Aus EasyLinux 07/2017

KDE, Gnome und Unity – welchen Desktop wählen?

© injenera, 123rf.com

Oberflächlich

Welcher Desktop lässt sich intuitiv und schnell bedienen? Wir prüfen für typische Arbeitsschritte, ob Sie diese unter KDE, Gnome oder Unity am besten erledigen können. Teil 1: Desktop und Dateimanager.

Jeder Desktop bietet seine eigene Optik, und die Entwicklerteams haben unterschiedliche Vorstellungen davon, welche Features die Oberfläche benötigt – so setzt z. B. das KDE-Team auf maximale Konfigurierbarkeit, während die Gnome-Entwickler weniger Auswahl und dafür einfacher beherrschbare Einstelldialoge bevorzugen. Darum hat die Entscheidung für einen Desktop auch mit persönlichen Vorlieben und nicht zuletzt dem Geschmack zu tun.

Das ist aber nicht alles, denn einige Eigenschaften des Desktops beeinflussen auch direkt, wie viele Mausklicks oder Tastenanschläge Sie benötigen, um bestimmte Aufgaben zu erledigen – gerade für Intensivnutzer ist es darum wichtig, dass die regelmäßig genutzten Features leicht und ohne Umstände erreichbar sind. Dazu gehören Banalitäten, wie das Starten von Programmen, die Suche nach Dokumenten und nützliche Tastenkombinationen.

In diesem ersten Teil betrachten wir die Oberflächen und ihre Dateimanager; in der nächsten Ausgabe setzen wir den Vergleich fort.

Oberflächliches

Beim ersten Kontakt mit der Oberfläche laufen noch keine (sichtbaren) Anwendungen: Es geht um die Bedienelemente auf dem Desktop, also eine oder mehrere Startleisten oder andere Hilfsmittel, die über Menüs Zugriff auf Programme und Dateien erlauben. Ist der Hintergrund eine Ablagefläche für Icons oder Applets? Gibt es mehrere virtuelle Desktops und wenn ja, wie funktioniert der Wechsel?

Sobald dann die ersten Anwendungen laufen, gilt es, Fenster zu manipulieren: die Größe ändern, Fenster minimieren, maximieren und schließen, und all das wahlweise mit der Maus oder der Tastatur.

KDE

Wer frisch von Windows auf Linux umsteigt, wird die Aufteilung der Arbeitsfläche bei KDE auf Anhieb verstehen: Unten links gibt es ein Startmenü, und es ist Teil der unten über die ganze Breite angebrachten Startleiste, die außerdem eine Übersicht aller Fenster sowie ein System Tray mit Icons enthält (Abbildung 1). Neben dem Knopf für das Startmenü gibt es einen Arbeitsflächenumschalter, der das Umschalten zwischen mehreren virtuellen Desktops erlaubt. Davon kann man in KDE sehr viele (bis zu 20) einstellen, aber nicht alle Distributionen nutzen dieses Feature. Bei Kubuntu ist es z. B. ab Werk komplett deaktiviert und muss erst über Rechner / Systemeinstellungen / Arbeitsflächenverhalten / Virtuelle Arbeitsflächen aktiviert werden; und OpenSuse stellt zunächst nur zwei der virtuellen Desktops zur Verfügung. Mehrere Desktops helfen, eine große Zahl von Fenstern besser zu organisieren, denn auf einem einzelnen Desktop würden diese sich ständig gegenseitig verdecken. (Wer meist nur einen Browser startet, profitiert von den Desktops nicht.)

Abbildung 1: KDE bietet die klassischen Bedienelemente, wie man sie von Windows kennt: Startleiste mit Startmenü, Fensterliste und System-Tray.
Abbildung 1: KDE bietet die klassischen Bedienelemente, wie man sie von Windows kennt: Startleiste mit Startmenü, Fensterliste und System-Tray.

Zwischen den Desktops wechseln Sie mit [Strg]+[F1][Strg]+[F2] usw.; für höhere Desktop-Nummern sind die entsprechenden Tastenkombinationen eventuell nicht aktiv, was sich in den KDE-Einstellungen aber schnell ändern lässt. Mit der Maus geht es noch schneller: Wer den Mauszeiger auf eine freie Stelle auf dem Desktop oder über die Desktop-Übersicht in der Startleiste bewegt und dann das Scrollrad dreht, wechselt vor- oder rückwärts durch die virtuellen Arbeitsflächen.

Das Startmenü zeigt immer nur eine Ebene der nur minimal geschachtelten Menüstruktur an, KDE hält aber zwei Alternativen bereit, ein aufklappendes Menü (im Stil von Windows 95) und eine Anwendungsübersicht, die den ganzen Bildschirm nutzt. Abbildung 2 zeigt die beiden Alternativen unter OpenSuse.

Abbildung 2: Wer das KDE-Startmenü nicht mag, kann auf Alternativen umsteigen: links ein hierarchisches Menü im Stil von Windows 95, rechts die so genannte Anwendungsübersicht.
Abbildung 2: Wer das KDE-Startmenü nicht mag, kann auf Alternativen umsteigen: links ein hierarchisches Menü im Stil von Windows 95, rechts die so genannte Anwendungsübersicht.

Welche Knöpfe ein KDE-Fenster mit sich bringt, ist einstellbar; üblich ist die Variante in Abbildung 3, bei der das Fenster eine Titelleiste hat, die am linken Rand zwei und am rechten Rand drei Schaltflächen zeigt.

Abbildung 3: Die meisten KDE-Fenster haben fünf Knöpfe für Minimieren, Maximieren, Schließen und weitere Aktionen.
Abbildung 3: Die meisten KDE-Fenster haben fünf Knöpfe für Minimieren, Maximieren, Schließen und weitere Aktionen.
  • Der Knopf ganz links öffnet das Fenstermenü, über das alle Einstellmöglichkeiten für das Fenster erreichbar sind (Abbildung 4) – darunter auch Exotisches wie ständige Positionierung im Vorder- oder Hintergrund, Vollbildmodus oder das Entfernen des Fensterrahmens. Der Fensterheber bedeutet, dass von einem Fenster nur noch die Titelleiste bleibt; fährt man über die mit der Maus, klappt das Fenster solange auf (und wird benutztbar), bis man es mit der Maus wieder verlässt.
  • Der zweite Knopf hat die Form einer Pinnnadel. Er sorgt dafür, dass das Fenster auf allen virtuellen Desktops sichtbar ist.
  • Die drei Icons am rechten Rand können Fenster minimieren, maximieren und schließen; ein minimiertes Fenster ist nicht mehr sichtbar und kann per Klick auf seinen Eintrag in der Startleiste zurück auf den Desktop geholt werden; es nimmt dann wieder die ursprüngliche Position ein.
Abbildung 4: Mit KDE sind viele Spielereien möglich: Sie können die Oberfläche jedes Fenster unterschiedlich behandeln lassen.
Abbildung 4: Mit KDE sind viele Spielereien möglich: Sie können die Oberfläche jedes Fenster unterschiedlich behandeln lassen.

Die meisten Programme, die zum KDE-Desktop gehören, können eine klassische Menüleiste (wie üblich gleich unter der Titelleiste) anzeigen, müssen das aber nicht. Im Dateimanager Dolphin und vielen anderen Anwendungen lässt sich die Menüleiste z. B. mit [Strg]+[M] ein- und ausblenden – wenn sie fehlt (was Platz spart), gewährt die Symbolleiste Zugriff auf die sonst über das Menü erreichbaren Funktionen.

Mit [Alt]+[F2] oder [Alt]+[Leertaste] öffnen Sie unter KDE einen Schnellstartdialog, in dem Sie ein Kommando eingeben und ausführen lassen können. Das Tool zeigt dabei schon nach wenigen getippten Zeichen Vorschläge an, die Sie auswählen können.

Auf dem Desktop ist Platz für so genannte Plasmoide: Das sind Miniprogramme oder Applets, die einen Teil des Desktops nutzen, um dort aktiv Inhalte anzuzeigen – vergleichbar mit den „Sidebar Gadgets“, die es bei Windows Vista und Windows 7 gab.

Gnome

Nur wenige Jahre jünger als KDE ist Gnome, der zweite große Desktop in der Linux-Welt. Die Oberfläche sieht anders aus, und Umsteiger, die von Windows, kommen, müssen sich ein wenig umgewöhnen:

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