Aus LinuxUser 03/2001

Zu Befehl:BitchX und ircII

ircII und BitchX

Mit X-Chat haben wir Ihnen im vorherigen Artikel einen komfortablen IRC-Client vorgestellt, der sich prima mit der Maus über Menüs steuern und konfigurieren lässt. Auch haben wir erste Geheimnisse aus der Welt der Chat-Räume und IRC-Server gelüftet. Mit den IRC-Programmen auf der Kommandozeile eröffnen sich neue Perspektiven für das Durchwandern virtueller Welten.

Bei den meisten Distributionen mitgeliefert und auch standardmäßig installiert ist das erste Programm, das in dieser „Zu Befehl“-Folge vorgestellt wird: irc oder auch ircII. Häufig ist ersteres nur ein Link, der auf ircII zeigt – tippen Sie auf der Kommandozeile also einfach mal irc. Jetzt haben Sie, wie die Man-Page verrät, ein IRC-Interface im Vollbildmodus. Das Fenster ist aufgesplittet: Der obere Teil zeigt, was auf dem Server passiert, unterhalb der invers hervorgehobenen Zeile haben Sie eine Zeile frei, um Ihre eigenen Eingaben zu tippen. Wie Sie einen Channel betreten (/join #channel) oder eine private Unterhaltung starten (/query nick), hat der X-Chat-Artikel bereits ausführlich gezeigt. Bevor Sie sich mit ircII aber an solche Dinge heranwagen, sollten Sie das Programm ein wenig konfigurieren.

Abbildung 1: "ircen" auf der Kommandozeile
Abbildung 1: „ircen“ auf der Kommandozeile

Gut gewappnet…

Als Default-Nickname wählt das Programm für Sie den Usernamen vom eigenen Computer aus. Sollte dies nicht gewünscht sein, schafft ein /nick neu Abhilfe. Übrigens: Die meisten User setzen einfach einen Unterstrich vor oder hinter ihren Nickname, falls ein zweiter User diesen in Beschlag genommen hat und sie weiterhin im Channel erkannt werden möchten. Ein nick_ ist also durchaus üblich und praktisch.

Diesem Nickname können Sie jetzt mit dem /mode-Kommando interaktiv bestimmte Eigenschaften mit auf den Weg geben. Soll er außerhalb eines Channels unsichtbar sein, setzen Sie sich selbst mit /mode nick +i auf „invisible“. Möchten Sie Nachrichten vom IRC-Server erhalten, können Sie /mode nick +s aufrufen (Vorsicht – dies geht nicht bei allen IRC-Servern). Solche Aufrufe können mit /mode nick +si auch kombiniert werden; entfernen können Sie diese Eigenschaften wieder mit /mode nick -si. Wer sich hinter einem Nickname verbirgt, können Sie mit /whois nick herausfinden. Für eine gewisse Zeit nach dem Ausloggen liegt auch noch die Information auf dem Server, wer der Benutzer des Nicknames war: /whowas nick. Wenn Sie einen User erwarten möchten, d. h. eine Meldung bekommen, wenn sich derjenige anmeldet, hilft das Kommando /notify nick weiter.

Server, Server, wechsel Dich

Wenn Sie im IRC-Net (s. Artikel zu X-Chat) über die dauernden Net Splitsfrustriert sind, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, ein anderes Netz oder einen anderen Server auszuprobieren. Unter dem Sammelbegriff irc.kde.org sind mehrere kleinere Server zusammengeschlossen, die jede Menge Channels rund um die Themen Linux und KDE bieten. In einer bereits bestehenden IRC-Session erreichen Sie diesen Server-Wechsel durch /server irc.kde.org, und der Austausch wird vollzogen. Dabei verlieren Sie allerdings nicht nur den OP-Status auf allen Channels (sofern Sie diesen hatten), auch alle anderen persönlichen Einstellungen (z. B. +i) gehen verloren.

Geteiltes Fenster ist doppelte Freude

Gleichzeitig auf zwei Channels in einem Fenster – geht das? Klar, mit einem kleinen Trick können Sie auch einen ircII unterteilen. Tippen Sie einfach /window new und das Terminal erhält eine Trennlinie, wie in Abbildung 2 gut zu sehen ist. Es ist nach wie vor die unterste Zeile zur Eingabe Ihrer Texte vorhanden, den aktiven Bereich erkennen Sie am * type /help for help. Um zwischen den beiden Bereichen hin- und herzuschalten, müssen Sie sich einen eigenen Befehl „basteln“, der in die .ircrc eingetragen wird – was es mit dieser Datei auf sich hat, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Abbildung 2: Geschickt aufgeteilt
Abbildung 2: Geschickt aufgeteilt

Wie Sie wissen, werden individuelle Konfigurationen für Programme in versteckten Dateien in Ihrem Home-Verzeichnis abgelegt. Werfen Sie z. B. mal einen Blick in die Datei .bashrc. Hier können Dinge wie alias ls='ls --color=auto ' eingetragen sein, die das Arbeiten auf der Kommandozeile erleichtern. In Zusammenhang mit IRC kann für die Bash definiert werden:

export IRCSERVER="irc.kde.org"

Beim Start des Programms werden Sie automatisch mit diesem Server verbunden. Zurück zur .ircrc – hier kommt eine Beispieldatei, die u. a. ein selbstdefiniertes Kommando zum Wechseln zwischen geteilten Fenstern enthält (die ## sind Kommentarzeichen):

BIND META1-1 PREVIOUS_WINDOW ## [Esc]+1 = Auswahl Teil 1
 BIND META1-2 NEXT_WINDOW     ## [Esc]+2 = Auswahl Teil 2
 NICK Huhnix                  ## setzt eigenen Nickname
 SET translation latin_1      ## Sonderzeichen
 SET eight_bit_characters on
 UMODE i                      ## Nick autom. +i gesetzt
 NOTIFY hgesser               ## erwartet User "hgesser"

Last but not least: ircII hat eine praktische Online-Hilfe. Sie können jederzeit mit /help eine Übersicht zu den Hilfethemen bekommen oder gezielt mit /help kommando den Befehl nachschlagen. Verlassen können Sie diesen Modus einfach durch Drücken der [Return]-Taste.

In Farbe und mit Macros – BitchX

Dieses Programm ist ein modifizierter ircII-Client mit einer großen Anzahl von Features, deren Beschreibung ein ganzes Buch füllen würde. Daher pickt dieser Artikel nur einzelne Rosinen aus einem Kuchen, der zum selbständigen Weiterlernen eine Reihe von Online-Dokumentationen und FAQs bietet. Sollte BitchX bei Ihrer Distribution nicht dabei sein, können Sie unter ftp://ftp.bitchx.org/ oder auf der Heft-CD nachschauen – übrigens gibt es diesen IRC-Client nicht nur für Linux, sondern auch für sämtliche andere Unix-Varinten und Windows. Bevor es ans Eingemachte geht: Um die volle Bandbreite des Programms ausnutzen zu können, sollte Ihr Terminal Farben darstellen können. So wird „ircen“ auf der Kommandozeile übersichtlich.

Im Prinzip funktionieren sämtliche Dinge, die Sie von ircII schon kennen. Auch auf die Datei .ircrc müssen Sie nicht verzichten, diese kann problemlos als Grundlage für erste Tests mit dem Programm herangezogen werden. Sollten Sie BitchX zum Lieblings-IRC-Client erklären, kann eine eigene .bitchxrc im Home-Verzeichnis allerdings nicht schaden. Schauen Sie ruhig am Anfang in die eigene Hilfe-Datei des Programms – /bhelp.

Von der Distribution abhängig finden sich unter /usr/.../lib Dateien wie: BitchX.help, BitchX.ircnames, BitchX.quit, BitchX.reasons. Diese sollten Sie sich einmal näher anschauen. Wie im X-Chat-Artikel erwähnt gibt es oft Gründe für einen Channel-Operator, unhöfliche User zu „kicken“. Hat man nicht immer den passenden Spruch als Begründung zur Hand, hilft die Datei BitchX.reasons aus:

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