Aus LinuxUser 02/2001

Multitracker im Eigenbau mit Linux

Linux goes Tonstudio

Zahlreiche Nachwuchs-Bands geben täglich Unmengen an Geld aus, um an halbwegs brauchbare Demo-Aufnahmen zu kommen. In diesem Artikel möchten wir zeigen, wie Sie unter Linux preiswerter produzieren können.

Wie vielleicht mancher aus den Autoren-Informationen meiner vorhergehenden Artikel weiß, ist eines meiner Hobbies die Musik. Genauer gesagt: Ich spiele Gitarre in einer Rockband. Jeder, der sich schon einmal mit der Thematik Homerecording auseinandergesetzt hat, weiß ebenfalls, dass es viele Dinge für viel Geld zu kaufen gibt. Auch die Frage, ob man selbst produzieren soll, oder ob man sich blindlings in die Hände sogenannter Produzenten gibt, wird gerade bei Nachwuchs-Bands reichlich diskutiert. Hauptproblem in der Anfangsphase ist, dass man nicht so mir nichts dir nichts ein paar (zehn)tausend Mark zusammen bekommt, um eine vernünftige Aufnahme im Studio produzieren zu lassen – wenn dies meinen Erfahrungen nach trotzdem der qualitativ beste Weg ist.

Dieser Artikel ist an all jene gerichtet, deren kleines Budget es nicht zulässt, die Produzenten von Metallica oder Subway To Sally zu engagieren, die sich aber mit den Grundbegriffen von Linux auskennen und Spaß am Basteln haben. Wir wollen unsere Geschicke also selbst in die Hand nehmen und benötigen dazu das richtige Equipment. Insbesondere werde ich das Problem der Mehrspur-Aufnahmen unter Linux besprechen.

Wozu Mehrspur-Aufnahmen?

Auf CDs enthaltene Musikstücke sind in der Regel nur in Stereo, haben also zwei getrennte Kanäle. Diese bekommen Sie, wenn Sie einen Kassetten-Recorder oder einen Minidisk-Recorder zur Aufnahme verwenden. Wozu benötigen Sie also einen Multitracker?

Der Vorteil einer Mehrspur-Aufnahme liegt in der Tatsache, dass sie es ermöglicht, das Klangbild eines ganzen Songs nach dessen Aufnahme in aller Ruhe zu bearbeiten. Außerdem kann man verschiedenen Instrumente nacheinander einspielen – dies ist sicherlich bei Profimusikern nicht unbedingt nötig, hilft aber ungemein, wenn einer sich doch verspielt. Dann muss nämlich nicht die ganze Band die Aufnahme wiederholen, sondern nur derjenige, der den Fehler gemacht hat.

Kaufen oder basteln?

Angesichts der Preise für Achtspur-Geräte beantwortet sich die Frage, ob man nicht lieber ein fertiges Gerät kauft, eigentlich von selbst. Vierspur-Systeme gibt es zwar schon für unter tausend Mark, damit lässt sich aber nicht all zu viel anfangen. Unter der Voraussetzung, dass bereits ein PC zur Verfügung steht, liegt der Preis für die Selbstbau-Variante wesentlich niedriger. Ein weiterer Grund für die Bastel-Lösung ist natürlich der Spaßfaktor und die bloße Tatsache, dass es funktioniert.

Notwendige Linux Grundlagen

Ein wenig Theorie muss hier vorweg betrachtet werden. Linux bietet die Möglichkeit, auf die Hardware über sogenannte Devices zuzugreifen. Beispielsweise ist der erste serielle Port als Device /dev/ttyS0 zu finden. Sound-Karten, oder besser gesagt die Teile von Sound-Karten, die uns interessieren, werden über /dev/dsp angesprochen. Wenn Sie nur eine Sound-Karte installiert haben, können Sie z. B. mit dem Befehl play --device=/dev/dsp0 Audiodatei.wav eine Musikdatei darüber abspielen. Bei mehreren Sound-Karten werden mehrere Devices erzeugt, die dann von Null an aufwärts durchnummeriert sind.

Die „Entwicklungsumgebung“

Ich verwende als Audiotreiber das ALSA-Paket [1] in der Version 0.5.9c. Diese Treiber erzeugen zusätzlich eigene Gerätedateien und emulieren die dsp-Devices. Das später verwendete Tool ecasound[2] kann direkt die ALSA-Devices ansprechen. Da ich damit aber verschiedene Probleme hatte, beschränke ich mich auf die emulierte dsp-Variante.

Dieser Artikel entstand im Vorfeld einer Aufnahme mit meiner eigenen Band (http://www.gutefrage.de), daher kommen momentan „nur“ zwei Sound-Karten zum Einsatz. Wenn aber das Prinzip verstanden wurde, können ohne weiteres mehr betrieben werden.

Um Missverständnissen vorzubeugen, soll an dieser Stelle meine Systemkonfiguration erwähnt werden. Ich setze SuSE Linux 7.0 [3] ein. Die beiden Sound-Karten sind zum einen eine Creative Labs Soundblaster Live und zum anderen eine Creative Labs Soundblaster 128 PCI.

Der Griff zum Schraubendreher

Ich gehe davon aus, dass ein Linuxnutzer sich nicht davor scheut, mal ins Innere seines Rechners zu schauen. Standard-PCs sind nur mit einer Sound-Karte ausgestattet. Nun können Sie Ihren Computer zum Fachhandel schaffen und für teures Geld Sound-Karten nachrüsten lassen. Da wir aber möglichst sparsam sein wollen, machen wir das ganze selbst. Dazu kaufen wir uns zuerst eine preiswerte PNP-Sound-Karte, die möglichst für den PCI-Bus ausgelegt ist. Prinzipiell sollten ältere ISA-Karten ebenfalls funktionieren, das konnte ich allerdings nicht ausprobieren.

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