen nach der Lieblingsdatei kann beginnen. Netterweise verbindet sich Qtella selbstständig mit einem Server, der als Host fungiert, schnappt sich dort eine Liste von Gnutella-Adressen und stellt damit eine Verbindung ins Gnutella-Netzwerk her.

Werfen Sie nun noch einen Blick auf das Konfigurationsmenü, denn hier kann das eine oder andere nützliche Feature aktiviert oder ungewünschte Eigenschaften abgestellt werden. Klicken Sie dazu auf den Tab Configuration, und erfreuen Sie sich an der Optionsvielfalt, die Ihnen daraufhin entgegenstrahlt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Alle Optionen in der Hand
Abbildung 1: Alle Optionen in der Hand

Da Geben schon immer seliger als Nehmen war, tragen Sie im Bereich Shared Directories zunächst die Verzeichnisse ein, deren Inhalte Sie künftig mit anderen Nutzern des Netzwerks teilen möchten. Die freigegebenen Verzeichnisse lassen sich übrigens jederzeit wieder mit dem Remove-Button entfernen.

Noch interessanter dürfte jedoch der gesamte Download-Bereich sein. Unter Download Directories können Sie – fein säuberlich getrennt nach beendeten und unterbrochenen Downloads – die Verzeichnisse angeben, in denen Sie die neu gewonnenen Schätze aus dem Gnutella-Netzwerk auf der heimischen Festplatte bunkern wollen. Wer sich mit unvollständigen Dateien gar nicht erst belasten mag, kann Qtella mit Hilfe des Punkts On Exit auch so konfigurieren, dass abgebrochene Dateien bis zu einer frei einstellbaren Größe (remove interrupted downloads with size <=:) oder alle unvollständig heruntergeladenen Files automatisch beim Beenden des Programms von der Platte entfernt werden.

Wer die Hoffnung in solchen Fällen nie aufgibt, darf es natürlich jederzeit mit der Wiederaufnahme der Übertragung versuchen. Wie sich Ihr Client in solchen Fällen verhalten soll, bestimmen Sie im Bereich Unfinished Downloads. Sie haben die Wahl, ob Sie einen komplett neuen Download starten oder einen älteren Versuch wieder aufnehmen möchten. Im zweiten Fall geben Sie an, ob sie bei der Größe der Dateien, beim Download-Host oder bei beiden Alternativen zulassen.

Ebenfalls spezifizieren lässt sich, wie mit Downloads umgegangen werden soll, unter deren Namen es bereits Dateien auf der Festplatte gibt. Wollen Sie existierende Files überschreiben (overwrite), herunterladen und umbenennen (download and rename file), oder lassen Sie den Download lieber ganz (abort download)? Im Bereich Existing Files legen Sie es fest.

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