Aus LinuxUser 10/2001

Baedecker für die Linux Welt

Linux in a Nutshell

Von Andreas Grytz

Mittlerweile ist Linux in a Nutshell in der dritten Auflage erschienen. Der Umfang ist auf stattliche 826 Seiten angewachsen, was den Wälzer nicht unbedingt handlicher gemacht hat. Aber die wahren Werte stecken ja nicht im Gewicht, sondern in den Inhalten.

In der Tat ist dieses Buch eine kompakte Sammlung von Befehlen, Konzepten und Techniken aus der Linux- und Unix-Welt. Im Gegensatz zur zweiten Auflage hat sich die Anzahl der Kapitel nicht verändert, es sind nach wie vor siebzehn Stück, wohl aber die inhaltliche Zusammensetzung.

So sind die Abschnitte über den Editor ex, die Programmierung und die Skriptsprache Perl herausgenommen worden. Gerade letztere wurde ja mit jeder neuen Auflage immer umfassender, so dass ihr ohnehin ein eigens Buch gewidmet wurde.

Allerdings wird vielleicht doch der eine oder andere Systemadministrator den schnellen Überblick über die Syntax vermissen, denn Perl ist eines der meist gebrauchten Werkzeuge für die Bewältigung von Systemaufgaben. Die ex-Befehle wurde in das Kapitel über den vi mit aufgenommen.

Obwohl das Kapitel Programmierung nicht mehr als solches existiert, ist die Befehlsreferenz – ebenso wie die Referenz für Netzwerk- und Systemadministration – in der allgemeine Befehlsreferenz aufgegangen. Diese hat dadurch rund 200 Seiten hinzugewonnen und nimmt nun mit über 350 Seiten mehr als ein Drittel des gesamten Buches ein.

Hier findet man von A wie agetty bis Z wie znew alle Befehle mit einer Erläuterung der Optionen. Beispiele sind nur selten angegeben, so dass es nicht als Anleitung zu verstehen ist, sondern als Nachschlagewerk für die präzise Syntax.

Hinzugekommen sind die Kapitel über die Debian- und RPM-Paket-Managern sowie je ein Kapitel über KDE, GNOME und den Window-Manager fvwm2. Das Buch orientiert sich somit deutlich stärker an den Bedürfnissen der Anwender als denen der Administratoren.

Bei den Kapiteln über GNOME und KDE handelt es sich aber lediglich um eine rudimentäre Einführung. So werden die zentralen Konfigurationswerkzeuge, das GNOME Control Center sowie das KControl-Zentrum, in allen Einzelheiten erläutert.

Das ist mitunter etwas mager und wird zum Teil in den Handbüchern der jeweiligen Lieblingsdistribution detailiert beschrieben. Hier wäre also noch Einsparpotential gewesen. Wohl aufgrund der Popularität entschloss man sich doch dafür.

Im Falle des fvwm2 führen die Autoren dagegen in das Konzept der Desktops und Seiten ein, mit denen der Window-Manager operiert, um sich danach voll und ganz der Syntax der Konfigurationsdatei zu widmen.

Hier erfährt der Leser, welche mächtigen Funktionen hinter der kryptischen Syntax versteckt liegen. Wer sich mit einer Alternative zu den speicherfressenden Komplettumgebungen trägt, sollte hier einen Blick riskieren.

Ein harter Brocken sind die Kapitel über sed und gawk, Skriptsprachen, die vorallem für die automatisierte Bearbeitung von Textdateien entworfen wurden. Die Komplexität liegt aber in der Materie selber, und wer einaml mit Problemen dieser Art konfrontiert wird, der findet hier sowie im Kapitel über Mustervergleiche einen Einstieg.

Das Kapitel über die Bourne Again Shell (bash) sowie die Einführung in C-Shell (csh) und TC-Shell (tcsh) sind im Umfang gewachsen. In einer Übersicht werden ide Gemeinsamkeiten und Unterschiede dargestellt; in den einzelene Kapiteln dreht sich dann alles um die Benutzung der eingebauten Befehle.

Auch das Revision Control System (RCS) sowie das neuere Concurrent Version System (CVS) werden in einem eigenem Kapitel erläutert, inklusiver aller Befehle, die zum richtigen Umgang mit den beiden Systemen notwendig sind.

Wer häufiger mit dem Linux-Rechner arbeitet, sich aber gleichzeitig nicht in allen Befehlen sicher fühlt, wird in diesem Buch eine wertvolle Hilfestellung finden. Manchen Zeitgenossen liegt ja der Blick in ein Buch aus Papier ohnehin mehr als das Starren auf die Manpage am Bildschirm.

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