Aus LinuxUser 11/2000

Allround-Konfigurations-Tools (Seite 2)

…und Lokales

Im zweiten Abschnitt der /etc/lilo.conf muss nun für jeden zu bootenden Linux-Kernel bzw. für jedes zu bootende andere Betriebssystem ein eigener Unterabschnitt eingetragen werden. Dabei wird ein Unterabschnitt für einen zu bootenden Linux-Kernel mit image=, gefolgt von dem exakten Dateinamen (und dessen Verzeichnisbaum) des zu bootenden Linux-Kernels (z. B. /boot/vmlinuz), eingeleitet. Handelt es sich bei dem zu bootenden System hingegen um ein anderes Betriebssystem als Linux, dann wird der Unterabschnitt mit other=, gefolgt von dem exakten Device-Namen (z. B. /dev/hda1 für die erste Partition der ersten IDE-Festplatte oder /dev/fd0 für das erste Diskettenlaufwerk), begonnen.

Nun muss das zu bootende Betriebssystem noch einen sinnvollen Namen (label=) erhalten. Da Sie diesen in Zukunft am Bootprompt eingeben müssen (es sei denn, sie booten das Default-Betriebssystem), empfiehlt es sich an dieser Stelle, einen relativ kurzen, aber dennoch eindeutigen Namen, z. B. win für Windows oder new1 für einen neuen Linux-Kernel, zu vergeben.

Handelt es sich um einen Linux-Eintrag erwartet Lilo darüber hinaus noch, dass Sie ihm mitteilen, welches Device (z. B. /dev/hda3) er im Zweifelsfall als Root („/“) einhängen soll und ob dieses zunächst nur lesbar (read-only) oder auch beschreibbar (read-write) ge“mount“ed werden soll. Wenn Sie bei der Linux-Installation Ihre Linux-Partition mit dem Standard-Dateisystem von Linux (Second Extended Filesystem, ext2) formatiert haben, dann empfiehlt es sich, das root-Dateisystem zunächst read-only zu mounten, weil normalerweise bei jedem Bootvorgang das Dateisystemprüfprogramm e2fsck bzw. fsck gestartet wird. Diese Programme, die ähnlich wie ihr Windows-Kollege SCANDISK die vorhandenen Linux-Partitionen auf Fehler prüft, erwartet nämlich vor dem Prüfvorgang ein Read-only-gemountetes root-Dateisystem. Aber keine Angst: nachdem der Prüfvorgang abgeschlossen ist, wird das (hoffentlich „saubere“) root-Dateisystem automatisch als read-write gemountet, so dass Sie im Zweifelsfall Ihre Daten wieder darauf ablegen können. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dem zu bootenden Linux-Kernel mit der Option append= noch einige Parameter zu übergeben, etwa wenn er die richtige Größe Ihres Arbeitsspeichers (RAM) von selbst nicht richtig erkennt (z. B. append=“mem=128M“) oder Sie in einen „sicheren“ Modus (append=“failsafe“) booten möchten.

Handelt es sich dagegen um einen Lilo-Eintrag für ein anderes Betriebssystem, so müssen Sie diesem (wie im Falle von Windows) u. U. noch mitteilen, auf welcher Festplatte es die für den Bootvorgang erforderliche Partitionstabelle findet (bei Windows z. B. table=/dev/hda für die erste IDE-Festplatte).

Die vorgestellten Konfigurationstools bieten z. T. noch einige weitere Konfigurationsoptionen an. Wenn Sie sich nicht sicher sind, worum es sich dabei genau handelt, dann empfehle ich Ihnen, die Standard-Einstellungen zu übernehmen. Wenn Sie schließlich mit der Neukonfiguration des Lilo fertig sind, dann müssen diese Änderungen noch in den Master Boot Record geschrieben werden. Dies können Sie entweder mit den entsprechenden Bestätigungs-Buttons von Linuxconf oder Webmin veranlassen oder, im Falle einer manuellen Änderung, durch Aufruf von lilo /etc/lilo.conf. Beim nächsten Reboot begrüßt Sie nun (hoffentlich) ein neuer Lilo-Prompt mit den geänderten Auswahloptionen.

Neue Dateisysteme einbinden

Wenn Sie Ihrem Rechner ein neues Speichermedium (z. B. 2. Festplatte, DVD-Laufwerk o. ä.) gönnen oder etwa auf eine Festplattenpartition eines weiteren Rechners in Ihrem kleinen Privatnetzwerk zugreifen möchten, dann müssen Sie diesen Speicherzuwachs natürlich zuvor Ihrem Linux-System irgendwie mitteilen. Die zentrale Konfigurationsdatei für solche Mitteilungen ist unter Linux die Datei /etc/fstab. Nur diejenigen Laufwerke, die darin aufgeführt sind, können prinzipiell in das System eingebunden werden. Bei lokalen Dateisystemen funktioniert dies mit dem bekannten mount-Befehl, für den Zugriff auf NFS-Verzeichnisse von entfernten Rechnern sorgt normalerweise der Systemdienst netfs.

Abbildung 3: Einbinden neuer bzw. Veränderung bestehender Dateisysteme mit Linuxconf
Abbildung 3: Einbinden neuer bzw. Veränderung bestehender Dateisysteme mit Linuxconf
Abbildung 4: Das Webmin-Benutzerinterface zur Neueingabe/Änderung von Dateisystemen
Abbildung 4: Das Webmin-Benutzerinterface zur Neueingabe/Änderung von Dateisystemen

Wenn Sie die manuelle Eingabe neuer Einträge scheuen, bieten unsere beiden Allround-Konfigurationstools auch hier wieder die Möglichkeit, mehr oder weniger bequem neue Dateisysteme in die /etc/fstab einzutragen bzw. bestehende bei Bedarf zu verändern. Linuxconf hält die entsprechende Config-Sektion unter dem Punkt Filesystems für Sie bereit. Interessant sind insbesondere die Menüpunkte Access local drive, Access nfs volume und Configure swap files and partitions. Bei Webmin werden Sie in Platten- und Netzwerk-Dateisysteme unter dem Register System fündig.

Grundlagen

Ähnlich wie im obigen Fall der Lilo-Neukonfiguration ist es auch bei der Einbindung neuer Dateisysteme wichtig, den prinzipiellen Aufbau der Konfigurationsdatei zu verstehen, die letztlich von den Frontends der Konfigurationstools bearbeitet wird. Auch hier möchte ich mich aus Platzgründen auf die Vorstellung der jeweils wichtigsten Optionen beschränken. Zunächst einmal ist es interessant zu wissen, dass jedes prinzipiell einhängbare Dateisystem in der /etc/fstab durch genau eine Zeile repräsentiert wird. Die im folgenden vorgestellten Einstellungsoptionen werden dabei durch ein Leerzeichen bzw. Tabulator-getrennt hintereinander geschrieben.

An erster Stelle steht normalerweise jeweils der Name des zu mountenden Devices, z. B. dev/hda3 für die dritte Partition auf der ersten IDE-Festplatte oder /dev/sda4 für ein SCSI-Laufwerk. Da es inzwischen diverse Möglichkeiten des automatischen Einhängens von Wechselspeichermedien gibt, z. B. autofs oder supermount, kann es in der /etc/fstab Ihres Systems übrigens hier, wie im folgenden, durchaus zu kleineren Abweichungen kommen, auf die ich aber hier leider nicht näher eingehen kann. Konsultieren Sie ggf. die Manpages des betreffenden Automount-Tools.

An zweiter Stelle folgt der sogenannte Mountpoint, also jenes Verzeichnis im root-Dateisystem, in das das Device ggf. eingehängt werden soll. Manche Linux-Distributionen haben für Dateisysteme eigens ein /mnt-Verzeichnis eingerichtet, in dem sich die meisten Mountpoint-Verzeichnisse befinden. Wenn Sie ein neues Dateisystem einhängen wollen, dann müssen Sie also ggf. zuvor mit mkdir Verzeichnisname ein sinnvolles Verzeichnis anlegen, das mit dem entsprechenden Mountpoint-Eintrag in der /etc/fstab übereinstimmen muss. Die sogenannte Swap-Partition, das Äquivalent zur Auslagerungsdatei unter Windows, sollte übrigens den Mountpoint „none“ erhalten.

An Position drei wird der Typ des Dateisystems näher spezifiziert. Zur Auswahl steht ein gutes Dutzend von Dateisystemtypen (siehe Tabelle „Die gängigsten Dateisystemtypen im Überblick“).

Die gängigsten Dateisystemtypen im Überblick

Dateisystem-Kürzel Dateisystem
ext2 Second Extended Filesystem, das derzeitige Standard-Dateisystem von Linux
swap spezielle Linux-Partition für die Speicherauslagerung
proc Proc Filesystem (ein virtuelles FS, das abrufbare Systeminformationen enthält)
msdos MSDOS-Dateisystem, das ältere DOS-Format (maximal 8 Zeichen für den Dateinamen)
vfat Windows95-Dateisystem, das heutige Windows-Format (auch längere Dateinamen)
iso9660 Dateisystem für CDROM-Laufwerke (nur Lesen)
nfs Network Filesystem (für entfernte Partitionen in lokalen Netzwerken)
reiserfs Reiser Filesystem (ein relativ stabiles Journaling Filesystem für Linux)
autofs/supermount zwei Kernel-basierte Lösungen, um austauschbare Datenträger automatisch einzuhängen

An den hinteren drei Positionen können schließlich noch einige weitere Optionen übergeben werden, mit denen die Eigenschaften des Dateisystems näher bestimmt werden. Position 4 enthält dabei nähere Angaben für den lokalen mount-Befehl bzw. dem entfernten Mount über nfs. An Position 5 können Informationen für den dump-Befehl (Backup von ganzen Partitionen) hinterlegt werden, während die letzte Position dazu dient, die Reihenfolge festzulegen, in der die einzelnen Dateisysteme im Falle eines Reboots von fsck geprüft werden sollen. Nähere Angaben zu diesen Zusatzoptionen finden Sie bei Bedarf in den entsprechenden Manpages zu mount, nfs, dump und fsck.

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