Aus EasyLinux 07/2018

Eingeschränkt erweiterbar

Liebe Leserinnen und Leser,

der klassische Vorteil eines Standard-PCs – egal, ob im Desktop- oder Tower-Gehäuse – ist schon seit den ersten IBM-PCs seine Erweiterbarkeit gewesen:

  • in Form von Erweiterungskarten (zunächst ISA, dann PCI, AGP, PCI Express), die in das Mainboard gesteckt werden,
  • und in Form von freien Laufwerksschächten im 5,25-Zoll- oder 3,5-Zoll-Format, die den Einbau weiterer Laufwerke oder anderer Komponenten erlauben, welche dann von der Gerätefront aus zugänglich sind, um Datenträger (DVDs, Blu-rays, CDs, SD-Karten; früher auch Disketten oder Zip-Medien) einzulegen oder andere Komponenten via Kabel anzustecken.

Schaut man sich moderne PCs vom Discounter an, ist ein Großteil der Erweiterbarkeit verloren gegangen. Fast alle aktuellen Geräte verbauen in der Frontblende hübsche aber unpraktische aufklappende DVD-Laufwerk-Verblendungen, hinter die sich nur DVD-Laufwerke platzieren lassen. Beim Test einer intern einzubauenden unabhängigen Stromversorgung für diese Ausgabe (siehe Bericht ab Seite ##) fiel das unangenehm auf: In einer Sammlung von Test-PCs gab es kein einziges Exemplar, das den Einbau ordentlich erlaubte. Abbildung 1 zeigt links ein typisches Gehäuse, bei dem selbst nach Entfernen der von innen herausdrückbaren Front kein ordentlicher Zugriff möglich ist. Klassische Gehäuse mit universellen Standardfronten (Abbildung 1, rechts) werden dagegen nur noch selten genutzt.

Abbildung 1: Aktuelle PCs versehen die Front mit Blenden, hinter die sich nur ein DVD- oder Blu-ray-Laufwerk sinnvoll einbauen lässt (links). Klassische Blenden, die den Einbau beliebiger 5,25-Zoll-Komponenten erlauben, sind seltener (rechts).
Abbildung 1: Aktuelle PCs versehen die Front mit Blenden, hinter die sich nur ein DVD- oder Blu-ray-Laufwerk sinnvoll einbauen lässt (links). Klassische Blenden, die den Einbau beliebiger 5,25-Zoll-Komponenten erlauben, sind seltener (rechts).

Bei besonders günstigen Rechnern kommt erschwerend hinzu, dass die Mainboards nur wenige Erweiterungsslots bieten (Abbildung 2). All dies ruiniert den ehemals offenen Ansatz, der es erlaubte, einen PC über viele Jahre hinweg zu betreiben und bei Bedarf mit zusätzlichen Komponenten aufzurüsten.

Abbildung 2: Platz für Erweiterungskarten ist hier rar: Ein einzelner Slot steht auf diesem Low-Cost-Mainboard zur Verfügung.
Abbildung 2: Platz für Erweiterungskarten ist hier rar: Ein einzelner Slot steht auf diesem Low-Cost-Mainboard zur Verfügung.

Auch All-in-One-Geräte, bei denen die ganze PC-Technik in die Rückseite oder den Standfuß eines Monitors gebaut wird, und Notebooks leiden unter dem Problem, dass es keinen Platz für Erweiterungen gibt, aber bei diesen Gerätekategorien ist das allen Anwendern beim Kauf schon klar. Dank moderner Schnittstellen wie USB 3 ist dort eine Erweiterung über externe Geräte möglich, aber wer sich ein Tower-Gehäuse unter den Schreibtisch stellt, erwartet, dass der zusätzliche Platz auch sinnvoll nutzbar ist.

Wegwerfen und neu kaufen

Die Erweiterbarkeit künstlich und unnötig einzuschränken, führt nur zu einem Ergebnis: Bei geänderten Anforderungen an die Hardware ist häufiger ein Komplettneukauf nötig. Das ist für die Hersteller sicher prima und auch in anderem Zusammenhang ein modernes Ärgernis – denken Sie etwa an Smartphones, deren Akkus sich nicht wechseln lassen.

Wer ein wenig Basteltrieb verspürt, kann diese Probleme beheben, indem er seinem Rechner ein neues (großes) Gehäuse spendiert, doch der Umzug von Mainboard und sonstigen Komponenten erfordert teilweise spezielle Werkzeuge und zudem Geschick und Kraft, etwa für die korrekte Montage des Prozessorlüfters: Hier kann schnell etwas kaputt gehen. Ein Großteil der Gehäuseanbieter hat sich zudem auf die Zielgruppe der Gamer spezialisiert und lockt mit nutzlosen Features wie Fenstern in der Seitenwand, die beleuchtete Grafikkarten und Speicherriegel präsentieren. Haben Sie vor Ort einen klassischen PC-Händler, können Sie dort ein System nach Ihren Vorstellungen zusammenstellen lassen – das ist dann aber teurer als ein Schnäppchen-PC vom Discounter.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

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1 Kommentar auf "Eingeschränkt erweiterbar"

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Dem muss ich (leider) vollkommen zustimmen. Dies ist einer der Gründe, warum ich noch nie einen Fertig-PC gekauft habe und das auch nicht tun werde. Alles wird selbst zusammengestellt. Dann lässt sich nicht nur alles optimal abstimmen. Man weiß auch was drin ist. Dementsprechend gibt es keine Bedenken, das System bei Bedarf auch mal längere Zeit am Stück laufen zu lassen. Bei Smartphones ist das leider nicht mehr so einfach, da es hier kaum konkurrenzfähige Alternativen mit wechselbarem Akku gibt. Die Argumente dagegen (z.B. das Handy wird ja eh getauscht bevor der Akku kaputt ist), sind für den 0815 Anwender… Mehr »