Aus LinuxUser 04/2001

The Answer Girl

Daten schaufeln

Wer hat sie nicht schon mehr als genug gehört, die gutgemeinte Litanei vom Anlegen eines Backups. In der Firma oder an der Uni mag man dieses leidige Thema mit einiger Berechtigung auf die dortigen Systemadministrator(inn)en abwälzen, doch was ist mit dem Datenbestand zu Hause?

Answer Girl

Dass der Computeralltag auch unter Linux des Öfteren für Überraschungen gut ist, ist eher eine Binsenweisheit: Immer wieder funktionieren Dinge nicht oder nicht so, wie eigentlich angenommen. Das Answer-Girl im LinuxUser zeigt, wie man mit solchen Problemchen elegant fertig wird.

Ein Bandlaufwerk hat dort nur selten jemand, ein Backup auf CD erfordert einen CD-Brenner, und wenn nicht ständig ein Rohling im Laufwerk steckt, ist an Automatisierung ohnehin nicht zu denken. Datensicherung auf Diskette? Das macht man vielleicht mit den Briefen ans Finanzamt, aber kaum mehr mit der 100-seitigen Diplomarbeit und den auf mehrere MByte angewachsenen E-Mail-Wechseln mit verflossenen Lieben.

Lagerstrategien

Bei den heute gängigen Festplattengrößen lässt sich sicher eine dedizierte Partition abzwacken und ausschließlich als Sicherungsplatz nutzen. Schlecht, wenn die Harddisk die ewigen Cyber-Gründe heimsucht, aber besser als gar nichts.

Besser ist da schon eine zweite Platte – selbst mit dem sechs Jahre alten GByte aus dem ausrangierten Rechner kommt man ein gutes Stück weit. Solange der Computer nicht gestohlen wird oder in Flammen aufgeht, ist das gar nicht mal so schlecht.

Keinesfalls zu unterschätzen ist jedoch die (sicherere) Alternative, den Altrechner erst gar nicht einzumotten, sondern zum persönlichen Backup-Schrank zu deklarieren. Natürlich kann es auch das Notebook sein, auf dem aufhebenswerte Daten immer in Zweitausfertigung liegen. Mehr als ein kleines LAN ist dazu nicht von Nöten.

Doch dank Flat-Rates, ADSL & Co. ist selbst der Account im Institut oder der Internetrechner der Freundin ein geeigneter Lagerplatz für ausgewählte Daten. Wer nicht seine gesamte Zwei-GByte-Installation weg sichern will (im Zweifelsfall steht nach dem nächsten Platten-Crash ohnehin ein Update auf SuSE oder Red Hat 13.7 an), sondern sich auf handoptimierte Konfigurationsdateien und the best of $HOME beschränkt, der oder die kann sich vermutlich selbst ein Backup über ISDN oder Modem vorstellen.

Bei solch ketzerischen Aussagen wird jede pflichtbewusste Systemadministratorin natürlich Zeter und Mordio schreien, doch Hand auf’s Herz: Sich in eine ordentliche Backup-Software einzuarbeiten, haben Sie bislang nicht geschafft, und wenn doch, dann sichert die jedenfalls nicht den Freizeitrechner. Sollten Sie zu den löblichen Ausnahmen gehören, stellt sich die Frage, wann Sie das letzte Mal geprüft haben, ob sich Ihr Backup auch tatsächlich wieder zurückspielen lässt…

Backup oder Datenabgleich?

Suchen wir daher nach einer vielleicht nicht ganz so sicheren, dafür aber besser handhabbaren Alternative. Ordentliche Backups werden meist als so genannte inkrementelle Backups ausgeführt. Das heißt, dass einmal (oder besser in regelmäßigen Abständen) eine vollständige Sicherheitskopie aller Daten gezogen wird und zwischen zwei Voll-Backups jeweils nur die Unterschiede zur vorigen Version.

Zudem werden die Backup-Medienrotiert, so dass man, wenn sich eines im Nachhinein als kaputt oder anderweitig unbrauchbar heraus stellt, hoffentlich auf die nächst ältere Sicherungskopie zugreifen kann.

Auf unsere häuslichen Daten angewandt, ist das natürlich ebenfalls der Idealzustand, aber für die Rotation wären für unser Sicherung-auf-Festplatte-Ansinnen mehrere Platten oder gar Rechner von Nöten. Das Stichwort „inkrementell“ hingegen hat für uns durchaus seinen Reiz – schließlich wollen wir nicht jedes Mal auch die Daten neu sichern, die sich gar nicht geändert haben.

Wer seine Dateien in verschiedenen Bearbeitungsversionen parat haben will, löst dieses Problem allerdings nicht über ein inkrementelles Backup, sondern besser über eine Versionskontrollsoftware wie cvs, sodass wir uns mit einer Situation zufrieden geben, wo auf dem Zielsystem genau die Daten liegen, die vor dem Datenabgleich in den Quellverzeichnissen zu finden waren – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Was wir also wollen, ist ein simples Spiegeln der Daten, am besten über’s Netz und daher möglichst auf einem Weg, auf dem die Daten und vor allem das Passwort verschlüsselt werden. Damit ein einfaches Zurückspielen der Daten möglich ist, sollen sich in den Zielverzeichnissen keine Dateien ansammeln, die aus den Quell-Directories schon einmal gelöscht wurden. Das bedeutet zwar, dass wir vor jedem Datenabgleich sicher sein müssen, dass alle vorangegangenen Löschaktionen in Ordnung gingen, doch das ist der Preis für nicht rotierende Backup-Medien.

Je nach Kapazität auf dem Zielsystem, Ausbau der Netzanbindung zwischen den beiden Rechnern und der persönlichen Bewertung, welche Daten überhaupt sicherungswürdig sind oder dem Zielrechner anvertraut werden dürfen, geht es jetzt an die Auswahl der zu sichernden Verzeichnisse – und an die Suche einer geeigneten Software.

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