Aus LinuxUser 10/2000

Windows-Programme unter Linux (Seite 2)

Softwarevoraussetzungen

Um Wine kompilieren und hinterher einsetzen zu können, ist es erforderlich, dass bestimmte Programme und Dateien auf dem System installiert sind, die zwar alle Bestandteil moderner Distributionen sind, aber deswegen nicht unbedingt auch installiert sein müssen. Damit es während der Kompilation zu keinen Problemen kommt, sollten Sie prüfen, ob die folgenden Komponenten auf Ihrem System vorhanden sind:

  • Linux-Kernel der Versionsfamilie 2.2.x. Wine funktioniert auch mit älteren Kernels der Versionsfamilie 2.0.x. Allerdings kommt es bei diesen Kernels zu Problemen, wenn 32Bit-Programme mit mehreren Threads ausgeführt werden.
  • Die GNU C-Laufzeitbibliothek. Empfohlen wird hier die Version 2.1. Sie können Wine jedoch auch mit der älteren Version 2.0 verwenden. Nicht empfohlen wird die Verwendung der mittlerweile veralteten C-Bibliothek libc5. Neben der eigentlichen Bibliothek, die auf jedem Linux-System installiert ist, benötigen Sie die Entwicklerdateien dazu. Diese Dateien sind unter Debian 2.2 im Paket libc6-dev und unter Suse 7.0 im Paket libc (Serie d) enthalten. Unter Suse müssen zusätzlich noch die Header-Dateien des Kernels installiert werden, sie befinden sich im Paket linclude, Serie d.
  • Wine verwendet normalerweise das X Window System zur Darstellung von Fenstern auf dem Bildschirm. X muss deswegen installiert sein. Desweiteren benötigen Sie die X-Entwicklerdateien (Debian: Paket xlib6g-dev, Suse: Paket xdevel, Serie x)
  • Desweiteren wird die X Pixmap-Bibliothek (libxpm) benötigt. Unter Debian müssen Sie deswegen die Pakete xpm4g und xpm4g-dev installieren. Unter Suse sind die entsprechenden Dateien in den Paketen shlibs und xdevel enthalten.
  • Damit Wine kompiliert werden kann, wird natürlich ein Compiler benötigt. Mindestanforderung ist hier der GNU C-Compiler, Version 2.7.2, empfohlen wird die aktuelle Version 2.95. Diesen Compiler finden Sie sowohl unter Debian als auch unter Suse im Paket gcc.
  • Darüberhinaus benötigen Sie einige Hilfswerkzeuge wie make, bison und flex, die unter Debian und Suse in Paketen mit den entsprechenden Namen enthalten sind.
  • Wine kann optional einige weitere Bibliotheken verwenden. Dazu gehören vor allem die ncurses-Bibliothek (Debian: Pakete libncurses5 und libncurses5-dev. Suse: ncurses, Serie a) und OpenGL-Bibliotheken. Entwicklerdateien für OpenGL finden Sie unter Debian im Paket mesag-dev und unter Suse im Paket mesadev (Serie x3d). Beachten Sie bitte, dass Sie außerdem entweder eine OpenGL-Grafikkarte und einen X-Server mit OpenGL-Unterstützung für Ihre Karte oder die (langsame) Software-OpenGL-Implementierung Mesa (Debian: mesag3. Suse: mesa und mesasoft, Serie x3d) benötigen.

Beschaffung und Installation des Quellcodes

Der jeweils aktuelle Wine-Quellcode kann von einer der folgenden Adressen aus dem Internet heruntergeladen werden:

Sie finden in den jeweiligen Verzeichnissen komprimierte Tar-Archive, die sich aus der Bezeichnung Wine-, dem Datum an dem die jeweilige Version herausgegeben wurde und der Endung .tar.gz zusammensetzen. So enthält die Datei Wine-20000821.tar.gz also beispielsweise den Wine-Quellcode in der Version vom 21. August 2000. Normalerweise sollten Sie die jeweils neueste Version verwenden. Nachdem Sie das Tar-Archiv heruntergeladen und in Ihrem Heimatverzeichnis gespeichert haben, können Sie es mit dem folgenden Befehl entpacken:

$ tar -xvzf Wine-20000821.tar.gz

Selbstverständlich müssen Sie die Bezeichnung des Dateinamens (hier Wine-20000821.tar.gz) anpassen, wenn Sie eine andere Version benutzen.

Kompilation und Installation von Wine

Sobald das Archiv entpackt ist, kann der Quellcode kompiliert und Wine daraufhin installiert werden. Dazu ist zunächst in das Verzeichnis zu wechseln, in das Wine entpackt wurde. Der Name dieses Verzeichnisses setzt sich aus der Zeichenkette wine- und dem Datum der Wine-Version zusammen, es heißt also beispielsweise wine-20000821.

$ cd wine-20000821

Geben Sie dann diesen Befehl ein, um den Quellcode für Ihr System zu konfigurieren:

$ ./configure

Wenn alles gut geht, erscheint nach einer Reihe von Meldungen der folgende Text:

Configure finished.  Do 'make depend && make' to compile Wine.

Sollte dies nicht der Fall sein, liegt das wahrscheinlich daran, dass bestimmte Dateien nicht gefunden worden sind, und es sollte eine entsprechende Fehlermeldung ausgegeben worden sein. Sie müssen dann die fehlenden Pakete nachinstallieren. Ansonsten können Sie der Anweisung folgen und diesen Befehl eingeben:

$ make depend && make

Tipp: Wenn Sie wenig Festplattenplatz zur Verfügung haben und Wine lediglich verwenden, aber nicht debuggen möchten, können Sie auf die Debug-Informationen in den beim Kompilieren erzeugten Binärdateien verzichten. Verwenden Sie dann diesen Befehl, um den Code zu übersetzen:

$ make depend && make CFLAGS=-O2

Nun kann das Programm installiert werden, damit es von allen Benutzern des Systems eingesetzt werden kann. Dies muss selbstverständlich mit den Rechten des Administrators geschehen. Wechseln Sie also ggf. mi

$ su

und anschließender Eingabe des Superuser-Passworts nach root und installieren Sie das selbstkompilierte Wine mi

# make install

Wenn Sie Wine nicht systemweit zur Verfügung stellen wollen, können Sie auf diesen Schritt auch verzichten.

Konfiguration

Die Konfiguration von Wine ist im Vergleich zu anderen Softwarepaketen relativ aufwendig. Das liegt vor allem daran, dass Windows-Programme eine bestimmte Infrastruktur erwarten, die auf einem Windows-System natürlich vorhanden ist, unter Linux jedoch erst erzeugt werden muss. Beispielsweise werden Konfigurationsdaten und andere Informationen unter Windows in der sogenannten Registry abgelegt, die von Wine natürlich auch zur Verfügung gestellt werden muss. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Unix/Linux und Windows besteht außerdem darin, dass unter Windows zur Bezeichnung von Dateien Laufwerksbuchstaben verwendet werden. Wenn ein Windows-Programm nun beispielsweise die Datei C:\Eigene Dateien\Brief.doc öffnen möchte, muss Wine diesen Dateinamen in einen gültigen Linux-Dateinamen übersetzen und die entsprechende Datei öffnen. Dazu wird eine Konfigurationsdatei benutzt, in der unter anderem Windows-Laufwerksbuchstaben Verzeichnissen unter Linux zugeordnet werden. So könnte beispielsweise das Laufwerk C: dem Verzeichnis /c zugeordnet sein, so dass durch den Zugriff auf C:\Eigene Dateien\Brief.doc die Datei /c/Eigene Dateien/Brief.doc geöffnet wird.

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