Aus LinuxUser 01/2001

Bilderzauber

Demos unter Linux

Demos sind nicht nur eingeschränkte Versionen von Programmen. Als Demos bezeichnet man auch Programme, die in Echtzeit aus Bildern, Musik, 2D- und 3D-Effekten beeindruckende Sequenzen erstellen. Obwohl die Szene noch relativ klein ist, gibt es schon interessante Demos für Linux, die wir hier vorstellen möchten.

Demos waren in ihren Anfängen Lader für gecrackte Software, in denen der Cracker genannt wurde und seine Programmierkenntnisse zeigen konnte. Die Lader waren in der Regel nicht größer als ein Kilobyte und relativ eingeschränkt, da sie auf Computern wie dem Apple II oder C64 liefen. Mit dem Aufkommen des Amiga und des Atari ST in den Mittachzigern wurden Demos dann revolutioniert, weil die Hardware viel leistungsfähiger und besonders beim Amiga bis ins kleinste Detail zu kontrollieren war. Anfang der Neunziger gab es schließlich die ersten Demos für PCs, die zunächst allerdings an schlechtem Sound litten.

Mit den Aufkommen von Sound-Karten wurde dieses Problem beseitigt. Viele Programmierer wechselten aber trotzdem nicht zum PC, was dazu führte, dass es mit dem Aussterben des Amigas eine Zeit lang etwas stiller um die Demo-Szene wurde. Ähnlich wie Spiele wurden Demos mit der Zeit grafisch immer anspruchsvoller und machten teilweise den Sprung von DOS zu Windows mit DirectX und OpenGL. Inzwischen gibt es sogar Java- und Flash-Demos. Anders als in den frühen Tagen den Demo-Szene erstellt heute nicht mehr nur ein Programmierer eine Demo, es arbeiten Gruppen von Grafikern, Musikern und Programmierern zusammen. Die fertigen Demos werden dann auf Parties vorgestellt und nehmen dort an Wettbewerben teil.

Die ersten Demos für Linux basierten auf svgalib oder Xlib mit XShm bzw. DGA, was recht umständlich war. Inzwischen gibt es Libraries wie GGI [1] und SDL [2], die das Programmieren vereinfachen und sowohl unter X wie der Konsole arbeiten. Da es SDL auch für BeOS, MacOS und Windows gibt, lassen sich SDL-Demos außerdem leicht auf andere Plattformen portieren. Eine weitere Library die viel benutzt wird ist libmikmod [3], die Module verarbeiten kann. Module sind ein Musikformat, bei denen alle Instrumente am Anfang der Datei gespeichert und danach auf mehreren Spuren in verschiedenen Tonhöhen bzw. Längen arrangiert werden. Dieses Format ist besonders bei elektronischer Musik sehr effektiv, da man mit relativ kurzen Samples auskommt. Erstellt werden Module mit Trackern, wie dem Voodoo Tracker [4], der sich an den bekannten Fast Tracker anlehnt. Natürlich machen auch Mp3s nicht vor Demos halt und werden neben den Mods verwendet.

Eine der besten Seiten, um Demos unter Linux zu finden, ist [5], eine Liste der SDL Demos findet man unter [6]. Außerdem findet man auf der Seite der Demo-Gruppe ECFh [7] viele Demos, während [8], [9] und [10] eher allgemeine Informationen und Neuigkeiten rund um Demos bieten.

Wer selber Demos unter Linux erstellen will, kann das sehr einfach mit Fxdesigner [11] tun. Durch das Aneinanderreihen von vielen kleinen Effekten und Bildern kommt man so zu erstaunlichen Ergebnissen. Leider kann man das Endergebnis noch nicht als Code exportieren, sondern nur in der Vorschau betrachten.

Fxdesigner
Fxdesigner
Astral Blur - TBL
Astral Blur – TBL
Stash - TBL
Stash – TBL
State of Mind - Bomb
State of Mind – Bomb
Loop - CSR
Loop – CSR

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreiteverschwender. Unter dem Nickname Ansimorph ist er öfters in irc.gnome.org anzutreffen.

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