Aus EasyLinux 02/2015

Eine Version über viele Jahre nutzen

Ruhe bis 2020 dank LTS

Ubuntu 12.04 und 14.04 sind Long-Term-Support-Versionen (LTS), und auch für OpenSuse-Anwender bietet das Evergreen-Projekt nun diese Langzeit-Unterstützung an. Was es damit auf sich hat, verraten wir in diesem Artikel.

Die Gemeinschaft der Linux-Nutzer ist neben Fragen wie „Welches ist der beste Desktop?“ auch bei der Auswahl einer speziellen Distributionsversion in zwei Lager aufgeteilt: Während die einen jede neu erschienene Version ihres Lieblingsdistributors gleich installieren und auch gerne mal einen Blick auf die Konkurrenz und damit weniger bekannte Linuxe werfen, halten es die anderen mit einer alten Administratorenweisheit: „Never change a running system.“ Die besagt im Wesentlichen, dass man die Finger von Dingen lassen soll, die einwandfrei funktionieren.

Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile:

  • Wer häufig aktualisiert, benutzt automatisch nicht nur die modernste Version des Linux-Kernels, sondern kann auch bei den mitgelieferten Anwendungen aus dem Vollen schöpfen: Alle Programmversionen sind auf halbwegs aktuellem Stand. Der Nachteil bei diesem Ansatz ist, dass jedes Update des kompletten Systems potenziell zu Problemen bei der Hardware-Unterstützung führen kann – während eine alte Version den WLAN-Chip oder die Grafikkarte noch perfekt eingerichtet hat, ist das bei der neueren Version vielleicht nicht der Fall. Auch kommt es bei solchen Upgrades vor, dass einige Anwendungen nicht mehr korrekt arbeiten (während eine komplette Neuinstallation dieses Problem umgeht, dafür aber die Platte putzt).
  • Eine ältere Version weiter zu verwenden, bedeutet, dass wichtige Komponenten wie der Kernel (von denen u. a. abhängt, ob alle angeschlossenen Geräte unterstützt werden) in derselben Version auf dem PC bleiben, so dass auch beim Einspielen von Updates, die dann nur Fehlerkorrekturen und keine neuen Features enthalten, nicht mit Problemen zu rechnen ist. Der Nachteil ist bei diesem Ansatz, dass man komplett neue Versionen (z. B. von KDE oder LibreOffice) auf diesem Weg nicht über die automatische Update-Verwaltung erhält – und die ganz neuen Versionen bieten oft interessante Features, die man auch gern nutzen würde.

Was tun?

Es kann damit keine klare Empfehlung für die eine oder andere Vorgehensweise geben. Wer ein gut laufendes System besitzt und sich keine Fehlerbehebung zutraut, die nach einem misslungenen oder nur teil-erfolgreichen Update nötig wird, sollte aber eher auf häufige Updates verzichten. Startet zum Beispiel ein aktualisiertes System nur noch im Textmodus, weil die Konfiguration der grafischen Oberfläche beschädigt wurde, können Profis das Problem schnell beheben, während Linux-Einsteiger dann oft eine komplette Neuinstallation (und den damit verbundenen Verlust aller Dateien) hinnehmen müssen.

Ubuntu und Kubuntu

Nicht jede Linux-Distributionsversion ist dafür geeignet, sie über mehrere Jahre zu verwenden, denn im Normalfall endet irgendwann die Unterstützung durch Updates. Diese Fehleraktualisierungen sind aber sinnvoll und wichtig, weil die enthaltenen Fehlerkorrekturen auch Sicherheitslücken schließen. Ein Linux-System weiter zu nutzen, das nicht mehr mit Updates versorgt wird, erhöht also das Risiko (siehe auch den Artikel zum Thema Sicherheit ab Seite 55).

Ubuntu (und damit auch Kubuntu) bietet schon lange so genannte LTS-Versionen (Long Term Support) an, bei denen es nicht wie sonst üblich nur neun Monate Updates gibt – stattdessen tauchen in den Update-Repositorys volle fünf Jahre lang Aktualisierungen auf. Nach fünf Jahren ist das System so veraltet, dass dann auch bei einer konservativen Haltung zu neuen Versionen der Umstieg auf ein frisches Linux ansteht. Von einer LTS-Version auf die nächste ist auch eine Aktualisierung vorgesehen: Für jede neue LTS-Version testen die Entwickler, dass sowohl das Upgrade von der regulären Vorgängerversion (z. B. von Ubuntu 13.10 auf 14.04) als auch von der vorherigen LTS-Version (also von Ubuntu 12.04 auf 14.04) funktioniert. Wer einen Zwischenschritt auslässt und ein vier Jahre altes Ubuntu 10.04 LTS auf 14.04 upgraden möchte, sollte aber Schwierigkeiten einplanen und besser eine Neuinstallation durchführen.

Damit sind die LTS-Versionen von Ubuntu/Kubuntu auch bereits genannt: Sie sind im Zwei-Jahres-Rhythmus erschienen (10.04, 12.04 und 14.04); die nächste planmäßige LTS-Version wird dann Ubuntu 16.04 sein, das im April 2016 erscheint. Abbildung 1 zeigt die Supportzeiten der vergangenen Ubuntu-Versionen im Überblick.

Abbildung 1: Ein Bild aus dem Ubuntu-Wiki [1] macht die unterschiedlichen Supportlängen von LTS- und normalen Versionen deutlich.
Abbildung 1: Ein Bild aus dem Ubuntu-Wiki [1] macht die unterschiedlichen Supportlängen von LTS- und normalen Versionen deutlich.

Wer eine der LTS-Versionen von Ubuntu/Kubuntu verwendet, muss nichts tun, um in den Genuss der Updates zu kommen: In den regulären Update-Paketquellen tauchen einfach über die fünf Jahre regelmäßig die Aktualisierungen auf.

OpenSuse Evergreen

Bei OpenSuse gibt es offiziell keine LTS-Versionen, aber ein Team rund um den Entwickler Wolfgang Rosenauer stellt unter dem Projektnamen „Evergreen“ Aktualisierungen für ausgewählte OpenSuse-Versionen über einen längeren Zeitraum zur Verfügung [2,3]. Zur Zeit wird hier nur Version 11.4 (von 2011) unterstützt, und das noch bis Juli 2015. Ab Mai 2015 will das Projekt dann Updates für OpenSuse 13.1 bereitstellen und das bis November 2016 fortsetzen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Auch das OpenSuse-Projekt nutzt das Wiki, um über LTS-Versionen aus dem Evergreen-Projekt zu informieren.
Abbildung 2: Auch das OpenSuse-Projekt nutzt das Wiki, um über LTS-Versionen aus dem Evergreen-Projekt zu informieren.

OpenSuse-Anwender müssen ein spezielles Repository einbinden, um nach Ende der regulären Supportdauer Updates vom Evergreen-Projekt zu beziehen; auf der Projektseite ist dafür das Kommando

sudo zypper ar --refresh -r http://download.opensuse.org/evergreen/11.4/openSUSE:Evergreen:11.4.repo

angegeben. Ab Mai wird dann voraussichtlich auch ein Repository für OpenSuse 13.1 bereitstehen, so dass Anwender in den Genuss einer LTS-Version 13.1 kommen.

Entscheidung

Ubuntu integriert die Updates für LTS-Versionen besser als OpenSuse, und da diese direkt vom Distributor selbst kommen, ist hier zumindest zu vermuten, dass Anwender mit der Entscheidung für eine LTS-Release von Ubuntu/Kubuntu auf der sichereren Seite sind.

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