Aus LinuxUser 07/2001

Bildbearbeitung mit Gimp, Teil 4 (Seite 2)

Gimp bietet für derartige Effekte das ziemlich flexible Bumpmap-Plugin (Bumpmap könnte man etwa als „Dellenkarte“ oder „Beulenkarte“ übersetzen…), das Sie unter <Bild>/Filter/Abbilden/Bumpmap finden. Den Dialog sehen Sie in Abbildung 7.

Abbildung 7: Viele Parameter für das Bumpmap-Plugin
Abbildung 7: Viele Parameter für das Bumpmap-Plugin

Bevor wir uns ins Abenteuer stürzen noch schnell etwas Theorie. Das Bumpmap-Plugin basiert auf der Idee, dass ein Gebirge von oben betrachtet immer noch etwas von seiner Struktur erkennen lässt, da die Sonne die unterschiedlichen Hänge unterschiedlich beleuchtet. Das Gebirge wird innerhalb von Gimp typischerweise mit einem Graustufenbild beschrieben. Die unterschiedlichen „Höhen“ sind ähnlich wie in einer topographischen Karte durch verschiedene Graustufen symbolisiert. Schwarz sind die Täler und weiß die Gipfel.

Probieren wir es aus. Erzeugen Sie ein neues Bild mit schwarzem Hintergrund und schreiben sie einen weißen Text hinein. Mit <Bild>/Filter/Weichzeichner/Gaußscher Weichzeichner können Sie dafür sorgen, dass unser „Gebirge“ mit erhabenen Buchstaben an den Rändern etwas sanftere Hänge bekommt. Erzeugen Sie nun ein zweites Bild in derselben Größe, diesmal allerdings mit weißem Hintergrund. Starten Sie nun per Rechtsklick in dem weißen Bild <Bild>/Filter/Abbilden/Bumpmap.

Als erstes wählen Sie nun innerhalb der Parameter-Einstellungen unter dem Punkt Bumpmap das Bild aus, das unser „Gebirge“ darstellt. In dem Vorschaubild oben links sollte nun schon ein dreidimensionaler Effekt zu sehen sein, gegebenenfalls müssen Sie noch etwas herumscrollen (Entweder über die Rollbalken oder per Klick in die Vorschau), bis Sie den interessanten Bereich gefunden haben.

Mit den Parametern Längengrad und Breitengrad können Sie nun die Richtung festlegen, aus der unser Gebirge beleuchtet wird. Längengrad legt fest, von welcher Seite die Lichtquelle auf das Gebirge scheint. Wenn Sie an dem Schieberegler ziehen, sehen Sie, wie die hellen Stellen um das Gebirge herumwandern. Mit Breitengrad legen sie fest, aus welcher Höhe über dem „Horizont“ die Lichtquelle auf das Gebirge scheint. Probieren sie ein bisschen herum, um ein Gefühl für die Parameter zu bekommen. Nach einem Klick auf OK wird der Effekt in das Bild übernommen.

Der Tiefe-Parameter regelt die Maximalhöhe des Gebirges. Je größer er ist, desto steiler werden die Hänge, die Beleuchtung wird also kontrastreicher.

Jetzt wirds bunt.

Wir haben bis jetzt nur die grundlegende Variante des Bumpmap-Effektes kennengelernt. Natürlich kann man das Plugin nicht nur auf weiße Bilder anwenden – dann würden ja immer nur grau schattierte Ergebnisse herauskommen. In Bild 8 habe ich das Bumpmap-Plugin auf ein buntes Bild angewandt. Im rechten oberen Bereich sehen sie die graustufige Landkarte, links unten den Effekt, den sie auf ein buntes Bild hat. In diesem Fall habe ich das bunte Muster mit <Bild>/Filter/Render/Wolken/Plasma erzeugt.

Abbildung 8: Rechts oben die Bumpmap, links unten der erzeugte Effekt
Abbildung 8: Rechts oben die Bumpmap, links unten der erzeugte Effekt

Werfen wir einen Blick auf die Parameter im Dialog rechts oben (Abb 7). Der Map Typ gibt an, wie die Graustufen in Höhenstufen umgesetzt werden. In Abbildung 9 sehen sie die drei zugrundeliegenden Funktionen: Linear, Spherisch und Sinusförmig. Eine kurze Interpretationshilfe: Wenn Sie an einem Rand einen gleichmäßigen Farbverlauf von schwarz nach weiß haben, setzen die verschiedenen Funktionen diesen in einen geraden, viertelkreisförmigen oder sinusförmigen Hang um. In dem Bild sehen Sie, wie sich die verschiedenen Formen auf eine kleine Pyramide auswirken. Linear ergibt einen spitzen Kegel, Spherisch eine Art Quecksilbertropfen und Sinusförmig einen sanften Hügel, der zur Spitze und zum Boden hin sanft ausläuft.

Abbildung 9: Dem Bumpmap-Plugin zugrundeliegende Abbildungsfunktionen
Abbildung 9: Dem Bumpmap-Plugin zugrundeliegende Abbildungsfunktionen

Der Bumpmap-Algorithmus hat den meist unerwünschten Nebeneffekt, dass das Bild deutlich dunkler wird (wenn die Lichtstrahlen schräg auftreffen, wird die Fläche nicht voll erleuchtet). Um diesen Effekt zu reduzieren, kann man die Option Verdunkelung kompensieren nutzen. Die Option Bumpmap invertieren interpretiert das Graustufenbild exakt umgekehrt: Weiß sind die Täler, schwarz die Höhenzüge. Im Prinzip könnte man denselben Effekt erreichen, indem man die Lichtquelle auf die gegenüberliegende Seite (± 180°) dreht – dieser Knopf ist eine Abkürzung.

Ist die Bumpmap kleiner als das Bild, auf das sie angewandt wird, kann man sie mit der Option Bumpmap kacheln wiederholen und so eine gleichförmige Oberflächenstruktur erzeugen. In diesem Zusammenhang muss man auch die Parameter X/Y-Versatz sehen, die die Bumpmap gegenüber dem Bild verschieben. Mit Ambient kann man die diffuse Beleuchtung regeln. Je höher dieser Wert ist, desto heller erscheint die der Lichtquelle abgewandte Seite.

Um den Parameter Wasserhöhe zu erläutern, muss ich etwas ausholen. Ich will aber nicht zu sehr in die Tiefe gehen, sonst artet das Ganze aus – ich will gleich noch einen netten Trick vorstellen. Das Bumpmap-Plugin kann auch Transparenzinformationen als Höheninformationen auswerten. Das heißt, wenn ein weißer Fleck sanft in Transparenz übergeht, erscheint nach Anwendung des Effektes ein Hügel. Wenn allerdings ein schwarzer Fleck in Transparenz übergeht, erscheint eine Delle. Wie stark sich ein Hügel erhebt oder wie tief sich eine Delle eindrückt, wird über die Wasserhöhe festgelegt.

Um es kurz zu machen: Schauen Sie sich Bild 10 an. Links sehen Sie, wie Flecken in verschiedenen Grauwerten vor einem grünen Hintergrund in Transparenz übergehen. Daneben sehen Sie die Bilder, die entstehen, wenn man diese Bumpmap mit den Wasserhöhen 0, 64, 128, 192 und 256 auf einem weißen Bild anwendet. Beachten Sie, dass bei einer Wasserhöhe von 0 nur Hügel, bei einer Wasserhöhe von 256 nur Dellen entstehen (das Licht kommt von links oben).

Abbildung 10: Der Effekt des <custom name="span" custom:class="uielement">Wasserhöhen«-Parameters
Abbildung 10: Der Effekt des Wasserhöhen«-Parameters

Konturen

Zum Abschluss noch ein kleines Schmankerl. Die drei verschiedenen Funktionen, um die Form der Kontur zu beeinflussen, sind ja ganz nett, aber manchmal will man doch etwas mehr Einfluss haben. Das Bumpmap-Plugin alleine kann das nicht leisten, es ist aber sehr leicht, dem Plugin verschiedene Konturen „unterzujubeln“. Hierzu können Sie den <Bild>/Bild/Farben/Kurven-Dialog verwenden.

Starten Sie wieder mit einem weichgezeichneten (Radius ca. 10 Pixel) weißen Text vor einem schwarzen Hintergrund. Öffnen Sie nun den Kurven-Dialog und modellieren Sie eine Kontur, ähnlich wie in Abbildung 11 zu sehen.

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