Aus EasyLinux 02/2016

Fertige VirtualBox-VMs installieren

© Glen Gaffney, 123RF

Startklar

Ein Linux-System zu installieren, gelingt oft in 20 bis 30 Minuten, wenn der PC die Dateien schnell von DVD oder Stick lesen kann – schneller klappt es in einer virtuellen Maschine, wenn Sie ein DVD-Image nutzen. Doch es geht noch schneller: Eine „Virtual Appliance“ ist in zwei Minuten startklar.

Der englische Begriff „Virtual Appliance“ lässt sich als „virtuelles Gerät“ oder „virtuelle Anwendung“ übersetzen, doch beides trifft es nicht. Die deutsche Wikipedia-Seite [1] schlägt keine Übersetzung vor, sondern nutzt durchgehend das Wort Appliance und erklärt: „Virtual Appliances sind vorinstallierte, vorkonfigurierte und sofort einsetzbare Anwendungen und Softwarelösungen, die bereits mit einem Betriebssystem in der virtuellen Maschine zusammengestellt sind.“ Technisch handelt es sich um eine virtuelle Maschine, die bereits vorkonfiguriert wurde, also ein Betriebssystem und eine Auswahl von Programmen auf der virtuellen Platte enthält. Um solche Appliances an andere Anwender weitergeben zu können, haben sich verschiedene Austauschformate etabliert, darunter

  • OVF (Open Virtualization Format) – Appliances in diesem Format bestehen aus mehreren Dateien und einer Beschreibung der Maschine
  • und dessen Variante OVA (Open Virtualization Archive) – einer Zusammenfassung aller OFV-Dateien in einer einzelnen Archivdatei.

Der Vorteil von OVA-Dateien (mit Dateiendung .ova) ist, dass Sie hier sämtliche nötigen Dateien kompakt in einer Datei finden – dadurch eignet sich das Format besonders für die Weitergabe über Datenträger oder auf Downloadseiten.

In diesem Artikel beschreiben wir, wie Sie OVA-Dateien im Netz finden und unter VirtualBox [2] installieren – auf einem Rechner, der wahlweise unter Linux, Windows oder OS X läuft. Auf der Heft-DVD finden Sie auch eine solche OVA-Datei mit einer vorkonfigurierten OpenSuse-13.2-Installation.

VirtualBox installieren

VirtualBox selbst spielen Sie unter Linux aus den Standardquellen oder von der Heft-DVD dieser Ausgabe ein (dort finden Sie für OpenSuse die Version 5.0.16 und für Ubuntu die Version 5.0.14); Windows- und Mac-Anwender laden das Programmpaket von der VirtualBox-Webseite herunter [2]. Wenn Sie das offizielle Paket vom VirtualBox-Server nutzen, empfiehlt es sich, außerdem das „VirtualBox 5.0.x Oracle VM VirtualBox Extension Pack“ in passender Version herunterzuladen: Nach der Installation von VirtualBox können Sie die Zusatzdatei (mit Dateiendung .vbox-extpack) per Klick bzw. Doppelklick im Dateimanager einspielen.

Läuft VirtualBox, packen Sie OVA-Dateien aus, indem Sie im VirtualBox-Menü den Eintrag Datei / Appliance importieren aufrufen und eine OVA-Datei auswählen. Es erscheint dann ein kleiner Dialog, der Informationen über diese Appliance anzeigt (Abbildung 1) – nach einem Klick auf Importieren erstellt das Programm automatisch die virtuelle Maschine, die anschließend links in der Liste der Maschinen auftaucht. Es fehlt dann nur noch ein Doppelklick auf den neuen Eintrag, um die virtuelle Maschine zu starten.

Abbildung 1: VirtualBox (hier unter Windows 10) zeigt vor dem Importieren einer Virtual Appliance Informationen über das System an.
Abbildung 1: VirtualBox (hier unter Windows 10) zeigt vor dem Importieren einer Virtual Appliance Informationen über das System an.

OpenSuse 13.2 auf DVD

Für erste Tests des Features haben wir eine OVA-Datei für Sie vorbereitet: Die Heft-DVD enthält eine stark abgespeckte Installation von OpenSuse 13.2, die Sie in der Datei programme/andere/vm/OpenSuse_13.2_Mini.ova finden – wenn Sie diese unter VirtualBox einrichten und booten, können Sie sich mit dem Benutzernamen easy und dam Passwort easy anmelden, auch das Root-Passwort haben wir auf easy gesetzt. Das OpenSuse-System sollte automatisch ins Netz kommen (wenn der Rechner selbst online ist), und Sie können aus dem Menü z. B. Firefox starten. Auf einen komfortablen Desktop mussten wir aus Platzgründen verzichten, die Maschine nutzt den schlanken Windowmanager IceWM [3, 4] (Abbildung 2).

Abbildung 2: OpenSuse 13.2 mit dem Windowmanager IceWM installieren Sie über die OVA-Datei auf der Heft-DVD.
Abbildung 2: OpenSuse 13.2 mit dem Windowmanager IceWM installieren Sie über die OVA-Datei auf der Heft-DVD.

Appliances aus dem Netz

Ist Ihr Interesse nun geweckt und möchten Sie weitere Appliances testen, finden Sie gleich mehrere Anbieter im Netz, die passende OVA-Dateien bereit halten [5, 6, 7]. Darüber können Sie auch exotischere Linux-Distributionen oder ganz andere freie Betriebssysteme (wie etwa FreeBSD oder OpenBSD) ausprobieren (Abbildung 3), ohne sich in die Details der Installation einzuarbeiten – die wurde ja bereits von der Person erledigt, welche die OVA-Datei erstellt hat. Voraussetzung ist aber eine ausreichend schnelle Internetanbindung, weil OVA-Dateien oft mehrere GByte groß sind. Achten Sie vor dem Download darauf, dass auch die Zugangsdaten (Benutzer und Passwort) angegeben sind, sonst können Sie die Maschine nicht nutzen.

Abbildung 3: Mehrere Webseiten bieten Sammlungen von OVA-Dateien – hier sehen Sie die Übersicht der Appliances auf "virtualboximages.com".
Abbildung 3: Mehrere Webseiten bieten Sammlungen von OVA-Dateien – hier sehen Sie die Übersicht der Appliances auf „virtualboximages.com“.

Stellen Sie nach einem Test fest, dass Sie mit einer Appliance nichts anfangen können, entfernen Sie die Maschine per Rechtsklick auf den Eintrag in der Maschinenliste und Auswahl von Entfernen aus dem Kontextmenü – es erscheint dann ein Dialog, in dem Sie Alle Dateien löschen anklicken: Das gibt den ganzen genutzten Plattenplatz wieder frei. Die Alternative Nur löschen würde die Appliance nur aus der Maschinenliste austragen, die große Festplatten-Image-Datei aber auf der Platte belassen.

Sicherheitshinweise

VirtualBox bietet die Möglichkeit, gemeinsame Ordner für den Datenaustausch zwischen der virtuellen Maschine und dem echten Rechner einzurichten – darauf sollten Sie unbedingt verzichten, wenn Sie eine OVA-Datei unbekannter Herkunft verwenden, denn falls sich – absichtlich oder versehentlich – bösartige Software in das OVA-Image eingeschlichen hat, erhält es über Ordnerfreigaben Zugriff auf Teile Ihres echten Systems. Ein möglicher Schaden lässt sich zwar begrenzen, indem Sie einen neuen (leeren) Ordner für diesen Austausch einrichten und dort keine wichtigen Dateien ablegen, aber wir raten generell davon ab. Auch die Option, eine gemeinsame Zwischenablage zwischen VM und PC zu nutzen, sollten Sie deaktiviert lassen.

Eigene Appliances erstellen

Durch die VM-Installation aus einer OVA-Datei sparen Sie im Vergleich zu einer regulären Linux-Installation viel Zeit. Sie können auch selbst OVA-Dateien erstellen – dazu richten Sie eine virtuelle Maschine nach den eigenen Vorstellungen ein, fahren sie regulär herunter und erzeugen dann über Datei / Appliance exportieren eine OVA-Datei. Die kopieren Sie anschließend z. B. auf einen zweiten Rechner und importieren sie: Schon haben Sie auf der zweiten Maschine einen Klon der Appliance und müssen nicht erneut die Einrichtung durchlaufen.

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