Aus LinuxUser 10/2001

Software (Seite 4)

Desktop-Umgebung KDE 2.2

Seit Mitte August ist das von vielen Linux-Anwendern heiß ersehnte Versions-Update der beliebten Desktop-Umgebung KDE auf diversen FTP-Servern verfügbar. Neben zahlreichen Detail-Verbesserungen und Bugfixes bringt Version 2.2 unter anderem folgende neuen Anwendungen mit: den KWrite-basierten Editor Kate mit Plugin-Fähigkeiten und einem integrierten Datei-Browser für einfaches Projekt-Management, die neueste Version 2.0 der C/C++-Entwicklungsumgebung KDevelop, das Wörterbuch-Programm KDict, ein KDE-übergreifend einsetzbares OCR-Scanner-Tool namens Kooka sowie den Handy-Telefonbuch-Synchronisierer Kandy. Der ebenfalls neu hinzugekommene Konfigurations-Wizard KPersonalizer führt den Benutzer nach dem ersten Login durch alle wichtigen Desktop-Einstellungen und ermöglicht so auf bequeme Weise die Anpassung der Desktop-Umgebung an die individuellen Bedürfnisse des Anwenders. Auch bei den Internet-Clients hat sich wieder einiges getan: Konqueror (genauer: die KHTML-Komponente) hat sich dem vom W3-Konsortium verabschiedeten DOM-Standard noch einmal ein Stück weiter angenähert, KMail arbeitet endlich auch mit IMAP-Servern samt SSL und TLS zusammen, und Knode beschert dem Anwender noch mehr Komfort beim Verwalten und Lesen von News-Artikeln. Erfreulich ist, dass die KDE-Entwickler neuerdings wieder mehr Wert auf Interoperabilität mit weit verbreiteten Nicht-KDE-Anwendungen wie etwa dem Gnome-Fenster-Manager icewm oder Mozilla legen. Auf der Heft-CD finden Sie die Quellen und fertige Pakete für SuSE 7.2, Red Hat 7.x und Mandrake 8. http://www.kde.org

Antiviren-Software F-Prot 3.10a

,,Viren unter Linux? Sowas gibt´s doch gar nicht.„ Solche Pauschalaussagen hört man auch heute noch von vielen Linux-Anhängern. In der Tat ist es unter Linux nicht so einfach, einen Virus zu verbreiten, wie dies etwa unter DOS bzw. Windows 9x/Me möglich ist. Nichtsdestotrotz steigt mit zunehmender Verbreitung im Desktop-Umfeld – und sei es auch nur in Form eines File- oder Mail-Servers für andere Desktop-Betriebssysteme – auch unter Linux die Gefahr einer Vireninfektion. Die isländische Firma Frisk Software bietet deshalb ihre in der Windows-Welt bekannte Antiviren-Software F-Prot erstmals auch in einer Linux-Variante an. Aktualisierte Virendefinitions-Dateien kann man sich bei Frisk in regelmäßgen Abständen kostenlos herunterladen, so dass man auch neu in Umlauf gesetzten Windows- und Linux-Viren im Zweifelsfall schnell auf die Schliche kommt. Das Linux-Paket, das sich momentan noch in einer Beta-Phase befindet (Feedback ausdrücklich erwünscht!), ist bislang kostenlos erhältlich. http://www.frisk.is

Netscape 6.1

Seit der Flop-Release von Netscape 6.0 haben die Entwickler des Browsers Mozilla, auf dem Netscape 6 basiert, gewaltige Fortschritte gemacht. Mit der Fertigstellung von Mozilla 0.9.3 war die Zeit im letzten Monat wieder einmal reif für eine neue offizielle Netscape-Release. Bei Netscape 6.1 handelt es sich also im wesentlichen um eine leicht modifizierte Variante von Mozilla 0.9.3 mit etwas kommerziellerem Look & Feel und einigen zusätzlichen Features. Sicherlich eine Empfehlung für alle diejenigen, die Netscape noch eine Chance geben wollen. Versions-Junkies werden aber im Zweifelsfall vermutlich doch lieber beim Mozilla-Original (evtl. mit Galeon-Aufsatz) bleiben, in dem wesentlich schneller neue Features und Bugfixes integriert werden. ftp://ftp.netscape.com/pub/netscape6/english/6.1/unix/linux22/

HTML-Code-Optimierer Stripper Lite

Auch im Zeitalter von ISDN und DSL gilt beim Surfen im Internet für viele Benutzer immer noch die Maxime ,,Zeit ist Geld!„. Daher sollte man sich als Programmierer bzw. Designer von Web-Seiten genau überlegen, wie man die nötigen Übertragungen vom Web-Server zum Browser des einzelnen Surfers möglichst gering hält. Die amerikanische Firma SideShow Software hat sich genau dieses Problems angenommen und bietet neben dem Web-Server-Modul Stripper nun auch ein Optimierungspaket für Web-Programmierer. Stripper Lite ist ein Kommandozeilen-Tool, das HTML-, PHP- und JPG-Dateien um durchschnittlich 19% (in günstigen Fällen bis zu 75%) reduziert und dadurch für deutlich geringeren Daten-Traffic sorgt. Das Tool liegt dem server-seitigen Optimierer Stripper (200 US$) bereits bei, ist jedoch für 50 US$ auch gesondert erhältlich. http://www.sideshowsoftware.com

Java 3D-Rollenspiel Arkanae 0.5

Das Genre der grafisch anspruchsvolleren Rollenspiele ist unter Linux bislang wenig vertreten; auch Loki Software führt hauptsächlich 3D-Action-Shooter und Strategiespiele im Angebot. Wem RPG-Klassiker wie Nethack im Zeitalter von 3D-Beschleunigerkarten zu farblos erscheinen, der wird sich vielleicht demnächst mit dem Java-basierten 3D-Rollenspiel Arkanae die Herbstnächte um die Ohren schlagen. Arkanae ist der lebende Beweis dafür, dass man als zweiköpfiges Entwickler-Team mit der Programmiersprache Java anspruchsvolle – dank OpenGL for Java neuerdings sogar hardware-beschleunigte! – 3D-Spiele programmieren kann. Die Story und das Gameplay erinnern in mancher Hinsicht an eine Kreuzung aus Diablo und Tomb Raider. Die Steuerung des Schwert- und Magierkämpfers, die bislang ausschließlich über die Tastatur erfolgt, ist noch etwas gewöhnungsbedürftig, auch die Sound-Effekte könnten hier und da noch etwas origineller werden. Sieht man von gelegentlich auftretenden Bugs einmal ab, ist die aktuelle Version 0.5 (Heft-CD) bereits gut spielbar. Da Arkanae der GPL unterliegt, kann sich prinzipiell jeder an der Weiterentwicklung beteiligen. Ein Muss für RPG-Fans unter Linux! http://www.babeloueb.com/arkanae/

Loki-Spiele Kohan und Rune-Erweiterung

Der amerikanische Spiele-Portierer Loki Software konnte im vergangenen Monat gerade noch seine drohende Insolvenz abwenden und hofft jetzt natürlich stärker als je zuvor auf die kaufkräftige Unterstützung durch die weltweite Linux-Spielergemeinde. Seit Mitte August führt Loki zwei weitere Spieleportierungen in seinem Produktsortiment. Kohan: Immortal Sovereigns ist ein netzwerkfähiges Fantasy-Echtzeitstrategiespiel von Timegate Studios (siehe Test auf S. 78). Wer mehr auf nordische Wikinger-Action steht, für den könnte vielleicht die Rune-Fortsetzung ,,Rune: Halls of Valhalla„ interessant sein. Das Erweiterungspaket für Rune enthält zwei neue 3D-Mehrspieler-Modi und eine Vielzahl neuer Charaktere. ,,Kohan: Immortal Sovereign„ ist für knapp 100 DM bei Loki selbst oder bei deutschen Resellern wie ixsoft erhältlich. Das Rune-Erweiterungspaket ,,Halls of Valhalla„ gibt es wahlweise im Bundle mit Rune (knapp 120 DM) oder gesondert (knapp 70 DM). http://www.lokigames.comhttp://www.ixsoft.de

Distributionen-Ecke

Das Distributionenkarussell dreht sich nach der Sommerpause wieder heftig weiter. Red Hat hat zum Redaktionsschluss für Beta-Tester bereits die zweite Beta-Version (Code-Name ,,Roswell„) des 7.1-Nachfolgers veröffentlicht. Bis eine Boxed-Version erhältlich sein wird, dürfte es aber erfahrungsgemäß noch einige Monate dauern. Auf der Überholspur ist mal wieder die nahezu 100-prozentig zu Red Hat kompatible Distribution Mandrake: Der französische Distributor MandrakeSoft hat gerade seinen Börsengang hinter sich gebracht und will in Mandrake 8.1 unter anderem endlich die Unterstützung für das Euro-Symbol einführen. Die US-amerikanische Firma JRCP vertreibt neuerdings eine Red-Hat-7-kompatible Distribution, die sich primär an Windows-Umsteiger richtet: WinLinux 2001 lässt sich direkt von Windows aus installieren und ist wahlweise als CD-ROM- (29.90 US$) oder Download-Version (ohne Support: 9.90 US$, mit Support: 19.90 US$) erhältlich. Turbolinux schließlich vertreibt seine jüngst erschienene gleichnamige Workstation-Version 7.0 vorerst nur in den USA als OEM-Variante. http://www.redhat.dehttp://www.linux-mandrake.comhttp://www.winlinux.net/2001/http://www.turbolinux.com/products/tlw7/

Neue Linux-Treiber

AVM, Marktführer für ISDN-Hardware, bietet seit kurzem auf seinem FTP-Server CAPI-2.0-Treiber für seine USB-basierten ISDN-Karten der Serien FRITZ!Card USB und FRITZ!X USB zum Download an. Wer Besitzer eines Ali-Motherboards ist, das mit einer der Southbridges M1535, M1535D, M1535+ oder M1535D+ bestückt ist (z. B. Ali Magik 1), kommt dank der aktualisierten Treiberversion 0.14.9 nun auch mit Kernel 2.4.x in den Genuss von On-Board-Sound. Zu guter Letzt noch eine erfreuliche Nachricht für Besitzer und Kaufwillige von Grafikkarten, die mit PowerVR´s Kyro/Kyro-II-Chipsatz bestückt sind: Die zahlreichen Anfragen der Linux-Spielergemeinde wurden von ST Microelectronics offenbar erhört. In Kürze wird ein (voraussichtlich proprietärer) XFree86-3D-Treiber für alle Kyro-/Kyro-II-basierten Grafikkarten erhältlich sein. ftp://ftp.avm.de/cardware/fritzcrdusb.v20/linux/http://www.ali.com.tw/eng/support/drivers/south_new_driver.htm

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