Aus LinuxUser 10/2000

Nicht nur Windows sondern ein ganzer PC (Seite 2)

Abbildung 4: NT 4.0 erkennt eine AMD-PCNET-Netzwerkkarte
Abbildung 4: NT 4.0 erkennt eine AMD-PCNET-Netzwerkkarte

Nach der vollständigen Installation wird der virtuelle PC neu gebootet. Nehmen Sie die Windows-CD aus dem Laufwerk, um nicht erneut das Installationsprogramm zu starten. Nun sollte VMware von der virtuellen Platte booten und schließlich den Windows-Anmeldebildschirm präsentieren (Abb. 5).

Abbildung 5: Anmeldebildschirm von NT 4.0
Abbildung 5: Anmeldebildschirm von NT 4.0

VMware-Grafiktreiber

Da bei der Installation von VMware nur eine Standard-VGA-Grafikkarte erkannt wird, präsentiert sich Windows beim ersten Start in einer unbefriedigenden 640×480-Auflösung. Diese Betriebsart hat neben der viel zu kleinen Oberfläche noch weitere Nachteile: Sobald Sie erstmals in das VMware-Fenster geklickt haben, bleibt die Maus dort gefangen – Sie können dann den Windows-Mauszeiger bewegen, können das Fenster aber nicht mehr verlassen (für den Anfang können Sie die Maus mit der Tastenkombination [Strg-Alt-Esc] „befreien“). VMware besitzt aber spezielle Treiber für Windows 95/98/NT 4.0/2000, mit denen sich wesentlich komfortabler arbeiten lässt. Diese sind auf einer Diskette gespeichert, die VMware auf Wunsch bereitstellt: Wählen Sie dazu den Menüpunkt Settings/VMware Tools Install (s. Abb. 6). Nach einem Warnhinweis führen alle folgenden Zugriffe auf das Diskettenlaufwerk „A:“ nicht mehr auf eine evtl. eingelegte Diskette sondern auf eine virtuelle Treiberdiskette. Gehen Sie nun durch die unter der gewählten Windows-Version übliche Prozedur zur Installation einer neuen Grafikkarte und wählen Sie von der Diskette den passenden Treiber aus. Nach einem Neustart der VMware-PCs können Sie eine höhere Auflösung einstellen. Installieren Sie zudem die VMware-Tools unter Windows, die ein Icon in die Windows-Startleiste integrieren, über das Sie VMware den Zugriff auf CD und Diskette erlauben oder nehmen können.

Abbildung 6: Die VMware-Tools-Diskette "einlegen"…
Abbildung 6: Die VMware-Tools-Diskette „einlegen“…

Netzwerk

VMware startet, wenn Sie bei der VMware-Konfiguration ganz am Anfang (vmware-config.pl) eine der Optionen Host-only Networking oder Bridged Networking gewählt haben, automatisch einen DHCP-Server, über den das installierte Windows automatisch eine IP-Adresse beziehen kann. Dazu müssen Sie Windows natürlich sagen, dass es im „lokalen Netz“ nach einem solchen Server suchen soll. Unter Windows 95/98 und NT 4.0 klappt dies auch ganz ausgezeichnet: In der Testkonfiguration mit NT 4.0 hatte der Linux-PC die IP-Adresse 192.168.0.4 (im lokalen Netz 192.168.0.*) sowie zusätzlich die speziell für VMware konfigurierte Adresse 192.168.2.1; NT erhielt in der Emulation vom DHCP-Server die Adresse 192.168.2.128 zugeteilt, und es war sofort z. B. ein Telnet auf den Linux-Rechner möglich; über einen unter Linux laufenden WWW-Proxy (z. B. wwwoffle oder squid) war auch das Surfen im Internet möglich; lediglich Windows 2000 verweigerte bei unseren Tests die Zusammenarbeit und konnte den DHCP-Server offenbar nicht finden. Ob der DHCP-Server überhaupt angesprochen wurde und eine IP-Adresse vergeben hat, lässt sich dabei leicht feststellen: In der Datei /etc/vmware/vmnet1/dhcpd/dhcpd.leases finden Sie für jede vergebene IP-Adresse einen Eintrag der Form

lease 192.168.2.128 {
    starts 0 2000/09/03 23:25:18;
    ends 0 2000/09/03 23:55:18;
    hardware ethernet 00:50:56:c0:67:33;
    uid 01:00:50:56:c0:67:33;
    client-hostname "VMWARE";
}

Ist die Datei hingegen (bis auf einige mit „#“ beginnende Kommentarzeilen) leer, wurde keine Adresse vergeben. Unter den meisten Windows-Versionen können Sie zudem in einem COMMAND.COM-Fenster mit dem Befehl

C:\> route print

feststellen, ob eine IP-Adresse vergeben wurde. Taucht dort nur die Standard-IP-Adresse 127.0.0.1 (localhost) auf, hat es nicht geklappt. Richtig sieht es aus wie in Abb. 7.

Abbildung 7: Hier zeigt "route print" auch die vom DHCP-Server vergebene IP-Adresse 192.168.2.128 an
Abbildung 7: Hier zeigt „route print“ auch die vom DHCP-Server vergebene IP-Adresse 192.168.2.128 an

Die Welt der Windows-Programme

Nun steht einer Installation beliebiger Windows-Programme nichts mehr im Weg – installieren Sie beispielsweise Microsoft Office 2000 (s. Abb. 8) und befreien Sie sich damit von allen Inkompatibilitäten. Für alle eingesetzten Programme und auch für das Betriebssystem selbst benötigen Sie natürlich eine Lizenz. Dass die Verwendung von Windows unter Linux grundsätzlich nicht zulässig wäre, brauchen Sie übrigens nicht befürchten – VMware verkauft sogar Bundle-Pakete, die neben VMware auch eine Windows-Lizenz enthalten.

Abbildung 8: Endlich: Word und Excel aus dem Office-2000-Paket unter Linux; dank den VMware-Tools auch in einer brauchbaren Auflösung (Linux: 1280x1024, Windows: 1152x864)
Abbildung 8: Endlich: Word und Excel aus dem Office-2000-Paket unter Linux; dank den VMware-Tools auch in einer brauchbaren Auflösung (Linux: 1280×1024, Windows: 1152×864)

Suspend und Resume

Ein besonders nützliches Feature von VMware (ab Version 2.0) ist die Möglichkeit, den aktuellen Zustand des emulierten PCs jederzeit über den Suspend-Button einzufrieren: VMware speichert dann in einer Datei namens z. B. vmware/nt4/nt4.std den gesamten Hauptspeicher und einige weitere Daten und hält den PC an. Nun können Sie VMware beenden und beim nächsten Start über den Resume-Button diesen Zustand wieder laden: Sie können dann an der alten Stelle weiter arbeiten. Vorteil dieser Methode ist, dass Sie sich den Boot-Vorgang und das erneute Öffnen aller Anwendungen ersparen. Allerdings wird zum Abspeichern des Zustands eine Menge Plattenplatz benötigt.

VMware-Dateien

Jede von Ihnen konfigurierte virtuelle Maschine besitzt ein eigenes Verzeichnis (i. d. R. $HOME/vmware/os/, wobei „os“ für den Namen des Betriebssystems steht, z. B. nt4 oder win2000). Dort finden Sie dann jeweils eine Konfigurationsdatei (nt4.cfg), die virtuelle Festplatte (nt4.dsk), eine Log-Datei (nt4.log), die BIOS-Konfiguration (nt4.nvram) sowie gegebenenfalls den letzten über Suspend gesicherten Zustand (nt4.std).

Glossar

Bridged Networking

Beim Bridged Networking erhält die virtuelle Maschine transparenten Netzwerkzugriff auf das gesamte Netzwerk, in dem sich Ihr Linux-Rechner befindet; so kann dann z. B. von außen auf einen Apache-Web-Server zugegriffen werden, der auf Ihrem unter VMware laufenden Windows NT installiert wurde. Andersrum können Sie vom VMware-Windows aus per Telnet oder über einen Web-Browser auf andere Computer im lokalen Netzwerk zugreifen. Diese Einstellung ist nur sinnvoll, wenn Sie auch tatsächlich ein lokales Netzwerk betreiben.

Host-only networking

Dies ist die meist sinnvollere Variante: Es wird nur eine (virtuelle) Netzwerkverbindung zwischen dem Linux-PC (Host) und dem virtuellen Rechner (Guest) aufgebaut; für ein evtl. vorhandenes lokales Netzwerk bleibt die virtuelle Maschine unsichtbar. Wenn Sie von Windows aus auf Ihre Linux-Dateien zugreifen wollen (wozu Sie einen SAMBA-Server konfigurieren müssten), ist dies die Option Ihrer Wahl. Benötigen Sie einen solchen Zugriff nicht, können Sie auch No networking auswählen.

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