Aus LinuxUser 04/2001

out of the box

Linux aus der Hosentasche

Es gibt Tausende Tools und Utilities für Linux. „out of the box“ pickt sich die Rosinen raus und stellt jeden Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten. Dem Schwerpunktthema dieses Heftes folgend weichen wir diesmal ein wenig von der Regel ab und widmen uns gleich einer ganzen Distribution – die allerdings von einer einzigen Diskette läuft: HAL91.

Mini-Distributionen, auch wenn sie im Schatten ihrer großen Schwestern oft weniger Beachtung finden, sind nützliche Werkzeuge: Von der Spezialdistribution, die von Systemadministratoren gern zur Diagnose und Fehlerbeseitigung eingesetzt wird, bis hin zum nahezu vollständigen Linux-Desktop für ältere Hardware reicht die Bandbreite (siehe auch den Kasten „Andere Mini-Distributionen“).

HAL91 ist auf etwas betagtere Rechner spezialisiert und bietet sich als Spielwiese für all diejenigen an, die ihr System gern auch ohne grafische Werkzeuge beherrschen möchten. Auch als Notsystem oder allgemeine Installationsdiskette lässt sich diese Distribution (mit ein wenig Handarbeit) verwenden.

Die Voraussetzungen, um HAL91 laufen zu lassen, fallen entsprechend gering aus: Vom 80386-Prozessor aufwärts und mit mindestens 8 MByte RAM ausgerüstet, lässt sie sich starten. Wichtig war den Entwicklern auch, kein hochformatiertes Diskettenformat zu verwenden, da einige Laufwerke damit Probleme haben.

HAL91 wurde von Øyvind Kolås entwickelt und wird seit Januar 2000 von mir (Christian Perle) weitergepflegt.

Was wird gebraucht?

Auf der HAL91-Homepage http://home.tu-clausthal.de/~incp/hal91/ finden Sie das Disk-Imagehal91.img. Für den Fall, dass Sie noch kein Linux auf Ihrem Rechner haben und von DOS/Windows auf installieren müssen, befindet sich dort auch das DOS-Programm rawrite2.exe. (Beide Dateien finden Sie auch auf der Heft-CD.)

Wie wird installiert?

Da wir es mit einem vorgefertigten Disketten-Image zu tun haben, müssen wir nicht mehr tun, als dieses auf eine formatierte Diskette zu schreiben. Wenn Sie bereits über ein lauffähiges Linux verfügen, reicht der folgende (vom Administrator root einzugebende) dd-Aufruf aus:

dd if=hal91.img of=/dev/fd0

Unter DOS/Windows benutzen Sie stattdessen rawrite2.exe:

rawrite2 -f hal91.img -d a:

Start me up

Um von Diskette zu booten, müssen Sie eventuell im BIOS-Setup Ihres Rechners die Boot-Reihenfolge auf A:,C: umstellen. Mit der HAL91-Diskette im Laufwerk starten Sie Ihren Rechner neu. Nach etwa 60 Sekunden ist das kleine Linux geladen und meldet sich mit einem Logo in der Konsole (Abbildung 1). Die Diskette kann übrigens nach dem Booten aus dem Laufwerk entfernt werden, denn das System läuft komplett im Arbeitsspeicher (RAM).

Abbildung 1: Die HAL91-Konsole
Abbildung 1: Die HAL91-Konsole

Die englische Tastaturbelegung, die nach dem Booten noch aktiv ist, können wir mit dem Kommando loadkeys /tmp/de-nodeadkeys.map auf ein gewohnteres Layout umstellen. Wie bei den „großen“ Distributionen stehen auch bei HAL91 mehrere virtuelle Konsolen (erreichbar über ALT-F1 bis ALT-F4) zur Verfügung. Ein Login ist nicht nötig, auf allen Konsolen läuft eine Shell mit root-Rechten.

Gerade bei älteren Rechnern erinnert sich selten jemand daran, welche Hardware eigentlich darin steckt. HAL91 hilft beim Ermitteln vieler Komponenten. So können IDE-Festplatten, ATAPI-CD-ROM-Laufwerke, NE2000-kompatible Netzwerkkarten und diverse PCI-Geräte erkannt und zum Teil genutzt werden.

Als Diagnosewerkzeuge dienen dabei die Kommandos dmesg zum Anzeigen der Kernel-Meldungen und cat /proc/pci, das die PCI-Geräte auflistet. Listing 1 zeigt einen Ausschnitt der Kernel-Meldungen auf einem Toshiba 100CS Notebook.

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