Aus EasyLinux 04/2015

Foto-Abzüge und Fotobücher bestellen

© Nolte Lourens, Fotolia

Bilder fürs Album

Digitale Fotos haben ihre analogen Vorgänger fast vollständig verdrängt, doch Abzüge auf Papier stehen nach wie vor hoch im Kurs. Mit der passenden Software ist es unter Linux leicht, Foto-Abzüge oder komplette Fotobücher zu bestellen.

Im Internet kursiert seit Jahren eine Grafik, die den vermeintlichen Unterschied zwischen analoger und digitaler Fotografie zum Ausdruck bringen soll: Der Unterschied zwischen den beiden Techniken ist demnach, dass man von Ereignissen früher zwar nur wenige analoge Fotos hat entwickeln lassen, dafür am Ende aber auch jedes Foto brauchbar war und aufgehoben wurde. Bei der digitalen Fotografie und gerade im Zeitalter der Smartphone-Kameras sei es anders herum: Zwar mache man regelmäßig etliche Fotos, wirkliche Bedeutung hätten davon aber nur die wenigsten.

Diese These erscheint beim Besuch einer Drogerie oder eines der üblichen Elektromärkte allerdings nicht haltbar. Hier finden sich häufig Regale, in denen etliche Umschläge voller Foto-Abzüge auf ihre Abholung durch die Fotografen warten. Schnell wird klar: Auch heute ist es ein Anliegen vieler Menschen, Fotos nicht nur auf dem Bildschirm ihres Computers oder Smartphones zu betrachten, sondern die Bilder auf Papier in Händen zu halten.

Der Markt hat auf diese Anforderung reagiert: Fast jede Supermarktkette in Deutschland hat mittlerweile einen eigenen Fotodienst, über den Kunden Abzüge ihrer Aufnahmen bestellen können. Der Upload des Fotomaterials funktioniert wahlweise per Datenträger und Selbstbedienstation direkt im Geschäft oder über das Internet mittels einer Software, die der jeweilige Fotodienst zur Verfügung stellt. Die meisten Anbieter beziehen dabei auch Linux mit in ihre Überlegungen ein und haben passende Software im Angebot, die sich um den Foto-Upload kümmert. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Fotos auf Ihrer Digitalkamera in echte Ausdrucke auf Papier verwandeln.

Anbieter-Wirren

Um das Thema „Abzüge von digitalen Fotos“ richtig einordnen zu können, ist ein kleiner Ausflug in die Welt der Fotodienste hilfreich. Erstmal fällt auf, dass es viele Angebote gibt: Die Drogeriemarktkette Rossmann hat ebenso wie der Konkurrent dm eigene Fotoprodukte im Portfolio. Auch die typischen Supermärkte ziehen mit: Rewe bietet genauso einen passenden Dienst an wie Edeka, und auch Real mischt im Fotogeschäft mit.

Was auf den ersten Blick wie eine Anbieterflut aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Mogelpackung, denn hinter den ganzen Diensten stehen ein paar große Konzerne: Marktführer Cewe bespielt etwa Real, dm und Edeka. Rewe setzt auf den Cewe-Konkurrenten Picanova. Edeka und dm haben in Ergänzung zu Cewe selbstgelabelte „Hausmarken“ im Angebot, wobei nicht völlig klar ist, ob dort möglicherweise ebenfalls Aufträge von einem der großen Anbieter verarbeitet werden. Kurzum: Der Markt ist reich an Angeboten, die Unternehmen im Hintergrund sind aber meist die gleichen.

Kurios: Fast jeder Fotodienst kommt mit eigens gelabelter Software daher, so dass ein eigenes Programm für den Foto-Upload nötig ist. Qualitativ tun sich die Abzüge unterschiedlicher Anbieter in der Regel wenig. Damit Sie mit Linux auf einen grünen Zweig kommen, benötigen Sie aber eben das passende Tool für den Upload der Fotos. Nicht alle Anbieter stellen eine Linux-Version ihres Programms zur Verfügung. Cewe ist hier vorbildlich: Hier gibt es ein solches Linux-Tool, das die einzelnen Anbieter dann mit ihrem eigenen Branding versehen und so an die Kunden verteilen können. Wir beschäftigen uns hier mit der Cewe-Software, wie dm sie im Rahmen seines Fotoparadies-Angebots verteilt. Andere Anbieter, die mit Cewe kooperieren, bieten das gleiche oder ein sehr ähnliches Programm.

Installation

dm bietet auf seiner Website einen Linux-Client zum Download an [1]. Der kommt in Form einer .tgz-Datei daher, es handelt sich also um ein gzip-komprimiertes tar-Archiv. Das enthält nur zwei Dateien: die EULA (also die Lizenzvereinbarung) und eine Datei namens install.pl (Abbildung 1). Anhand ihrer Endung .pl erkennen erfahrene Linux-Nutzer, dass es sich um eine Skriptdatei der Programmiersprache Perl handelt. Tatsächlich enthält das Paket nicht den Fotoclient selbst, sondern nur einen Installer, der die nötigen Komponenten nachlädt. Um die dm-Software auf Ihrem System zum Laufen zu bekommen, führen Sie die folgenden Schritte aus; dabei spielt es keine Rolle, ob Sie mit Kubuntu oder OpenSuse arbeiten.

Abbildung 1: Die "tgz"-Datei von der Fotowelt-Website enthält nur zwei Dateien: Es handelt sich um einen Installer, nicht das tatsächliche Tool.
Abbildung 1: Die „tgz“-Datei von der Fotowelt-Website enthält nur zwei Dateien: Es handelt sich um einen Installer, nicht das tatsächliche Tool.
  1. Laden Sie von der dm-Seite [1] das Programm herunter und speichern Sie die Datei in Ihrem Home-Verzeichnis. Wenn Sie die Konfiguration Ihres Browsers nicht geändert haben, liegt die Datei nach dem Download im Ordner Downloads.
  2. Öffnen Sie die Datei mit dem KDE-Archivprogramm Ark. Wählen Sie beide Dateien per Haken im Kästchen vor dem Dateinamen aus und klicken Sie danach in Ark auf Entpacken. Im Ordner Downloads finden Sie danach einen neuen Unterordner mit dem Namen setup_dm_Fotowelt.
  3. Das Perl-Skript des Archivs lässt sich nur auf der Kommandozeile sinnvoll ausführen. Drücken Sie [Alt]+[F2], geben Sie im sich öffnenden Schnellstartfenster den Befehl konsole ein und drücken Sie [Eingabe] – es erscheint ein Terminalfenster.
  4. Geben Sie den Befehl cd Downloads/setup_dm_Fotowelt ein, um in der Shell in den Ordner zu wechseln, der die Installationsdatei enthält. Durch Eingabe von ./install.pl (mit ./ am Anfang) starten Sie die Einrichtung.
  5. Im ersten Schritt zeigt der Installer Ihnen die Softwarelizenz an. Lesen Sie die Lizenzbedingungen durch und drücken Sie [Q], um die Leseansicht zu verlassen. Der Installer fragt nun, ob Sie der Lizenz zustimmen. Geben Sie ja ein und bestätigen Sie mit [Eingabe].
  6. Der Installer stellt Ihnen nun weitere Fragen, die Sie alle mit [Eingabe] beantworten, womit Sie die voreingestellten Werte übernehmen, die passend sind. Dann beginnt die Installationsroutine damit, die benötigten Programmteile nachzuladen. Je nach Geschwindigkeit der Internetverbindung kann dieser Vorgang ein paar Minuten dauern; danach ist die Installation abgeschlossen.

Sie finden nun in Ihrem Home-Verzeichnis einen neuen Ordner dm und darin einen Ordner dm-Fotowelt. Wechseln Sie im KDE-Dateimanager in diesen Ordner und klicken Sie doppelt auf die Datei dm-Fotowelt – dann erscheint der Willkommensbildschirm des dm-Programms.

Bilder importieren

Ab Werk kann die Fotosoftware von dm nicht mit den Bildbibliotheken zum Beispiel von Digikam umgehen. Sie müssen deshalb die Fotos zunächst im dm-Programm importieren. Das folgende Beispiel geht davon aus, dass Sie eine SD-Karte per Kartenleser mit Ihrem Computer verbunden haben, welche die Fotos enthält, die Sie verwenden möchten. Der Import ist für jeden Auftrag nötig, denn die dm-Software pflegt eigene Fotodatenbank.

Der nächste Schritt besteht also darin, einen Auftrag anzulegen. Solange Sie sich nicht über einen Benutzernamen aus dem Programm heraus beim dm-Fotoservice anmelden, besteht keine Gefahr, versehentlich Fotos zur Verarbeitung an den Dienst zu schicken. Sie können also nach Herzenslust experimentieren. Erst am Ende senden Sie den Auftrag verbindlich ab, wenn Sie mit Ihrer Auswahl und den gewählten Einstellungen zufrieden sind.

Der erste Auftrag

Das dm-Programm ist darauf ausgerichtet, Ihnen den Weg zum Foto möglichst angenehm zu gestalten. Wenn Sie einen Auftrag anlegen, wählen Sie im ersten Schritt das dm-Fotoprodukt aus, das Sie bestellen möchten. Erst dann folgt der Import der Fotos. Dieses erste Beispiel im Text geht von normalen Foto-Abzügen im 10er-Format aus (je nach Kamera und Aufnahmeverhältnis ist das vermutlich 10 cm x 15 cm, also 2:3), die als „Premium“-Abzüge geliefert werden sollen. So gehen Sie vor:

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