Aus LinuxUser 05/2001

Brennen mit Komfort

xcdroast

X-CD-Roast ist eine der ältesten Anwendungen, die als GUI (graphical user interface) für die Befehle zum „Brennen“ von CDs unter Linux entwickelt wurden. Dass es sich dabei auch immer noch um eine der leistungsfähigsten Applikationen handelt, zeigt dieser Artikel.

Zur Zeit sind zwei Versionen dieser Software im Umlauf: die schon etwas ältere Version 0.96 (ex) und die noch als „Alpha“ gekennzeichnete Version 0.98xx. Momentan ist die Alpha Release vom November 2000 aktuell. Der Entwickler Thomas Niederreiter nennt diese Version allerdings heute schon ausgereifter und stabiler als die Version 0.96, so dass Anwender vorzugsweise X-CD-Roast 0.98 einsetzen sollten. Die jeweils aktuelle Version stellt der Entwickler im Internet unter folgender Adresse zum Download bereit: http://www.xcdroast.org

X-CD-Roast 0.98 verwendet im Unterschied zu den älteren Versionen, die auf dem Tcl/TK-Toolkit aufsetzten, Gtk (das auch unter GNOME verwendete Gimp Toolkit) ab Version 1.2.3. Die entsprechenden Libraries müssen also vorab installiert werden. X-CD-Roast wird oft via Link auch unter dem Namen xcdrgtk installiert.

Ein Wort noch zum Kompilieren der Quelltexte. Dieses stellt weniger erfahrene Anwender unter Umständen vor einige Probleme, da es sich bei der Software um „alpha“-Code handelt, wie der Entwickler betont. Bei Problemen sollten daher die fertigen RPM-Pakete entpackt und eingesetzt werden. Zu X-CD-Roast gehören auch (angepasste Versionen von) cdrecord (Version 1.9, Backend zum Schreiben der CDs), mkisofs (zum Erstellen von Imagefiles, „Mastern“), readcd zum Auslesen von CDs (entspricht dem dd früherer Versionen) sowie vrfytool, um fertige CDs zu überprüfen. Für die Bearbeitung von Audio-CDs stehen die Befehle cdda2wav, cddbtool und wavplay zur Verfügung.

Tatsächlich können mit X-CD-Roast Audio- und Daten-CDs aus Daten auf der Festplatte erzeugt oder direkt kopiert werden. Dabei können neben CDRs auch wiederbeschreibbare Medien (CDRW) verwendet werden. Es ist mit dem Programm sogar möglich, Mixed-Mode- und Boot-CDs zu erstellen. Mixed-Mode-CDs bestehen sowohl aus Daten als auch aus Audiokomponenten, sie lassen sich aber nicht mehr auf normalen CD-Playern abspielen.

Daten-CDs können „on-the-fly“ gemastert werden, mehrfache Image Files werden allerdings auch unterstützt. Die neue Programmversion von cdrecord (1.9) kann inzwischen auch CD-Writer mit der Burn-Proof-Technologie steuern, so dass es eigentlich kaum noch Gründe gibt, die gegen den Einsatz dieser Software sprechen. Nur Multisession-CDs lassen sich derzeit noch nicht erstellen.

Die landessprachlichen Anpassungen der Bedienelemente und insbesondere der Tooltips sind recht umfangreich und gut. Um diese nutzen zu können, muss vor dem Programmstart die Umgebungsvariable LANG=de_DE gesetzt werden.

Unterschiede zwischen den Versionen 0.96 und 0.98alpha7

Prinzipiell unterscheiden sich beide Versionen aus Anwendersicht hauptsächlich in der Vereinfachung der Bedienung. Während in der früheren Version noch sechs Modi unterschieden wurden, reduziert sich die Anzahl in der neuen Version auf drei. Beim Erstellen von CDs muss nicht der Anwender unterscheiden, ob Audio- oder Daten-CDs kopiert oder erstellt werden – diese und viele weitere Möglichkeiten werden nun automatisch berücksichtigt. Weiterhin ist die neue Programmversion um einige nützliche und sinnvolle Features erweitert worden:

  • Imagefiles können in mehreren Datenverzeichnissen gespeichert werden.
  • Das Mastern von CDs kann „on-the-fly“ erfolgen, die Imagefiles werden also eingespart.
  • Ausgewählte Tracks können von CDs gelesen werden.
  • Das Mastern wird erweitert, es können beliebig viele Verzeichnisse angegeben werden.
  • X-CD-Roast kann auch von „normalen“ Anwendern benutzt werden.

Parallele Installation von X-CD-Roast 0.96 und 0.98 unter SuSE Linux

Unter SuSE Linux können X-CD-Roast 0.96 und 0.98 parallel installiert werden, sofern man einige Punkte beachtet; die beiden Versionen werden automatisch in verschiedenen Verzeichnissen installiert (siehe Kasten 1)

Kasten 1: X-CD-Roast-Verzeichnisse

#ls -l /usr/X11R6/lib/xcdroast-0.9*
 /usr/X11/lib/xcdroast-0.96ex:
 total 9
 drwxr-xr-x    5 root     root        1024 Mar 21 19:48 .
 drwxr-xr-x   33 root     root        5120 Mar 22 01:01 ..
 drwxr-xr-x    2 root     root        1024 Mar 21 19:48 bin
 drwxr-xr-x    2 root     root        1024 Mar 21 19:48 logo
 drwxr-xr-x    2 root     root        1024 Mar 21 19:48 sound
 /usr/X11/lib/xcdroast-0.98:
 total 10
 drwxr-xr-x    6 root     root        1024 Mar 21 19:37 .
 drwxr-xr-x   33 root     root        5120 Mar 22 01:01 ..
 drwxr-xr-x    2 root     root        1024 Mar 21 19:37 bin
 drwxr-xr-x    2 root     root        1024 Mar 21 19:37 icons
 drwxr-xr-x    2 root     root        1024 Mar 21 19:37 lang
 drwxr-xr-x    2 root     root        1024 Mar 21 19:37 sound

Nur die Binaries beider Versionen werden unter /usr/X11R6/bin als xcdroast installiert – ein Konflikt. Bei Version 0.98 ist dies ein Link auf xcdrgtk. Hier muss also nach Installation der 0.98 der Link entfernt werden, um anschließend das RPM-Paket von X-CD-Roast 0.96 zu installieren:

rpm -ihv xcdroast-0.96ex2-50.i386.rpm
 …

Die einzige Überschneidung, die dabei noch auftritt, betrifft die Datei README.nonroot im Verzeichnis /usr/share/doc/packages/xcdroast/. Eine Version muss daher unter einem anderen Namen (README.nonroot-0.98) gespeichert werden.

Konfiguration

Vor dem Einsatz von X-CD-Roast muss die Software konfiguriert werden. Beim ersten Start wird auf eines der neuen Features des Programms hingewiesen: Auch normale Anwender können in der aktuellen Version X-CD-Roast benutzen; früher war der Einsatz dem Administrator root vorbehalten. Weitere Informationen und spezielle Details finden sich in der Datei README.nonroot.

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