Aus LinuxUser 01/2001

Mit Linux vorkonfigurierte Rechner

Komplett geschnürt

Wer sich bei der Auswahl von linux-tauglichen Einzelkomponenten schwer tut und ohnehin die Anschaffung eines neuen Rechners ansteht, für den könnte sich unter Umständen der Erwerb eines mit Linux vorkonfigurierten Komplettsystems auszahlen. LinuxUser hat sich für Sie im Web nach passenden Angeboten für solche Fälle umgeschaut.

Für unmündig erklärt

Wer sich heutzutage einen Rechner „von der Stange“ kauft, dem wird die Entscheidung, welches Betriebssystem darauf laufen soll, in der Regel abgenommen: Als wäre es das Natürlichste auf der Welt werden Intel-kompatible Komplettsysteme mit einem aktuellen Produkt aus der MS-Familie bestückt. Käufer von Apple-Paketen finden ein nicht minder proprietäres System vor, wenn sie ihren Rechner zum ersten Mal hochfahren. Gab es da nicht noch ein anderes Betriebssystem, welches sich im professionellen Einsatz schon lange etabliert hat und nun auch den heimischen Desktop erobert? Richtig, das Betriebssystem mit dem Pinguin. Aber hat man als Käufer eines Komplettsystems überhaupt eine Wahl?

Man hat. Wenn der Entschluss feststeht, dass auf dem nächsten Rechner auf jeden Fall (auch) Linux laufen soll, dann gibt es auch Wege, wie man als unerfahrener Anwender möglichen hardware-bedingten Installations- und Konfigurationshürden aus dem Weg gehen kann.

Support vor Ort

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, an einen mit Linux vorkonfigurierten Rechner zu gelangen. Da gibt es zum einen die örtlichen Systemhäuser, die ihre PCs und Workstations auf Kundenwunsch immer häufiger auch mit Linux ausliefern. Diese Lösung ist insbesondere für Freiberufler und kleinere Firmen interessant, die mangels eigener EDV-Abteilung in der Regel ohnehin auf einen externen EDV-Berater angewiesen sind, der jederzeit gerufen werden kann, wenn einzelne Arbeitsplatzrechner oder womöglich das gesamte Firmennetz aus unerfindlichen Gründen verrückt spielen.

Alles eine Preisfrage

Im obersten Preisspektrum bewegen sich sicherlich die namhaften Hersteller von PCs und Workstations wie IBM, Hewlett Packard oder Fujitsu-Siemens, die ihre Komplettsysteme in der Regel nicht direkt, sondern über ein (inter-)nationales Netz an qualifizierten Vertriebspartnern vermarkten. So haben sich gerade in größeren Städten bestimmte Systemhäuser auf den Vertrieb und Support von PC-Systemen eines einzelnen Markenherstellers spezialisiert. Wer bereit ist, für einen PC eines namhaften Markenherstellers ein paar Hundert Mark mehr zu berappen als für einen leistungsmäßig vergleichbaren Low-Cost-PC, der sollte seine örtlichen Systemhäuser daraufhin befragen, ob diese auch eine kostengünstige Linux-Lösung anbieten.

Breites Angebotsspektrum

Wer sicher weiß, dass er auf Zusatzleistungen wie Wartung und Support im Notfall verzichten kann, etwa weil sich im Bekanntenkreis genügend Leute befinden, die in Problemfällen weiterhelfen können, der kann natürlich den Anschaffungspreis für einen vorkonfigurierten Linux-Rechner drücken. Neben einzelnen Linux-Distributoren (in Deutschland bisher vor allem SuSE) gibt es inzwischen auch eine Reihe von linux-freundlichen PC-Direktversendern (siehe http://Tabelle). Dabei reicht das Spektrum von namhaften PC-Direktversendern, die ihre individuell konfigurierbaren PC-Systeme wahlweise auch mit Linux vorkonfigurieren (z. B. Transtec, Syncron), über neue, ausschließlich auf den Vertrieb von Linux-Produkten aller Art spezialisierte Online-Discounter (z. B. LinSoft) bis hin zu auf den jeweiligen Einsatz hin optimierte Linux-Komplettlösungen, die bei Bedarf gegen entsprechendem Aufpreis nahezu beliebig erweitert werden können (z. B. Linux-Engel).

Wahlfreiheit erwünscht!

So hoffnungsfroh das zunehmende Angebot von vorkonfigurierten Linux-Paketen auch stimmen mag. Man darf dabei nicht außer Acht lassen, dass die Masse der PCs über die Ladentheke von Großhandelsketten wie Karstadt, Saturn-Hansa, Media-Markt und Vobis wandert. Letztgenannte Kette bietet zwar seit kurzem auch einen (einzelnen) Rechner an, der mit SuSE Linux vorkonfiguriert ist, solange es sich dabei aber nur um zeitlich begrenzt eingeführte Einzelpakete handelt, die in der Masse der Windows-only Angeboten untergeht, hängt der Einsatz von Linux als Desktop-Betriebssystem weiterhin von der Neugier und Bereitschaft einer (sicherlich zunehmenden) Minderheit von Desktop-Anwendern ab.

Wenn es aber für die Zusammensteller von Komplettsystemen selbstverständlich werden würde, dass nur solche Hardware-Komponenten in einen Komplett-PC eingesetzt werden dürfen, für die es nicht nur Windows-, sondern auch Linux-Treiber gibt, dann würde sich auch der Druck auf die Hersteller solcher Hardware-Komponenten erhöhen, für ihre gesamte Produktpalette optimierte Linux-Treiber zu entwickeln. Was spricht in Zeiten der kostenlosen Verfügbarkeit von USB-Backport-Treibern, 3D-beschleunigtem XFree86, KDE 2 und einem Profipaket wie StarOffice (Bundle!) eigentlich noch gegen eine gleichberechtigte Behandlung von Linux als Desktop-Betriebssystem?

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