Aus EasyLinux 10/2017

Startprobleme mit Bootparametern lösen

Start me up

Wenn das System nicht starten möchte oder die Darstellung auf dem Monitor verzerrt erscheint, kann man Linux mit Bootparametern eventuell doch noch zur Mitarbeit bewegen. Um diese eingeben zu können, benötigt man allerdings je nach Distribution einen flinken Finger.

Linux erkennt beim Start die verbauten Hardwarekomponenten und nimmt selbständig die passenden Treiber in Betrieb. Vor allem bei neuen Geräten versagt diese Automatik jedoch hin und wieder: Linux wählt dann unter Umständen einen falschen oder gar keinen Treiber. Diese Erfahrung machten in der Vergangenheit vor allem Besitzer einer brandneuen Nvidia-Grafikkarte – auf dem Monitor erschien dann entweder gar kein oder nur ein verzerrtes Bild. Den reibungslosen Systemstart behindern auch immer wieder eigenwillige Stromsparfunktionen einiger Notebooks.

Netterweise können Sie Linux noch vor seinem Start ein paar Einstellungen mit auf den Weg geben. Auf diese Weise lassen sich nicht nur die Stromsparfunktionen abschalten, Sie können sogar zum Wechsel in einen Rettungsmodus ohne grafische Benutzeroberfläche auffordern. Die gewünschten Einstellungen teilen Sie dem Linux-Kernel dabei über eingetippte Schlüsselwörter mit. Wie und wo Sie diese Bootparameter eingeben, hängt wiederum von Ihrem System ab.

Eingabe ausgraben

Wenn Sie Ihren Computer einschalten, startet zunächst ein fest eingebautes Miniprogramm. In älteren Computern hieß es noch Basic Input/Output System (BIOS), aktuelle Rechner nutzen eine Weiterentwicklung namens Unified Extensible Firmware Interface (UEFI). In jedem Fall starten die eingebauten Programme ein weiteres Miniprogramm auf der Festplatte, den Bootloader (oder Bootmanager): Er erlaubt Ihnen die Auswahl eines der installierten Betriebssysteme. Die meisten Linux-Distributionen installieren den Grand Unified Bootloader, kurz Grub.

Normalerweise präsentiert Grub ein relativ karges Startmenü, ähnlich dem aus Abbildung 1. Einige Distributionen hübschen dieses Menü noch ein wenig auf. OpenSuse zeigt beispielsweise das grüne Exemplar aus Abbildung 2. Sofern auf Ihrem PC nur eine einzige Distribution installiert ist, startet Grub häufig auch einfach direkt das Linux-System. Das passiert beispielsweise, wenn auf Ihrer Festplatte nur Kubuntu 17.04 liegt. Halten Sie dann nach dem Einschalten Ihres Computers die linke Umschalttaste gedrückt, was Sie direkt in das Menü aus Abbildung 1 katapultiert.

Abbildung 1: Die meisten Distributionen zeigen ein karges Startmenü an, aus dem Sie ein Betriebssystem auswählen. Hier gibt es nur Kubuntu (Darstellung invertiert).
Abbildung 1: Die meisten Distributionen zeigen ein karges Startmenü an, aus dem Sie ein Betriebssystem auswählen. Hier gibt es nur Kubuntu (Darstellung invertiert).
Abbildung 2: OpenSuse Leap 42.2 zeigt dieses etwas hübschere Startmenü an. In diesem Fall ist als einziges Betriebssystem OpenSuse Leap installiert.
Abbildung 2: OpenSuse Leap 42.2 zeigt dieses etwas hübschere Startmenü an. In diesem Fall ist als einziges Betriebssystem OpenSuse Leap installiert.

In jedem Fall stellen Sie mit den Pfeiltasten sicher, dass im Menü der Punkt für Ihre Linux-Distribution ausgewählt ist. Wie in Abbildung 1 ist das normalerweise der oberste Punkt (Ubuntu). Drücken Sie dann [E]. Sie landen dadurch in einem Texteditor, der sehr wahrscheinlich einen äußerst kryptischen Text anzeigt – wie in den Abbildungen 3 und 4. Wir haben die Grub-Darstellung in den Abbildungen invertiert, damit sie im Druck lesbar bleiben; bei Ihnen am Rechner erscheint Grub mit weißer Schrift auf schwarzem Grund.

Im Editor steuern Sie die kleine Eingabemarke mit den Pfeiltasten. Suchen Sie auf diese Weise eine Zeile, die mit linuxefi oder linux beginnt. Auf einem aktuellen Computer mit UEFI gibt es die Zeile mit linuxefi, auf einem älteren Computer mit BIOS finden Sie hingegen eine mit linux startende Zeile. Unter Umständen gibt es mehr Text als der Editor auf einmal anzeigen kann. Fahren Sie dann einfach mit dem Cursor immer weiter nach unten, bis Sie die richtige Zeile gefunden haben.

Abbildung 3: Im Grub-Editor geben Sie hinter "linux" die Parameter an (hier in der dritten Zeile von unten). Die übrigen Einträge helfen Grub, das Betriebssystem zu finden.
Abbildung 3: Im Grub-Editor geben Sie hinter „linux“ die Parameter an (hier in der dritten Zeile von unten). Die übrigen Einträge helfen Grub, das Betriebssystem zu finden.
Abbildung 4: Auf UEFI-Systemen ist der im Editor angezeigte Text meist übersichtlicher (hier am Beispiel von OpenSuse Leap mit grafischem Rahmen um Grub herum).
Abbildung 4: Auf UEFI-Systemen ist der im Editor angezeigte Text meist übersichtlicher (hier am Beispiel von OpenSuse Leap mit grafischem Rahmen um Grub herum).

Parameter hinterlegen

Grub startet gleich das Linux-System, indem es den Linux-Kernel lädt und aktiviert, der unter anderem die Hardware verwaltet. Er wertet auch die meisten Bootparameter aus oder reicht sie an Treiber und Programme weiter. Hinter linuxefi oder linux stehen alle Bootparameter, die Grub an den Kernel übergibt. Einzelne Parameter trennt jeweils ein Leerzeichen. Einige davon benötigt Linux zwingend zum Start, dazu gehören insbesondere die ersten beiden Parameter /boot/vmlinuz... und root=...: Sie legen fest,

  • welcher der installierten Linux-Kernel booten soll (/boot/vmlinuz...)
  • und auf welcher Festplattenpartition die Root-Partition des Linux-Systems liegt (root=...).

Einzelne Parameter ändern und ergänzen Sie wie in einer Textverarbeitung. Als Faustregel gilt dabei: Ändern Sie nur solche Parameter, deren Auswirkungen Sie kennen! Im schlimmsten Fall könnten Sie sonst Ihr System zerstören. Sollte wie in Abbildung 3 die Zeile länger als der Bildschirm sein, verteilt sie der Texteditor automatisch über mehrere Bildschirmzeilen. Am rechten Rand zeigt der Editor diesen Zeilenumbruch automatisch mit dem Zeichen \ an. Wenn Sie also am rechten Rand einen solchen Rückstrich finden, wissen Sie, dass die Zeile in der nächsten Bildschirmzeile weiterläuft. Um die Eingabemarke am Ende dieser überlangen Zeile zu platzieren, fahren Sie zunächst mit den Pfeiltasten in die mit linuxefi beziehungsweise linux beginnende Zeile. Drücken Sie dann entweder solange die Pfeiltaste nach rechts, bis Sie am Ende angekommen sind, oder springen Sie mit [Ende] direkt dorthin. Sollten Sie bei der Eingabe von neuen Parametern am rechten Rand ankommen, schreiben Sie einfach weiter.

Beachten Sie, dass zu diesem Zeitpunkt noch eine englische Tastaturbelegung gilt. Insbesondere sind die Tasten [Z]+ und [Y]+ vertauscht. Das Gleichheitszeichen erhalten Sie mit einem Druck auf die Taste, die sich rechts neben dem „ß“ befindet. Den Unterstrich _ erzeugt [Umschalt]+[ß]. Haben Sie die gewünschten Parameter hinterlegt, starten Sie Ihr System mit [Strg]+[X] oder [F10]+. Über [Esc] verwerfen Sie alle Änderungen und kehren zum vorherigen Startmenü zurück.

Live ist anders

Nachdem Sie sich eine Linux-Distribution aus dem Internet heruntergeladen haben, müssen Sie diese entweder auf eine DVD brennen oder auf einen USB-Stick schreiben. Dem von einem so präparierten Medium startenden Linux können Sie ebenfalls Bootparameter mit auf den Weg geben. So lässt sich dann doch noch die Installation anstoßen oder mit dem auf dem Startmedium liegenden Live-System im Internet nach einer Lösung suchen. Abhängig von Ihrer Distribution und Ihrem Computer erfolgt die Eingabe der Bootparameter dabei allerdings teilweise etwas anders.

Die Installationsmedien von Kubuntu und anderen Ubuntu-Abkömmlingen präsentieren auf einem System mit UEFI ebenfalls das Startmenü aus Abbildung 1. Dort stellen Sie sicher, dass die Distribution ausgewählt ist (im Fall von Kubuntu: Start Kubuntu) und drücken [E]. Die Bedienung des Editors läuft dann wie bei einem installierten (K)Ubuntu ab.

Wenn Sie noch einen PC mit BIOS besitzen, erscheinen bei Kubuntu & Co. am unteren Bildschirmrand kurzzeitig die zwei Symbole aus Abbildung 5. Drücken Sie jetzt möglichst schnell eine Taste, so dass Sie im Menü aus Abbildung 6 landen. Stellen Sie dort sicher, dass der Eintrag mit Ihrer Distribution ausgewählt ist – im Fall von Kubuntu sollte Start Kubuntu weiß erstrahlen. Um nun einen oder mehrere Bootparameter eingeben zu können, drücken Sie [F6]+. Es erscheint das Menü aus Abbildung 6, in dem Sie ein paar besonders gängige Bootparameter bequem auswählen können. Steuern Sie dazu den entsprechenden Parameter mit den Pfeiltasten an und aktivieren Sie ihn mit der Leertaste. Zur Bedeutung der einzelnen Parameter folgt weiter unten mehr. Wenn Sie das kleine Menü mit der Taste [Esc] schließen, sehen Sie eine neue weiße Textzeile. Sie listet alle Parameter auf, die gleich der Linux-Kernel erhält. Mit der Pfeiltaste nach rechts holen Sie eine Eingabemarke hervor. Ab jetzt können Sie weitere Parameter eintippen, die sie jeweils durch Leerzeichen voneinander trennen.

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