Aus LinuxUser 11/2001

Mäuse mit Extrafunktionen unter Linux (Seite 2)

Die Installation der Wheelmaus-Funktion unter XFree86 4.x funktioniert ähnlich. Allerdings hat sich dort die Syntax des Konfigurations-Tools etwas geändert. Ein typischer Eintrag für eine Wheelmaus sieht dort wie folgt aus:

Section "InputDevice"
 Identifier      "Mouse0"
 Driver  "mouse"
 Option  "Protocol"      "IMPS/2"
 Option  "Device"        "/dev/psaux"
 Option  "Buttons"       "5"
 Option  "ZAxisMapping"  "4" "5"
 EndSection

Applikationen nutzen

Danach sollte Ihnen auch unter X-Windows das Mausrad zur Verfügung stehen. In der Praxis unterstützen dort aber leider noch längst nicht alle Programme die dadurch zur Verfügung stehende Scroll-Funktion. Star Office ist hier eine der löblichen Ausnahmen. Daher können Sie mit diesem Programm auch leicht testen, ob Sie bis hierhin alles richtig gemacht haben. Viele andere Programme können allerdings mit einigen Konfigurationen auch dazu gebracht werden, die neue Funktion zu benutzen. Dazu müssen Sie praktisch nur einige Konfigurations-Skripte einsetzen. Da diese jedoch für alle Programme etwas anders aussehen, würde eine Erläuterung an dieser Stelle deutlich zu umfangreich werden.

Nützliche Information hierzu bietet die Internetseite http://koala.ilog.fr/colas/mouse-wheel-scroll/ verwiesen. Dort finden Sie ausführliche Hilfen zur Wheelmaus-Funktion für Programme wie Netscape, GTK oder XEmacs. Grundlegend ist das natürlich der sauberste Weg. In der Regel wird es einem aber schnell lästig, jedes Programm manuell für Wheelmaus-Unterstützung konfigurieren zu müssen. Daher wird häufig statt dessen das Programm IMWheel eingesetzt. Dieses können Sie von der IMWheel-Homepage herunterladen. Die Sourcen zur aktuellen Version 0.9.9 kompilieren und installieren Sie dann wie gewohnt mit den Kommandozeilen

make
 make install

IMWheel-Konfiguration

Die Konfiguration von IMWheel ist nicht besonders schwer. Grundlegend müssen Sie jedoch beachten, dass zwei Wege für die Konfiguration existieren. Empfehlenswert ist der Einsatz der Programms gpm. Alles was Sie in diesem Fall tun müssen, ist in der Konfigurationsdatei von XFree86 die Gerätedatei für Ihre Maus zu ändern. Dort geben Sie dann einfach „/dev/gpmdata“ an. Außerdem müssen Sie ein anderes Protokoll, „MouseSystems“, wählen. Eine typische Konfigurationsdatei für XFree 4.0 sieht danach etwa so aus

Section "InputDevice"
 Identifier              "Mouse0"
 Driver                  "mouse"
 Option                  "Protocol"      "MouseSystems"
 Option                  "Device"        "/dev/gpmdata"
 Option                  "Buttons" "3"
 Option                  "ZAxisMapping"  "4" "5"
 EndSection

Dies funktioniert sowohl bei XFree86 3.3, als auch bei XFree86 4. Der Umweg über das gpm-Paket ist allerdings nicht zwangsläufig nötig. IMWheel funktioniert auch mit einer herkömmlichen XFree86-Konfiguration, wie Sie weitere oben beschrieben wurde. Danach können Sie das IMWheel-Programm selbst starten. Dazu geben Sie in der Kommandozeile folgenden Befehl ein:

imwheel -k -W /dev/gpmwheel

beziehungsweise

imwheel -k

Ersteres ist der Start von IMWheel, wenn Sie auf das gpm-Tool zurückgreifen, letztere wird genutzt, um eine herkömmliche XFree86-Konfigurationsdatei zu verwenden. Danach sollte die Scroll-Funktion in allen Programmen zur Verfügung stehen. Um IMWheel permanent bei jedem Start von X-Windows automatisch zu starten, müssen Sie eine weitere Konfigurationsdatei konfigurieren: ~/.xinitrc. Dort sollten Sie einfach folgende Zeile hinzufügen:

/usr/local/bin/imwheel - k -W /dev/gpmwheel

beziehungsweise

/usr/local/bin/imwheel - k

wenn Sie nicht auf das gpm-Paket zurückgreifen möchten.

Gleichzeitiger Anschluss mehrerer Mäuse

Auch der gleichzeitige Anschluss mehrerer verschiedener Mäuse ist unter Linux möglich. Hierbei muss wiederum zwischen Textkonsole und X-Window unterschieden werden. Unter X-Window fügen Sie einfach einen zweites Input-Device hinzu, bei dem Sie den entsprechenden Port, also die Geräte-Datei, angeben. In der Textkonsole müssen Sie gpm mit einigen zusätzlichen Parametern starten. Haben Sie beispielsweise eine zweite Maus (etwa eine Intellimouse mit Rad) am ersten seriellen Port angeschlossen, dann könnte eine passende Kommandozeile-Eingabe beispielsweise so aussehen:

gpm -m /dev/psaux -t imps2 -M -m /dev/ttyS0 -t ms3 -R imps2

Einige Mäuse im praktischen Test

Neben de Grundlagen zur Installation von Wheelmäusen haben wir uns in dieser Ausgabe auch damit beschäftigt, inwieweit einige weit verbreitete Mäuse denn auch in der Praxis wirklich unter Linux funktionieren. Das hierbei erscheinende Bild war sowohl für Linux, als auch für die jeweiligen Hersteller fast durchweg positiv.

Logitech

Ein gutes Beispiel waren die Mäuse von Logitech. Sechs dieser Mäuse haben wir dabei genauer unter die Lupe genommen. Zwei ältere einfache Versionen mit Kabel, eine ältere schnurlose Variante aus dem Cordless-Dektop-Paket, die aktuellen Modelle Cordless Mouseman Optical, Cordless Trackman Wheel Optical sowie die vorwiegend für Spiele geeignete Wingman-Force-Feedback-Maus. Alle drei schnurlosen Modelle lieferten dabei ein ähnlich positives Ergebnis. Sowohl die Standard-, als auch die Radfunktionen der Mäuse ließen sich auch unter Linux problemlos einsetzen. Die Tatsache, dass die Mäuse über Funk angeschlossen waren, bereitete dabei kein Problem und auch die Vorteile der optischen Sensoren bei den beiden neueren Modellen kam voll zum Tragen.

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