Aus LinuxUser 10/2001

Jo´s alternativer Desktop (Seite 2)

Am spannendsten dürfte für den heimischen Desktop-Werkler die Datei Xresources sein, die für die Optik verantwortlich zeichnet. Hier können u. a. die Pixelbreite des Rahmens, die Farben, Schriftarten und der Begrüßungstext nach Herzenslust geändert werden.

Nicht minder aufregend ist Xsetup. Dieses Bash-Skript wird abgearbeitet, sobald xdm aktiv wird. So ist es hierin möglich, xdm mit einem Hintergrundbild oder einer Hintergrundfarbe zu versehen oder den Standard-Mauszeiger in einen Pfeil zu ändern. Im simpelsten Fall könnten die ersten Zeilen dieser Datei so aussehen:

#!/bin/sh
 xsetroot -cursor_name left_ptr &
 xsetroot -solid black &

Doch hier darf nicht nur an einfachen Einstellungen gedreht werden: wenn Sie Anwendungen hinzustarten, eröffnen sich neue und interessante Möglichkeiten.

Aus die Maus

Wessen Linux im trauten Heim ein Einzelkämpferdasein fristet, der wird an xdm sicherlich einen Shutdown-Knopf vermissen. Der Rechner fährt selbstständig bis zum Login hoch, doch es besteht keine Möglichkeit, ihn von dort aus ebenso einfach wieder herunterzufahren. Nur um shutdown -h now zu tippen, mag sich schließlich kaum jemand als root einloggen.

Aufmerksame Leser dieser Rubrik wissen zwar längst, dass ein [Strg-Alt-Backspace] den X-Server (und somit auch xdm, wobei dieser lieber auf [Strg-R] hört) locker um die Ecke bringt, doch ein mit xdm-gewappneter X-Server hat mehrere Leben. Auf einem intelligenten System hat er seinen Tod nach drei Auferstehungsversuchen akzeptiert, doch auf manchen Installationen würde er auch nach Wochen nicht die Flügel strecken. Ungeduldigere Naturen finden daher ein schlichtes und leicht anpassbares Tcl/Tk-Skript auf der Heft-CD, das xdm um einen Shutdown- und Reboot-Button ergänzt. Die Buttons platzieren sich automatisch an der unteren rechten Bildschirmecke.

Abbildung 2: Kleine Ergänzung in Tcl/Tk
Abbildung 2: Kleine Ergänzung in Tcl/Tk

Die Installation ist denkbar einfach: Kopieren Sie tkshutdown einfach nach /usr/X11R6/bin/, und bereichern Sie Xsetup um folgende Zeile:

/usr/X11R6/bin/tkshutdown &

Auf diese Weise können Sie Ihren Display Manager auch um eine Uhr oder die im Juniheft in „out of the box“ vorgestellten xpenguins erweitern – Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, sofern man die Sinnfrage außen vor lässt. Doch spätestens beim ersten Login stellen Sie fest: Alles, was Sie hier starten, wird auf den User-Desktop übernommen.

Und so gibt es eine Datei, die beim Verlassen von xdm abgearbeitet wird: Xstartup. Da diese (ebenso wie xdm) von root ausgeführt wird, ist sie unbrauchbar, um individuelle User-Settings festzulegen. Dafür eignet sie sich aber, um tkshutdown wieder vom Desktop zu fegen: Tragen Sie in Xstartup ein

killall wish

ein, und den Shutdown-Knöpfen wird beim Verlassen von xdm ein Ende bereitet. Warum wish geopfert wird, wo doch das Programm tkshutdown heißt? Nun, das Programm ist ein simples Skript, das wish als Interpreter startet. Diesem muss der Boden entzogen werden, ist er doch das aktive Programm.

Labyrinth

Verwirrender wird es, betrachtet man das User-Äquivalent zu Xsetup, genannt Xsession: Diese Datei wird aufgerufen, nachdem sich der User eingeloggt hat. Was Sie hier eintragen, hat Auswirkung auf alle User; wollen Sie hingegen nur einem bestimmten User spezielle Einstellungen verpassen (damit er z. B. einen anderen Window Manager als den System-Default verwendet), so sollten Sie ihm eine ausführbare Datei Namens .xsession in seinem Home-Verzeichnis erstellen.

Auch Einstellungen, die Sie zuvor in ~/.bash_profile tätigten, sind beim grafischen Login besser in dieser Datei aufgehoben. Ihre altgediente ~/.bash_profile hat beim Login über xdm keine Wirkung mehr, denn vom Booten des Kernels bis zum Start Ihrer X-Session wird keine Bash benötigt.

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