Aus EasyLinux 07/2018

Software

Neue Software (Teil 1/2)

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise (Teil 1/2).

LibreOffice 6.0.0 – Leistungsfähige Office-Suite

Zweieinhalb Jahre nach Erscheinen von Version 5.0.0 ist mit LibreOffice 6.0.0 die nächste Major-Version verfügbar. Wer beim diesem Versionssprung ein grundlegend erneuertes Programm erwartet, wird enttäuscht. Doch vielleicht gerade, weil die neue Ausgabe den Anwendern wenig Umstellung abnötigt, machen die wenigen größeren Verbesserungen beim Arbeiten Spaß.

In jüngerer Zeit mussten sich LibreOffice-Anwender keine Gedanken machen, ob sie mit der nächsten Version des Programms noch zurecht kommen: Seine Entwickler haben mit jeder Release Ärgernisse ausgebügelt, aber nur sparsam neue Funktionen hinzugefügt. Grundlegende Veränderungen der Benutzeroberfläche wie das an Microsofts Ribbons angelehnte Symbolband sind nur wahlweise zu aktivieren.

Auch die neue Major-Version 6.0.0 (Abbildung 1) [1] könnte vom Umfang der Neuerungen als Version 5.5.0 durchgehen. Einige gewichtige Verbesserungen sind dennoch an Bord, die insgesamt Komfort und Nutzwert spürbar steigern. Eine der überfälligsten ist die Möglichkeit, eingebettete Bilder um einen frei wählbaren Winkel zu drehen, nicht mehr bloß in Neunzig-Grad-Schritten (Abbildung 2). Das hat Microsoft Word aber schon in den 90er Jahren beherrscht.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick sind in LibreOffice 6.0.0 keine Veränderungen zu sehen. Bei der Bedienung gibt es folglich wenig Umgewöhnungsbedarf.
Abbildung 1: Auf den ersten Blick sind in LibreOffice 6.0.0 keine Veränderungen zu sehen. Bei der Bedienung gibt es folglich wenig Umgewöhnungsbedarf.
Abbildung 2: Endlich lassen sich auch in LibreOffice Bilder um einen frei definierbaren Winkel drehen.
Abbildung 2: Endlich lassen sich auch in LibreOffice Bilder um einen frei definierbaren Winkel drehen.

Sehr nützlich ist auch eine Verbesserung bei der Rechtschreibprüfung: Bisher musste man im mitgelieferten Wörterbuch fehlende Einträge in allen möglichen Formen hinzufügen, damit die Software sie als richtig erkennt: Enthielt das Benutzerwörterbuch postfaktisch, dann hat das Programm postfaktischer immer noch als Rechtschreibfehler gekennzeichnet. Nun geben Sie außer dem eigentlichen Wort zusätzlich ein der Rechtschreibprüfung bekanntes mit den gleichen Endungen ein: postfaktisch dekliniert sich wie idiotisch. Mit den Angaben aus Abbildung 3 erkennt LibreOffice alle möglichen Formen dieses Adjektivs.

Abbildung 3: Das Benutzerwörterbuch enthält nur einen Eintrag ("postfaktisch") zu einer im vorinstallierten Wörterbuch fehlenden Vokabel. Dank der grammatischen Vergleichsform "idiotisch" mit analoger Deklination erkennt die Software nun alle Formen des neuen Wortes.
Abbildung 3: Das Benutzerwörterbuch enthält nur einen Eintrag („postfaktisch“) zu einer im vorinstallierten Wörterbuch fehlenden Vokabel. Dank der grammatischen Vergleichsform „idiotisch“ mit analoger Deklination erkennt die Software nun alle Formen des neuen Wortes.

Breitenwirkung

Serienbriefe sind eine seit langem selbstverständliche Funktion von Textverarbeitungen. Bisher war es dazu erforderlich, die Liste der Empfänger entweder in einer Base-Datenbank oder einer Calc-Tabelle zu hinterlegen. Nun lässt sich auch eine Tabelle direkt in der Textverarbeitung als Datenquelle nutzen. Also ist es nicht mehr nötig, für Serienbriefe ein weiteres Programm zu starten.

Die Textverarbeitung Writer exportiert Dokumente erstmals auch als E-Books. Die anderen Export- und Importfilter, zum Beispiel für Microsoft-Office-Dokumente, sind wie bei fast jeder Release ebenfalls leistungsfähiger geworden.

Digitale Signaturen [2] stellen sicher, dass Mails unverändert beim Empfänger ankommen. Als Basis der Unterschrift dient ein geheimer Schlüssel. Anders als bei Unterschriften auf Papier ist so die Fälschungssicherheit technisch durch das Signaturverfahren garantiert. In LibreOffice 6 lässt sich das bei Mails übliche Verfahren PGP [3] nun auch für Officedokumente nutzen: Das Programm zeigt eine Warnung, wenn jemand Änderungen an signierten Dokumenten vorgenommen hat, der nicht im Besitz des geheimen Schlüssels ist.

Nützliche Kleinigkeiten

Zum Einfügen von Sonderzeichen gibt es nun einen schnell erreichbaren Button in der Symbolleiste. Der Dialog zum Einfügen bringt jetzt eine Suchfunktion, eine Liste der zuletzt eingefügten sieben Zeichen sowie Bookmarks für häufig gebrauchte Zeichen mit.

Die mitgelieferten Farb- und Formatierungsstile für Tabellen wurden neu gestaltet. Auch die Anzeigequalität der Tabellenoptik im Programmfenster ist besser geworden.

In der Tabellenkalkulation Calc lassen sich jetzt ausgewählte Bereiche ohne Umweg über ein Screenshotprogramm als Bild speichern. Außerdem gibt es in der neuen Version einen Menübefehl, der alle nicht gesperrten Zellen auswählt, die gesperrten aber ausspart.

Die Redaktion meint

Schon die zwei größten Neuerungen in LibreOffice 6.0.0, nämlich die Rechtschreibprüfung, die nun alle Wortformen von neu hinzugefügten Wörtern erkennt, und die freie Rotierbarkeit von Bildern, machen Lust auf ein Update.

Bewertung

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