Aus LinuxUser 08/2001

ADSL in Österreich

Breites Band durch die Alpenrepublik

Ende 1999 kamen die Segnungen der ADSL-Technologie auch über Österreich. Entgegen anderslautenden Meldungen werden sie auch Linux von Anfang an zuteil.

Wer seinen Wohnsitz – und mit ihm den Telefonapparat – schon einmal in ein anderes Land verlegt hat, weiß, dass andere Länder nicht nur andere Sitten, sondern auch andere Spezifikationen bei so universellen Dingen wie dem Telefon haben. So kommt es, dass eine Technologie zur Übertragung digitaler Daten auf herkömmlichen Telefonleitungen, wie ADSL sie ist, trotz international klingender Abkürzung („Asymmetric Digital Subscriber Line“) überall ein bisschen anders ausfällt.

Global und lokal

Der Vorteil von ADSL: auf der „letzten Meile“ von der Vermittlung bis zur Telefondose muss an der Verkabelung nichts geändert werden; lokale Besonderheiten können beibehalten werden. Dadurch bleiben die Kosten für die Telefonieprovider überschaubar; die Endverbraucher benutzen das normale Telefon weiter und sogar parallel zur Datenübertragung, weil für letztere höhere, für Sprachtelefonie unbenutzte Frequenzbereiche verwendet werden.

Bei der Entwicklung von ADSL wurde auf die Charakteristik der üblichen Internetnutzung, also hauptsächlich Download, Rücksicht genommen. Von der Technik her lassen sich downstream maximal 8 MBit/s und upstream 1 MBit/s Transferraten erreichen. Höhere Geschwindigkeit bedingt allerdings kürzere Leitungslängen, man muss also geographisch näher an der Vermittlung sitzen. In Österreich sind daher hauptsächlich die Werte 512 kBit down/64 kBit up üblich.

An Hardware wird auf der Benutzerseite ein sogenannter Splitter installiert, der die Trennung der Frequenzbänder für Telefonie- und Datenübertragung vornimmt. An den Splitter schließt man einen ANT („ADSL Network Terminator“), eine Art „ADSL-Modem“ an. Die Verbindung zwischen ANT und Computer ermöglicht eine 10-MBit-Ethernet-Schnittstelle. Neuerdings gibt es auch ANTs mit USB-Anschluss.

Auf der anderen Seite der Kupferleitung, in der Vermittlungstelle (in Österreich salopp auch „Wählamt“ genannt), ist natürlich auch spezielle Hardware nötig, um die Verbindung zu ermöglichen. In den Städten sind die meisten Vermittlungsstellen bereits mit ADSL-Techologie ausgerüstet, im Gegensatz zu den ländlichen Gebieten. Im Zweifelsfall gilt es, bei der Telekom nachfragen, ob ADSL technisch möglich ist.

Ende der Gemeinsamkeiten

Softwareseitig wird die Verbindung zum Internetprovider wie bei einem analogen Modem oder bei ISDN mittels PPP („Point-to-Point Protocol“) hergestellt, in Deutschland wie auch in Österreich über einen „Tunnel“.

Hier hören allerdings die ADSL-mäßigen Gemeinsamkeiten der Nachbarländer bereits auf. Im Gegensatz zur deutschen benutzt die österreichische Telekom PPTP („Point-to-Point Tunneling Protocol“) und nicht PPOE („Point-to-Point Over Ethernet“). Letzteres ist das ältere Protokoll (beschrieben in RFC 2516), weniger aufwändig und daher tendenziell etwas schneller. PPTP wurde von einem Konsortium von Firmen unter der Federführung der allseits bekannten und bei Linuxern so beliebten Softwareschmiede aus Redmond/USA entwickelt (siehe auch RFC 2637).

ADSL-Evolution made in Austria

Mit der Einführung von ADSL Ende 1999 durch die Telekom Austria, die die ADSL-Hardware liefert und installiert, bot als Erster der Provider AON seinen Kunden diese Technologie an. Andere Provider folgten erst ein halbes Jahr später (siehe Kasten „Telekom, AON und der Rest“). Für ca. ATS 500,– (etwa 70 DM) erhält man 512 kBit/64 kBit und ein GByte Übertragungsvolumen pro Monat, Die Installation des Splitters und des ANT schlägt nochmals einmalig mit ATS 1800,– (etwa 250 DM) zu Buche. Der ANT ist übrigens eine Art „Leihgabe“, der nach Ende der Nutzung wieder zurückgegeben werden muss.

Ein Providerwechsel ist für eine Bearbeitungsgebühr von ca. ATS 500,– (etwa 70 DM) möglich, der ANT und der Splitter bleiben dabei erhalten, eine erneute Zahlung der Installationsgebühr ist nicht nötig. Die Ummeldung erledigt der neue Provider automatisch und meist recht problemlos.

Beim Vergleichen mit anderen Zugangstechnologien wie zum Beispiel Telekabel sollte man beachten, dass für ADSL ein Telefonanschluss nötig ist und dadurch noch eine Telefongrundgebühr anfällt, die in obigen Preisangaben nicht enthalten ist. Auch darf das eine GByte Transferlimit pro Monat nicht außer Acht gelassen werden; bei darüber hinaus gehenden Übertragungsvolumina ist mit deutlich höheren Kosten zu rechnen (bis zu ATS 2,– pro MB, je nach Provider).

Anfänglich waren Preis, Leistung und Qualität der verschiedenen Provider durchaus unterschiedlich, mittlerweile haben sich die meisten Standardangebote bezüglich Preis und Leistung auf fast identische Werte eingestellt. Für den Endbenutzer ist diese neue Einheitlichkeit leider sehr nachteilig. Eventuell bringt die Einführung von SDSL („Symmetric Digital Subscriber Line“) ein bisschen frischen Wind in die erstarrte Lage, siehe dazu auch [7]. Eine sehr praktische ADSL-Providerübersicht finden Sie unter [4].

ADSL und der Pinguin

Auch wenn es etwa ein Jahr lang von AON bzw. der Telekom andere Auskünfte gegeben hat, war und ist ADSL unter Linux von Anfang an möglich und auch nicht wirklich schwierig einzurichten. Sollten Sie zu den Glücklichen zählen, die bei der Hotline tatsächlich Gehör finden, lassen Sie sich keinesfalls entmutigen! ADSL und Linux funktioniert, und das stabiler als mit den bekannten Betriebssystemen mit einem W am Anfang.

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