Aus EasyLinux 04/2017

Software

Neue Software (Teil 1/2)

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise (Teil 1/2).

Darktable 2.2.0 rc1 – professionelle Fotoaufbereitung

Darktable ist ein Spezialprogramm zum Nachbessern von Digitalfotos. Statt künstlerischer Effekte bietet das Programm eine Belichtungs- und Farbkorrektur, die den in Gimp eingebauten Funktionen weit überlegen ist. In Version 2.2.0 ist erstmals eine Perspektivkorrektur an Bord.

Anfang 2013 war das professionelle Bildbearbeitungsprogramm Darktable (Abbildung 1) [1] zum ersten Mal Thema der Software News. Schon damals brachte es das mächtige und gleichzeitig intuitive Belichtungskorrekturwerkzeug Zonensystem mit, das auch heute noch die Basis für sensible Helligkeitsanpassungen ist.

Abbildung 1: Das Belichtungskorrekturwerkzeug "Zonensystem" teilt das Bild in Helligkeitszonen ein. So lässt sich der abgeschattete Brunnen aufhellen, ohne die Häuser überzubelichten.
Abbildung 1: Das Belichtungskorrekturwerkzeug „Zonensystem“ teilt das Bild in Helligkeitszonen ein. So lässt sich der abgeschattete Brunnen aufhellen, ohne die Häuser überzubelichten.

Die Neuerungen von Version 2.2.0 [2] waren es der Redaktion wert, das Programm erneut zu besprechen, obwohl diese Version noch nicht in endgültig stabiler Fassung vorliegt, sondern erst als zweiter Release Candidate (RC). Software im RC-Status ist aus Sicht der Entwickler ausgereift, sie wollen aber vor der endgültigen Freigabe noch einmal testen, ob sie Fehler übersehen haben.

Gerade gerückt

Neu hinzugekommen ist das leistungsfähige und dennoch äußerst einfach zu bedienende automatische Perspektivkorrektur-Werkzeug (Abbildung 2) [3]. Links im Bild sehen Sie ein schräg von vorn aufgenommenes Haus. Wie so oft erlaubte der beschränkte Platz keine bessere Aufnahmeperspektive.

Abbildung 2: Die in Version 2.2.0 hinzugekommene automatische "Perspektivkorrektur" findet horizontale und vertikale Linien im Bild (2) und richtet Sie per Mausklick gerade (3).
Abbildung 2: Die in Version 2.2.0 hinzugekommene automatische „Perspektivkorrektur“ findet horizontale und vertikale Linien im Bild (2) und richtet Sie per Mausklick gerade (3).

Wählen Sie nun einfach das Perspektivkorrektur-Werkzeug aus der Liste weitere Module rechts unten. Es erscheint dann in der Arbeitspalette (rot markiert). Schalten Sie es mit dem Schaltersymbol links oben in der zum Werkzeug gehörigen Palette Perspektivkorrektur ein, dann findet es automatisch gerade Linien im Bild (Abbildung 2, links unten).

Nun brauchen Sie nur noch auf einen der drei Buttons in der Zeile automatisch anpassen zu klicken. Der linke korrigiert das Bild in der Vertikalen, der mittlere in der Horizontalen. Der rechte Button (markiert) richtet es horizontal und vertikal gerade, wie es bei diesem Foto angebracht war (Abbildung 2, rechts unten).

Wir kennen kein anderes freies Programm, das eine dermaßen simpel zu bedienende und dennoch vom Ergebnis her perfekte Perspektivkorrektur für Architekturaufnahmen mitbringt. Auf Wunsch beschneidet Darktable das Foto gleich auf das größte nach der Deformation mögliche Rechteck.

Beiseite gebürstet

Die ebenfalls neue Verflüssigen-Funktion [4] verbiegt Linien, statt sie gerade zu rücken. Die spielerische Anwendung in Abbildung 3 demonstriert die Wirkung: Verflüssigen verschiebt Bildpunkte so, als ob Sie flüssige Farbe mit einer Bürste in eine bestimmte Richtung drücken.

Abbildung 3: Das neue "Verflüssigen"-Werkzeug wirkt wie eine Bürste auf flüssige Farbe.
Abbildung 3: Das neue „Verflüssigen“-Werkzeug wirkt wie eine Bürste auf flüssige Farbe.

Die beiden Pfeile im Turmbereich symbolisieren Richtung und Betrag der Verschiebung. Die beigefarbenen Flächen zeigen an, auf welche Bildbereiche sich die Deformation auswirkt. Man kann sich den ausgelösten Effekt als ein Ziehen der Bürste in Pfeilrichtung vorstellen.

Der Linienzug über der Basis des Bauwerks bündelt dagegen viele Bürstenbewegungen. Die Kurve, von der die Verschiebungsvektoren ausgehen, zeichnen Sie wie im Zeichenprogramm Inkscape. Die Lage der Kontrollpunkte bleibt veränderbar, ebenso Richtung und Länge der von ihr ausgehenden Verschiebungsvektoren.

Hierin unterscheidet sich die Verflüssigen-Funktion in Darktable von ihrer gleichnamigen Entsprechung in Gimp: Dort deformieren Sie das Bild direkt durch Pinselstriche mit der Maus. Das mag sich intuitiver anfühlen als die auf Vektoren basierende Umformung in Darktable, doch die bei Vektoren nachträglich veränderbaren Kontrollpunkte gestatten eine viel genauere Steuerung des Effekts.

Die Redaktion meint

Bei aller Komplexität der Bearbeitungsalgorithmen bleibt die Benutzeroberfläche von Darktable übersichtlich. Profifotografen mit höchsten Ansprüchen spricht es ebenso an wie Hobbyfotografen, die mit wenig Aufwand ihre Schnappschüsse aufpolieren möchten. Das in Version 2.2.0 hinzugekommene Perspektivkorrektur-Werkzeug ist in der Architekturfotografie Gold wert.

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