Aus LinuxUser 10/2001

Pinguin in der Westentasche

Linux-PDA im Test

Mit dem Agenda VR3 ist der erste von vielen angekündigten Linux-PDAs nun erhältlich. Unter der schicken Schale steckt ein Linux-Kern, der erst noch zeigen muss, ob er für diesen Mark reif ist.

In den letzten Jahren hat sich Linux den Ruf einer idealen Basis für PDAs erworben. Von den vielen Ankündigungen sind derzeit aber nur zwei Kandidaten real verfügbar: LISA [1] liefert den iPaq von Compaq mit Linux aus (Compaq selbst vertreibt ihn nur mit Windows CE); seit Juli ist nun der erste echte Linux-PDA lieferbar: der Agenda VR3.

Auf dem LinuxTag stellte Agenda Computing die ersten VR3-Geräte aus der Serienfertigung vor. Sie werden von Agenda direkt [2] vermarktet, der Preis beträgt etwa 585 Mark. Im Lieferumfang sind neben dem PDA noch ein Kabel zum Anschluss an die serielle Schnittstelle des PCs, eine Halterung (Cradle), eine Kopfhörer-Mikrofon-Kombination sowie eine Lederhülle enthalten. Software für den PC sowie eine englische Bedienungsanleitung liegen auf einer CD bei. Die deutsche Version der Anleitung gibt es nur im Internet [3].

Erster Eindruck

Das Gehäuse des VR3 ist etwa acht mal elf Zentimeter groß und passt damit bequem in die Hand. Der Deckel vor dem Display ist mit dem Gehäuse verbunden und kann nach hinten geklappt werden. So kann er zwar nicht so leicht verloren gehen wie der Deckel des Handspring Visor, er macht aber einen etwas labbrigen Eindruck. Hier muss die Praxis zeigen, wie langlebig die Lösung ist; immerhin lässt sich der Deckel leicht abmontieren. In die mitgelieferte Hülle passt der Agenda sowohl mit als auch ohne Deckel, sie bietet auch noch Platz für ein paar Visitenkarten und den Stift.

Das Display ist 5,5 mal 8,5 Zentimeter groß (siehe Abbildung 1) und somit fast 1,5 Zentimeter höher als das Display der Palm-PDAs. Dies liegt vor allem daran, dass beim VR3 die gesamte Display-Fläche für Anwendungen genutzt werden kann (siehe Abbildung 2). Die Handschrifterkennung oder die Tastatur werden nur auf Wunsch dargestellt (siehe Abbildung 3) und nehmen somit nicht permanent die unteren zwei Zentimeter ein.

Die 160 mal 240 Pixel können 16 Graustufen darstellen und lassen sich auch bei direktem Sonnenschein oder schlechter Beleuchtung gut ablesen. Ein nächtlicher Blick auf den Kalender ist mit der internen Beleuchtung möglich. Lästig wie bei allen PDAs ist die recht stark spiegelnde Glasoberfläche. Es gibt sogar ein Programm [4], welches das Display komplett auf Schwarz schaltet, um es als Schminkspiegel zu nutzen – vielleicht soll man die Spiegel-Wirkung eher als Feature sehen.

Das Gehäuse enthält sechs Tasten. Je zwei Tasten für Hoch/Runter und Links/Rechts sowie zwei Shift-Tasten. Die beiden großen Shift-Tasten bedienen je zwei Mikrotaster, dadurch könnten sie theoretisch auch als Wippe funktionieren. Leider sind beide Mikroschalter auf der Platine parallel geschaltet und damit nicht unterscheidbar. Die von Agenda gewählte Anordnung der Knöpfe ist für Links- und Rechtshänder gleichermaßen geeignet; zur Bedienung sind aber meistens beide Hände nötig.

Unter der Haube

Unter der Haube (siehe Abbildung 4) werkelt ein MIPS-Prozessor mit 66 MHz, ihm zur Seite stehen 16 MB Flash und 8 MB RAM. Interne Erweiterungen scheinen nicht vorgesehen zu sein. Extern sind eine serielle Schnittstelle und ein IrDA-Port vorhanden, dazu eine Miniklinke als Audio-Ein- und -Ausgang.

Der VR3 lebt von zwei Batterien der Größe AAA, es gilt also keine Milliamperestunden zu verschenken. Mit einem kleinen Tool lässt sich das Powermanagement bequem einstellen: Nach einer konfigurierbaren Zeitspanne fällt der PDA in den Schlaf. Pfiffig ist die Lösung, durch das Herausnehmen und Einstecken des Stiftes den PDA auch gleich ein- oder auszuschalten. Trotzdem hält ein Batteriesatz nicht besonders lange, bei intensiver Benutzung ist er nach spätestens einer Woche leer. Agenda hätte vielleicht besser Mignonzellen (Größe AA) gewählt; diese sind nicht viel größer, haben dafür aber fast die dreifache Kapazität.

Weichware

Nach dem ersten Einschalten zeigt der Agenda zunächst seine Boot-Meldungen auf dem Bildschirm an. Nach der Kalibrierung des Touchscreens startet ein xdm zum Einloggen. Hier stehen bereits zwei User zur Auswahl: default ohne Passwort und root mit Passwort agenda. Nach dem ersten Einloggen wird diese Prozedur nicht mehr durchlaufen, eine weiteres Einloggen ist nicht notwendig. Leider ist kein Ausloggen vorgesehen, so dass die Daten jederzeit für alle lesbar sind.

Dreh- und Angelpunkt der Bedienungsoberfläche ist das Launchpad zum Starten der grafischen Anwendungen. Hier ist alles vorhanden, was man auf einem PDA erwartet, neben den klassischen PIM-Anwendungen auch Systemprogramme und diverse Spiele. Praktisch ist auch der Status Bar, eine Kombination von Uhrzeit- und Batterieanzeige. Mit dem Status Bar wird außerdem zwischen den verschiedenen Fenstern umgeschaltet.

Bei der Anzahl der laufenden Anwendungen dürfen die Einschränkungen durch CPU und Speicher nicht vergessen werden. Im Lieferzustand enttäuscht die Performance des Agendas doch sehr, hier ist die weiter unten beschriebene Aktualisierung auf die neuen SNOW-Binaries sehr ratsam. Aber auch danach macht der Agenda gerade beim Starten von Anwendungen einen etwas zähen Eindruck. Während beim etwa gleich teuren Palm-PDA die Anwendungen sofort verfügbar sind, kommt es beim Agenda zu merklichen Verzögerungen.

Termine, Adressen und mehr

Bei den wesentlichen PDA-Anwendungen ist Agenda keine großen Experimente eingegangen; Umfang und Oberfläche der Programme lehnen sich an den Palm an. In der Terminverwaltung lassen sich Termine mit Anfangs- und Endzeit eintragen, jeweils begleitet von einer Beschreibung. Diese darf auf keinen Fall vergessen werden: Termine ohne Beschreibung sind einfach verloren.

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