Aus EasyLinux 07/2017

Fragen zu Hard- und Software beantworten

© alphaspirit, 123rf

Auskunft

Linux ist sehr auskunftfreudig: Wie viel Plattenplatz und Arbeitsspeicher ist noch frei? Welche Linux-Distribution läuft hier in welcher Version? Wer ist eingeloggt? Dies und viel mehr bringen Sie mit kurzen Shell-Kommandos in Erfahrung.

Um Informationen über das laufende System zu erhalten, müssen Sie kein grafisches Werkzeug wie etwa das KDE-Infozentrum (kinfocenter) bemühen – alle interessanten Daten stehen in der Shell bereit; wer die richtigen Programm- und Dateinamen kennt, wird schnell fündig.

Fragen zur Orientierung

„Wach, orientiert zu Person und Ort“ beschreibt einen Patienten im Krankenhaus, der ansprechbar ist und die Fragen „Wer sind Sie?“ und „Wo sind Sie?“ korrekt beantworten kann. Zu wissen, wer und wo man ist, hat viele Vorteile, und das gilt im übertragenen Sinne auch für die Arbeit am Computer. Dort verändern sich die Fragestellungen geringfügig und lauten nun:

  • Mit welchem Benutzernamen bin ich angemeldet?
  • Auf welcher Maschine arbeite ich?

Das klingt zunächst überflüssig, aber Linux-Administratoren sind es ja gewohnt, sich via SSH auf zahlreichen Maschinen einzuloggen und auch dort Befehle auszuführen (Abbildung 1). Um nun nicht versehentlich auf der falschen Maschine ein Verzeichnis zu löschen, sollte man immer die Orientierung behalten.

Abbildung 1: Man kann nie genug Terminalfenster öffnen – auf einem großen Monitor mit hoher Auflösung behalten Sie dank SSH mehrere Rechner im Blick.
Abbildung 1: Man kann nie genug Terminalfenster öffnen – auf einem großen Monitor mit hoher Auflösung behalten Sie dank SSH mehrere Rechner im Blick.

Die Shell unterstützt das automatisch über den Shell-Prompt, der – wenn Sie nicht absichtlich etwas anderes einstellen – immer (durch ein „@“-Zeichen getrennt) den Benutzernamen und den Namen des Rechners anzeigt, also z. B.

esser@hpquadi7:/tmp> _

Die dritte Information in diesem Prompt ist hinter dem Doppelpunkt das aktuelle Arbeitsverzeichnis (hier: /tmp/). Am Ende steht ein Größerzeichen (typisch für OpenSuse), alternativ findet sich oft ein Dollarzeichen (die Voreinstellung bei Kubuntu). „>“ oder „$“ sagen: Der Anwender ist mit normalen Rechten unterwegs. Ändert sich das Zeichen in eine Raute („#“), sind Sie zum Administrator geworden: Sie sehen den „Root-Prompt“. Auch hier gibt es einen Unterschied zwischen den OpenSuse- und Kubuntu-Voreinstellungen: Kubuntu zeigt auch beim Root-Prompt den Benutzernamen (dann root) an, während OpenSuse darauf verzichtet, weil durch die Raute schon klar ist, wer angemeldet ist (Abbildung 2).

Abbildung 2: Root-Rechte sind immer an der Raute "#" im Prompt erkennbar. Kubuntu (oben) zeigt zusätzlich den Benutzernamen "root" an.
Abbildung 2: Root-Rechte sind immer an der Raute „#“ im Prompt erkennbar. Kubuntu (oben) zeigt zusätzlich den Benutzernamen „root“ an.

Sollten Sie sich einmal die Anzeige zerschießen (indem Sie experimentell die Shell-Variable PS1 verändern), können Sie mit den Kommandos whoami, hostname und pwd herausfinden, wer und wo Sie sind:

esser@hpquadi7:~/Daten/EL/2017/04/guru> PS1="kaputterprompt> "
kaputterprompt> whoami
esser
kaputterprompt> hostname
hpquadi7
kaputterprompt> pwd
/home/esser/Daten/EL/2017/07/guru

Bequemer ist es aber, den Prompt wiederherzustellen, z. B. mit dem Befehl

PS1="\u@\h:\w> "

Hier stehen \u, \h und \w für user (Benutzer), hostname und working directory (Arbeitsverzeichnis).

Ist hier noch was frei?

Zu wenig Platz zu haben, ist immer ungünstig – das gilt bei Linux sowohl für den Hauptspeicher als auch für die Festplatte. Wie es im RAM aussieht, verrät der Befehl free (Listing 1). Die Ausgabe enthält mehr und weniger relevante Informationen: In der ersten Spakte total steht, wie viel RAM im Rechner verbaut ist (Mem, hier 12 GByte) und wie viel zusätzlicher Platz als Swap (Auslagerungsbereich, hier 2 GByte) zur Verfügung steht.

Listing 1

Ausgabe von „free“

esser@hpquadi7:~> free
             total       used       free     shared    buffers     cached
Mem:      12279776    8492100    3787676      68532      74204    2931280
-/+ buffers/cache:    5486616    6793160
Swap:      2104316          0    2104316

Die Angaben in den Spalten used und free erklären im Beispiel, dass ca. 8 GByte belegt und entsprechend knapp 4 GByte RAM frei sind. Einen Teil der Belegung verursacht Linux aber, indem es aus Performance-Gründen Daten im Hauptspeicher vorrätig hält, die es zu einem früheren Zeitpunkt von der Platte gelesen hat (und aktuell gar nicht braucht). Das sind die Speicherbereiche, deren Größen in den Spalten buffers und cached angegeben sind: Die Inhalte können jederzeit „weggeworfen“ werden (was diese Speicherbereiche verfügbar macht), weil die Inhalte ja auch auf der Platte liegen. Darum kann man diese Bereiche zum freien Speicher hinzuzählen. Genau das passiert in der zweiten Zeile (-/+ buffers/cache): Dort ist der Eintrag für den belegten Speicher kleiner (und der für den freien entsprechend größer). Die Werte in dieser Zeile sind die richtigen, wenn Sie herausfinden möchten, ob der Hauptspeicher allmählich knapp wird.

Dass in der letzten Zeile Swap bei used eine Null steht, zeigt, dass der Beispielrechner noch keine Daten auf Platte auslagern musste. Sollte sich das ändern, weil Sie speicherintensive Software laufen lassen, wird vielleicht sogar der Auslagerungsspeicher knapp. Welche Swap-Bereiche aktiviert sind, verrät ein Blick in /proc/swaps:

esser@hpquadi7:~> cat /proc/swaps
Filename    Type       Size     Used  Priority
/dev/sdb4   partition  2104316  0     -1

Linux verwendet zum Auslagern bevorzugt Swap-Partitionen, kann aber alternativ oder ergänzend auch mit Swap-Dateien arbeiten (so, wie Windows das tut). Die folgenden Befehle legen auf die Schnelle eine zusätzliche 2 GByte große Swap-Datei im Ordner /tmp/ an (dd erstellt die Datei, mkswap schreibt eine Swap-Signatur an ihren Anfang) und binden sie als zusätzlichen Swap-Bereich ein. Danach zeigt ein erneuter Blick in /proc/swaps, wie sich die Situation geändert hat:

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