Aus LinuxUser 02/2001

Palm und Linux verbinden

Dicke Freunde?

Palm Pilots haben seit ihrem Erscheinen auf dem Markt viele Freunde gefunden, nicht zuletzt dank der Möglichkeit, Daten mit dem heimischen PC abzugleichen. Dieser Artikel gibt eine Übersicht, was die Kombination Palm / Linux-PC zu leisten vermag.

Die Entdeckung

Als ich meinen eigenen Palm in den Händen hielt, war die Begeisterung groß: Das Ding war klein und handlich, ließ sich recht unkompliziert bedienen, ein Datenaustausch war unkompliziert, und vor allem bot es die Gelegenheit, Funktionalität und Nutzen enorm durch zusätzlich zu installierende Programme zu steigern.

Dem Palm lag neben dem Cradle, mit dem man die Kontaktaufnahme zum PC bewerkstelligt, lediglich Windows-Software bei. Dieses Software-Paket besteht im wesentlichen aus dem Palm Desktop und dem Hotsynch Manager, der in Zusammenarbeit mit sogenannten „Conduits“ den Datenaustausch zwischen Palm und dem Arbeitsplatzrechner verwaltet. Der Palm Desktop ist dabei eine Anwendung, die unter einer gemeinsamen Oberfläche die Aufgaben von Kalender, Aufgaben, Merkzettel, Adressen, Kosten und die Installation von Software ermöglicht. Neben dem Austausch der Daten dieser Anwendungen, die auf dem Palm separaten Programmen entsprechen, regelt der Hotsynch-Manager mittels weiterer Conduits den Datenabgleich für sonstige Anwendungen, beispielsweise E-Mail mit Outlook.

Von Palm werden neben Windows außer für den Mac keine weiteren Betriebssysteme unterstützt. (Im Bereich der Entwicklungswerkzeuge hat sich Palm mittlerweile besonnen; es wird der gcc (GNU-C-Compiler) unterstützt.) Also ging für mich als Freund des Pinguins die Suche nach geeigneter Software für die Zusammenarbeit des Palm mit meinen Rechnern (s. Kasten Ausstattung) los.

Ausstattung

Palm PDA Palm IIIx, PalmOS 3.3

Arbeitsplatzrechner Apple Powerbook G3 mit Linux-PPC (seriell und IrDA) Pentium II Desktop-PC mit Debian Linux (seriell [Standard. bzw. Cyclades Multiport] und IrDA-Dongle)

Kontaktaufnahme

Um dem Palm die Kontaktaufnahme mit Linux zu ermöglichen, wurde am häufigsten das Software-Paket pilot-link genannt. Dies ist ein Bündel von Kommandozeilen-Programmen für die unterschiedlichsten Aufgaben aus dem Bereich Datenaustausch bzw. -abgleich zwischen PC und Palm. Vielfach werden die einzelnen Programme mit den von Palm ausgelieferten Conduits verglichen. Dies ist so im Groben auch richtig. Wer allerdings eine Anwendung a la Palm Desktop erwartet, findet in diesem Paket nicht das gesuchte Programm.

Komfortablere Anwendungen zum Datenabgleich, womöglich mit GUI-Oberfläche, gibt es eine ganze Reihe. Die wichtigsten sind jpilot, gnome-pilot, kpilot, pilot-manager oder coldsync, aber auch StarOffice bietet sich an. Vielfach greifen diese Programme auf die Tools aus dem Pilot-Link-Paket zurück. Außerdem bieten sie via Plugins die Möglichkeit der Synchronisation mit weiteren Anwendungen, beispielsweise E-Mail.

Der detaillierten Beschreibung von pilot-link und jpilot ist ein eigener Artikel (ab S. 26) gewidmet.

Anwendungen für Infonauten

Eigentlich existieren für alle Netz- und Internet-Services Lösungen für den Palm. Da dieser einen TCP/IP-Stack besitzt, können die Dienste über den Linux-Rechner verfügbar gemacht werden.

Linux dienstbar für die Usenet-Bedürfnisse (News-Groups) des Palm-Users zu machen, ist recht einfach: Mit den Palm-Programmen yanoff oder msgagent ruft man Daten vom heimischen, lokalen News-Server ab.

Es gibt eine Reihe von Palm-Programmen, mit denen sich Web-Inhalte darstellen lassen. Dies kann offline über heruntergeladene und konvertierte Web-Seiten geschehen, aber auch das Online-Surfen ist möglich. Während das Surfen im Web mit einem Palm i. d. R. wenig Spaß macht, ist es noch unwahrscheinlicher, dass man bei angeschlossenem PC über den Palm surft…

Die Konvertierung von Web-Seiten für die Offline-Nutzung ist aber umso interessanter, als sich News-Seiten a la Slashdot, Pro-Linux, Linux-Community, Spiegel usw. geradezu anbieten, in Ruhe im Zug gelesen zu werden. Als Linux-Anwendungen sind besonders sitescooper und plucker dafür geeignet. Mit diesen Programmen können Web-Seiten für den Palm zur Offline-Nutzung bereitgestellt werden.

Sich vom Palm über Telnet auf einer Linux-Workstation einzuloggen bzw. sogar eine X-Oberfläche per VNC fernzusteuern ist ebenfalls möglich. Auch IRC- und FTP-Dienste sind möglich.

LinuxUser 02/2001 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: