Aus EasyLinux 03/2016

Das kostenlose Officepaket FreeOffice von SoftMaker

Office für lau

FreeOffice ist die abgespeckte Gratisvariante von SoftMaker Office: Das Paket besteht aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen. Wir haben die jüngste Linux-Version getestet.

Klassische Büroaufgaben können Anwender auf Linux-Desktops heute gut erledigen, mehrere Programmpakete erlauben sogar eine Auswahl: OpenOffice bzw. LibreOffice ist die prominenteste Office-Umgebung für Linux. Auch SoftMaker Office [1] dürfte regelmäßigen EasyLinux-Lesern bereits begegnet sein [2]: Das Nürnberger Unternehmen SoftMaker vertreibt unter diesem Namen seit vielen Jahren eigene Office-Anwendungen, die auch unter Linux funktionieren. Die kosten allerdings Geld (70 Euro für die Standardversion, 100 Euro für die Professional-Ausgabe mit Duden- und Langenscheidt-Wörterbüchern). Unter dem Namen FreeOffice bietet SoftMaker eine abgespeckte Variante der Standardversion zum Gratis-Download an. Wir haben das Programmpaket getestet und verraten, ob FreeOffice eine Alternative zu LibreOffice ist.

Texte, Tabellen, Präsentationen

FreeOffice besteht aus drei Hauptkomponenten, der Textverarbeitung TextMaker, der Tabellenkalkulation PlanMaker und dem PowerPoint-Ersatz PresentationMaker. Es fehlen einige Features der gleichnamigen Komponenten von SoftMaker Office, auf der FreeOffice-Website [4] gibt es einen Überblick. Zu den entfernten Features gehören u. a. die kommerziellen Wörterbücher und Synonymwörterbücher. Es gibt auch in FreeOffice eine Rechtschreibungprüfung, die aber nicht auf die Duden-Wörterbücher setzt.

Die wichtigere Einschränkung ist, dass FreeOffice die neueren Dateiformate von Microsoft (docx, xlsx und pptx) zwar lesen, aber nicht schreiben kann. Beim Sichern in einem Microsoft-Format muss man dann auf die älteren Formate (ohne „x“: doc, xls und ppt) ausweichen. In heterogenen Büroumgebungen, in denen Kollegen mit Microsoft Office arbeiten, wird das schnell zum Stolperstein.

Saubere Installation

Wenn Sie FreeOffice ausprobieren möchten, ist die Website ein guter Startpunkt; hier finden Sie einen Downloadbereich [3]. Schnell wird klar, dass es sich bei FreeOffice zwar um kostenlose Software handelt, nicht aber um Freie Software: Den Quelltext der Programme hat allein der Hersteller. Damit ist FreeOffice genau wie Microsoft Office ein proprietäres Produkt; zudem laufen auch die Gratisprogramme nur mit einer Lizenz. Ein Download-Link erscheint erst, nachdem Sie Ihren Namen und Ihre Mail-Adresse angegeben haben (Abbildung 1). Eine falsche Mail-Adresse lässt sich nicht nutzen: Der Hersteller verschickt an die angegebene Adresse eine Nachricht mit einem Lizenzschlüssel. Nach diesem fragen die FreeOffice-Programme beim ersten Start; ohne Schlüssel sind sie nicht benutzbar.

Abbildung 1: Ohne Registrierung kein FreeOffice: Der Lizenzschlüssel für die kostenlose FreeOffice-Version kommt per Mail.
Abbildung 1: Ohne Registrierung kein FreeOffice: Der Lizenzschlüssel für die kostenlose FreeOffice-Version kommt per Mail.

Was die Installation angeht, hat der Hersteller sauber gearbeitet: FreeOffice steht in Form von .rpm– und .deb-Paketen für alle aktuellen Distributionen zur Verfügung. Ganz gleich, ob Sie OpenSuse oder Ubuntu nutzen: Sie geben beim Herunterladen des Pakets lediglich an, ob Sie die 32- oder die 64-Bit-Version brauchen. Das passende Paket landet daanch auf Ihrer Festplatte. Über die Werkzeuge Ihrer Paketverwaltung installieren Sie FreeOffice dann wie gewohnt. Icons auf dem Desktop und im KDE-Menü legen die Pakete an wie erwartet.

Nach der Installation lassen sich die drei FreeOffice-Komponenten zum ersten Mal starten. Das Programm, das Sie als erstes nutzen, fragt nach dem Lizenzschlüssel, den der Hersteller Ihnen per E-Mail zugeschickt hat. Haben Sie den Key einmal eingegeben, gibt es keine weiteren Nachfragen dazu: Die einmalige Eingabe schaltet alle Programme aus dem Paket frei.

Gewohnte Oberfläche

Bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche liefert FreeOffice Altbekanntes: Der Hersteller hat auf GUI-Experimente verzichtet, was den Umstieg von anderen Office-Umgebungen erleichtert. Wer sich in Microsoft Office (genauer: in älteren Version vor Einführung der Ribbons/Menübänder) oder LibreOffice zurechtfindet, wird auch bei FreeOffice die Buttons für die wichtigsten Funktionen schnell finden. Zum Teil geht das sogar so weit, dass ganze Menüleisten bei FreeOffice die gleiche Struktur haben wie bei anderen Office-Umgebungen: Die Leiste für das Kopieren oder Ausschneiden von Texten ist ein Beispiel dafür. Beim TextMaker findet sich wie bei Word oder LibreOffice Writer eine Schnellformatierungsleiste, über die Sie Schriftart und Schriftgröße sowie andere Einstellungen des Textes per Mausklick verändern. Ähnliches gilt für die wichtigsten Buttons und Eingabefelder von Plan- und PresentationMaker.

Grund zur Kritik bietet aber die Integration in die Optik des Desktops: An dieser Stelle unternimmt FreeOffice nämlich gar nicht erst den Versuch, sein Aussehen an die vorhandenen Begebenheiten anzupassen – die Programme verwenden erkennbar ein eigenes Design. Letztlich wirkt FreeOffice dadurch ein bisschen „aufgesetzt“: Bei aktuellen OpenSuse- oder Ubuntu-Desktops unterscheidet sich die Optik von Buttons oder Menüeinträgen so sehr vom Desktop-Standard, dass bei FreeOffice ein Fremdkörpergefühl entsteht. Eine komplette optische Integration in verschiedene Desktops ist allerdings auch eine Herausforderung, denn KDE und Unity von Canonical setzen z. B. auf verschiedene Grafikbibliotheken.

Funktionsumfang: Entlang der Standards

Die alltägliche Arbeit mit den drei FreeOffice-Komponenten verläuft gut: Das Verfassen von Briefen im TextMaker unterscheidet sich kaum von der Arbeit mit vergleichbaren Programmen. Praktisch: Eine Hilfsfunktion ist bei den drei FreeOffice-Programmen ab Werk integriert und taucht direkt nach dem Start auch im rechten Teil des Programmfensters auf. Standards wie die Arbeit mit Vorlagen oder das Formatieren von Texten sind ebenfalls kein Problem. Beschnitten hat SoftMaker die Ausgabe- und Druckfunktionen: In den Bezahlversionen der Office-Suite bieten die Programme viel mehr Export- und Druckfunktionen. Die Basics sind aber auch hier gut gelöst: Das Drucken eines Dokumentes klappt genauso wie der PDF-Export. Als besonderes Feature bietet FreeOffice auch einen Export in das EPUB-Format (ein Dateiformat für E-Book-Reader).

Auch das Programm für Präsentationen hinterlässt einen guten Eindruck: Die wichtigen Eigenschaften von Folien lassen sich so konfigurieren, wie Sie das aus anderen Programmen kennen. FreeOffice liefert auch Vorlagen mit, allerdings nur vier mit nicht sehr moderner Optik. Wer allerdings ein bisschen Zeit in das Foliendesign steckt, wird mit PresentationMaker zufriedenstellende Ergebnisse erreichen.

Die Arbeit mit FreeOffice an Texten, Tabellen oder Präsentationen wirkt auf einem aktuellen Rechner der Mittelklasse schnell und schnörkellos: Längere Verzögerungen etwa beim Öffnen von Dokumenten oder beim Einfügen von Bildern treten nicht auf. Alle drei Programme arbeiten zügig. Die Geschwindigkeit der grafischen Oberfläche ist auch in Ordnung.

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