Aus LinuxUser 10/2000

The Answer Girl (Seite 4)

& 1
Message 1:
From trish@regtest.enitel.net Wed Aug 23 20:09:09 2000
From:   Patricia Jung <trish@regtest.enitel.net>
To:     trish@regtest.enitel.net
Date:   Wed, 23 Aug 2000 20:08:46 +0200
testmail
&

Sie erkennen Ihre Testmail wieder? Die From:-Zeile entspricht genau dem, was Sie hinter dem MAIL-Kommando getippt haben, die To:-Zeile hingegen dem, was nach dem RCPT kam, ggf. angereichert um den Rechnernamen. Bleibt der Datumsstempel, den der MTA vergeben hat. Doch halt: Da ist ja noch ein zweites From, diesmal ohne Doppelpunkt, das wohl ebenfalls vom Mailserver erzeugt wurde.

Alles äußerst spannend, nur vielleicht interessiert erst einmal, wie man diese Mail Nr. 1 wieder löscht (engl.: „delete“)…

&  d1

…, alle restlichen Mails anzeigt…

&  h
No applicable messages

…, sich damit eine Abfuhr holt, weil die einzige Mail ja schon im Nirwana gelandet ist, und mit „quit“ das Programm beendet:

&  q

Natürlich lässt sich mail auch zum Testmailschreiben verwenden:

[trish@pc44-148 software]$ mail -v ihrusername
Subject: testtestmail 2.
Cc:[ Enter-Taste betätigen ]

… und dank des Schwatzhaftigkeitsparameters -v („verbose“) zeigt uns mail jetzt auch an, wie es die Mail bei Postfix abliefert:

send-mail: open maildrop/56CAC13ABD

Am Rande der Legalität?

Schön wär’s, wenn das alles wäre. Denn ginge es darum, unsere Testmail zu beantworten, so ist deren Absenderadresse (im Beispiel trish@regtest.enitel.net) alles andere als brauchbar; wäre sie so auf einem anderen Rechner angekommen, sogar illegal, denn sie existiert schlichtweg nicht wirklich. Damit fangen unsere Konfigurationsprobleme erst an…

Gerade Privatpersonen haben ihren Rechner selten im DNS eingetragen. So kann sich Postfix bei der Installation keineswegs guten Gewissens den für die Maschine vorkonfigurierten Fully Qualified Domain Name (FQDN) schnappen, um ihn für die Antwortadresse zu verwenden. Jede Mail sollte schließlich so ausgezeichnet werden, dass eine Antwort darauf auch ankommt. Und hier sieht es für nicht im DNS stehende Rechner düster aus.

Zwar lässt sich in guten Mailprogrammen ein Reply-To:Header festlegen, mit dem man dem Empfänger-Mail-User-Agent erklärt, an welche Adresse er antworten soll. Schlechte Mailprogramme beachten diesen jedoch nicht. Außerdem haben wir damit immer noch keine gültige Absenderadresse und verstoßen so gegen Internetnormen. Vernünftige und nicht zu alte Mailprogramme erlauben es daher, den From:-Absenderheader auf eine gültige Mailadresse zu setzen.

Das würde reichen, wenn wir unsere Mail einfach nur beim Smarthost-SMTP-Server unseres Providers ablieferten. Doch von dem wollen wir ja gerade nicht abhängen, und da stoßen wir auf ein weiteres Problem: Während wir auf den Reply-To:– und den From:-Header ggf. noch mit unserem MUA Einfluss haben, generiert der entgegen nehmende Mailserver, wie wir an der Testmail gesehen haben, eine sogenannte Envelope– („Briefumschlag“)-Adresse. Der Inhalt dieser From-Zeile (ohne Doppelpunkt) wird von einigen Mailservern auf seine Existenz geprüft, da Spam an dieser Stelle oft eine nicht im DNS nachschlagbare Adresse enthält.

Mit einer solchen, nicht auflösbaren Adresse bringen wir uns in arge Schwierigkeiten: Nicht nur, dass wir bei vielen Mailservern gar keine Mail los werden; einige schicken die darüber informierende Fehlermeldung eben an jene nicht wirklich existierende Adresse, sodass wir die Absage nie erhalten. Wenn Mailpartner wiederholt steif und fest behaupten, Mails nie bekommen zu haben, der Absender sich seinerseits nie an abweisende Post vom gegnerischen Mailerdämon erinnern kann, handelt es sich oft um dieses Szenario.

Adressmanipulation

Also nehmen wir uns schweren Herzens die Postfix-Dokumentation zur Hand. Das Herzstück der Konfiguration ist die Datei main.cf, üblicherweise in /etc/postfix zu finden. Auskunft gibt aber auch der Paketmanager mit rpm -ql postfix | main.cf oder dpkg -S main.cf. (Die rpm-Optionen lassen sich mit -q für „query“ – nachfragen und -l für „list(e aller im Paket enthaltenen Dateien)“ merken, das -S beim Debian-Paketmanager steht – noch einfacher – für „Suche“ oder „Search“.)

Auch wenn es sich lohnt, die zum Beispiel in http://totem.fix.no/postfix/basic.html beschriebene Grundkonfiguration genauer in Augenschein zu nehmen (besonders dann, wenn das Senden der Testmail nicht gelang – siehe auch den Kasten „Nur noch konfigurieren – die wichtigsten Parameter aus main.cf„), interessiert uns vor Allem der Punkt Adress Manipulation (http://totem.fix.no/postfix/rewrite.html) in der Dokumentation.

Was für ein halbkriminelles Wort – und doch die einzige Möglichkeit, als „Internetkrüppel“ ohne feste IP-Adresse und DNS-Eintrag einen unbescholtenen Mailserver zu betreiben.

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