Aus LinuxUser 10/2001

Jo´s alternativer Desktop

Eingangstür

StarTrek-Zeiten sind noch weit entfernt, und Ihr Computer erkennt Sie weder an Sprache noch Fingerabdruck? xdm ist eine zeitgemäße Übergangslösung.

desktopia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit desktopia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Schon Ali Baba und seine 40 Räuber wussten, dass ohne Passwort kein Sesam zu öffnen ist. Seither ist viel Wasser den Bach hinuntergeflossen, und so reicht ein einzelnes Zaubersätzchen längst nicht, um die Pforten unserer Rechner zu öffnen: Jeder Besucher ist einmalig und hat sein eigenes Passwort (wir wollen ja nicht alle 40 Räuber gleichzeitig bedienen). Nun gibt es verschiedene Wege ins eigene Reich – ein klassischer Wegweiser hierzu ist xdm, der „XDisplay Manager“.

Steinzeitflair?

Manch einer dürfte am liebsten in seine Tastatur beißen angesichts der Tatsache, dass hier nun ausgerechnet das Urgestein xdm präsentiert wird – wo doch KDEs kdm Einiges mehr bietet und gut funktioniert. Was will man da noch mit xdm?

Mit gleichem Recht können Benutzer alternativer Oberflächen (wie XFce) fragen, warum sie allerhand Plattenplatz einzig wegen kdm verschwenden sollen, wo doch xdm schneller startet und als X-Standard-Tool keinen zusätzlichen Plattenplatz benötigt. Neben dem Knabbern an den Ressourcen sind auch die scheinbar praktischen Features von kdm nicht unumstritten: Auf einem System mit beispielsweise 50 oder mehr Usern ist eine klickbare User-Auswahl nicht wirklich sinnvoll – der Einlogwillige müsste länger nach seinem Bildchen suchen, als er bräuchte, um seinen Namen zu tippen. Und tippen darf er hernach sowieso – spätestens das Passwort setzt dem Nager ein jähes Ende. Auch ist ein System, dass erst gar nicht die vorhandenen User preisgibt, eindeutig sicherer als eines, dass vorab einfach mal alle auflistet.

Distributionshoheit

Wer nun in Erwartung eines brandaktuellen xdms freudig zur Heft-CD greift, wird bitter enttäuscht: Nein, wir haben nicht vergessen, ein Päckchen zu schnüren. Vielmehr gibt es das gute Stück nicht einzeln. xdm ist Bestandteil von XFree selber. Somit finden Sie es entweder längst auf Ihrem System installiert, oder es schlummert in einem vom Distributor ausgelagerten, eigenständigen xdm-Paket auf Ihrer Distributions-CD. Auf jeden Fall besitzen sie den zu Ihrer grafischen Oberfläche passenden X Display Manager längst.

Ob xdm bereits installiert ist oder nicht, finden Sie am einfachsten über ein

locate bin/xdm

an einer Eingabeaufforderung heraus. Erfolgt eine Ausgabe, so ist xdm vorhanden. Erscheint nur wieder der Prompt, so hilft die Paketverwaltung inklusive den CDs der Distribution weiter.

Sesam öffne dich!

Ist xdm installiert, sollte er sich auch beim Systemstart präsentieren. Tut er das nicht, so hat ihm Ihr Distributor vermutlich einen anderen Runlevel zugedacht als jenen, in den sie booten. Jeder Runlevel ist eine Zusammenstellung an Diensten, die gestartet oder gestoppt werden. Für gewöhnlich sind zum Arbeiten die Runlevel 2 bis 5 gedacht (0 sorgt für einen Shutdown, 6 für einen Reboot, und der Single User Mode alias Runlevel 1 dient verunglückten Admins als Sicherheitsleine). Den Runlevel wechseln können Sie mit dem Tool init: Zum Runlevel 3 geht es an der Eingabeaufforderung mit dem Befehl init 3 (wichtig: init darf und kann nur root verwenden).

Haben Sie den Runlevel gefunden, der mittels xdm für ein grafisches Login sorgt, können Sie ihn als Default in der Datei /etc/inittab eintragen. Dazu muss lediglich die Zeile

id:2:initdefault:

entsprechend abgeändert werden. SuSE-User verwenden hierfür besser Yast, in dem der grafische Login aktiviert werden kann.

Abbildung 1: Schlicht, bewährt und dennoch modern – <custom name="span" custom:class="uielement">xdm«
Abbildung 1: Schlicht, bewährt und dennoch modern – xdm«

Handarbeit …

… ist gefragt, wollen Sie xdm konfigurieren (was Sie aber nicht müssen – er ist in jedem Fall vorkonfiguriert). Die Konfigurationsdateien finden sich für gewöhnlich unter /etc/x11/xdm/ bzw. /usr/X11R6/lib/X11/xdm/. Es lohnt sich, in jede der dortigen Dateien einen Blick zu werfen – die Distributoren kochen hier des Öfteren eigene Suppen, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben werden können. Eventuell haben Sie Optionen, die anderen Usern nicht zur Verfügung stehen.

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