Aus EasyLinux 02/2015

Kubuntu 15.04 im Vorab-Test

Radikalumbau

Im April steht die Veröffentlichung der nächsten Kubuntu-Version 15.04 an. EasyLinux hat vorab einen Blick auf die Distribution geworfen und verrät, worauf Benutzer sich freuen dürfen.

Ubuntu hat sich den guten Ruf erworben, seine Distribution in regelmößigen Abständen auf den neuesten Stand zu bringen. Die Release-Daten sind jeweils im April und im Oktober. Auch 2015 ist keine Ausnahme: Die Veröffentlichung der Ubuntu-Version 15.04 ist für April geplant. Naturgemäß war schon im Vorfeld und vor dem Redaktionsschluss dieser EasyLinux-Ausgabe absehbar, welche neuen Funktionen Nutzer in der KDE-Variante Kubuntu 15.04 erwarten würden. Lesen Sie im Folgenden, was Canonical sich für die neue Version seines Systems ausgedacht hat.

Als Testobjekt stand der Redaktion Kubuntu 15.04 in der Version Alpha 2 zur Verfügung. Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass sich diese Version nicht für den alltäglichen Einsatz eignet – eine Vorschau erlaubt sie aber sehr wohl. Der Releasename von Ubuntu 15.04 lautet übrigens „Vivid Vervet“, übersetzt also in etwa „fidele grüne Meerkatze“.

Tapetenwechsel

Nochmal zur Erinnerung: Ubuntu kommt ab Werk traditionell in verschiedenen „Geschmacksrichtungen“. Neben der „klassischen“ Ubuntu-Version gibt es etwa eine Variante speziell für Server. Dann gibt es die Desktop-Versionen, die z. B. mit KDE, Xfce oder LXDE als Standard-Desktop-Environment daherkommen. Ubuntu selbst ist jedoch das „offiziellste“ Ubuntu. Hier hat Canonical mit Unity auch eine eigene Desktop-Umgebung etabliert. In die Unity-Variante fließt häufig die meiste Arbeit zwischen zwei Releases. Wer also nicht das „ursprüngliche“ Ubuntu nutzt, sondern etwa – wie EasyLinux – auf Kubuntu setzt, bekommt von einigen Neuerungen zwischen zwei Ubuntu-Versionen oft gar nichts mit.

Auf Ubuntu 15.04 dürfen sich KDE-Freunde aber ganz besonders freuen, denn das große Feature-Feuerwerk findet diesmal auch und besonders für Kubuntu statt. Erstmals wird Kubuntu 15.04 nämlich KDE Plasma 5 enthalten, das in der Open-Source-Community als echter Meilenstein des KDE-Projekts gilt.

KDE Plasma 5

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Zeiten, in denen „KDE“ nur die Desktop-Umgebung des Projekts bezeichnete. Bis vor wenigen Jahren etwa installierte man „KDE 4“ und erhielt damit einen vollständigen Desktop. Dem KDE-Projekt war diese Regelung am Ende zu starr, denn es war für einheitliche Release-Zyklen viel zu groß geworden. Man teilte den KDE-Desktop deshalb in mehrere Projekte auf, eines davon wurde Plasma. In der KDE-Sprache bezeichnet Plasma die grundlegenden Tools, die für den Betrieb der Desktop-Umgebung zwingend notwendig sind. Kam Kubuntu 14.10 noch mit Plasma in Version 4 (Abbildung 1), gehört zu Kubuntu 15.04 erstmals das neue, schickere Plasma 5 (Abbildung 2). Für Nutzer hat das gleich mehrere Auswirkungen.

Abbildung 1: Kubuntu 14.10 nutzt noch KDEs Plasma 4, so dass Ihnen dieser Anblick vermutlich bekannt vorkommt.
Abbildung 1: Kubuntu 14.10 nutzt noch KDEs Plasma 4, so dass Ihnen dieser Anblick vermutlich bekannt vorkommt.
Abbildung 2: Kubuntu 15.04 setzt auf Plasma 5. Der Desktop wirkt frischer und ist deutlich flinker als der Vorgänger.
Abbildung 2: Kubuntu 15.04 setzt auf Plasma 5. Der Desktop wirkt frischer und ist deutlich flinker als der Vorgänger.

Einerseits wirkt KDE durch Plasma 5 optisch ganz anders, als es beim Vorgänger der Fall war. Die KDE-Entwickler haben ein dezenteres Theme bei der neuen Version implementiert, der Desktop wirkt weniger verspielt. Auf der anderen Seite macht sich Plasma 5 auch dadurch bemerkbar, dass es unter der Haube fast vollständig neu programmiert wurde. Software-Entwickler nutzen solche „Rewrites“, um den Ballast loszuwerden, den Software im Laufe ihres Lebens ansammelt. Das lässt sich beinahe nie vermeiden: Wenn die Entwickler großer Umgebungen wie KDE an ihren Projekten arbeiten, treffen sie verschiedene Programmierentscheidungen auf Verdacht. In den meisten Fällen stellen sich diese als richtig heraus, manchmal aber eben auch nicht. Im weiteren Verlauf des Projekts machen die Autoren der Programme dann Kompromisse, um ihre ursprünglichen Fehlannahmen auszugleichen. Im Zuge von Rewrites beginnt das Spiel von vorne, wobei die Erfahrungen der vergangenen Jahre einfließen.

Schnelleres Qt

Eine grundlegende Programmierentscheidung bei KDE 4 war etwa, den Desktop auf Qt 4 basieren zu lassen. Qt [2] ist die Grafikbibliothek, die KDE das Zeichnen verschiedener Bildschirmelemente ermöglicht. KDE 5 basiert auf Qt 5, nutzt aber nicht die „große“ Qt-Bibliothek, sondern eine reduzierte Version. Weil nicht mehr Qt sondern QtQuick [3] zum Einsatz kommt, schleppt der Desktop insgesamt weniger Ballast mit sich herum. Besonders die Nutzer von langsamen Systemen freuen sich: Plasma 5 ist viel flinker als sein Vorgänger. Und auch wer einen flotten Rechner sein Eigen nennt, profitiert: Auf schnellen Systemen macht sich QtQuick zumindest dadurch bemerkbar, dass der Desktop weniger Ressourcen verbraucht als vorher. Für KDE-Benutzer ist Kubuntu 15.04 damit im Grunde automatisch attraktiv: Weniger Ressourcenverbrauch, bessere Performance und eine hübschere Arbeitsumgebung sind definitiv schlagende Argumente.

Zusammen mit dem neuen Plasma-Framework haben die Kubuntu-Entwickler auch die anderen Teile der KDE Software Compilation (KDE SC) aktualisiert, so dass Sie als Anwender von Kubuntu in Version 15.04 eine „frische“ Desktop-Erfahrung genießen. Der Test der Alpha-Version 2 machte jedenfalls schlagartig Lust auf mehr.

Neuer Bluetooth-Stack

Ubuntu 15.04 wird keine „LTS“-Version sein. LTS steht für „Long Term Stable“ und bezeichnet eine Version, die durch Canonical besonders lange mit Updates versorgt wird. LTS-Versionen sind deshalb eher konservativ und sorgen sich mehr um Stabilität statt um neue Features. Für Ubuntu 15.04 gilt im Umkehrschluss: Weil die Entwickler Fehler in Ubuntu 15.04 nicht fünf Jahre lang beheben müssen, sind sie deutlich experimentierfreudiger. Das macht sich beispielsweise beim Bluetooth-Stack bemerkbar. Ubuntu 15.04 wird auf die Bluetooth-Werkzeuge BlueZ [4] in Version 5 setzen; andere Distributionen nutzen BlueZ 5 bereits seit Längerem.

Anwender dürfen durch BlueZ 5 auf verbesserten Support von mobilen Geräten hoffen. Auch nennt Canonical zuverlässige Funktionalität ausdrücklich als Ziel. Im Test klappte der Transfer einzelner Dateien via Bluetooth zuverlässig, doch freilich lässt das noch keine Rückschlüsse auf das fertige Produkt zu.

Ein neues Init-System

Wenn Sie das Linux-System auf Ihrem Computer starten, passiert im Hintergrund so einiges. Bis Sie den gewohnten Login-Screen sehen, startet etwa der Kern des Systems („Kernel“) und übergibt kurz danach die Kontrolle an einen Dienst, der „Init“ heißt und z. B. diverse Hintergrunddienste startet. Init kommt auf Linux-Systemen also eine zentrale Rolle zu, denn ohne ein funktionierendes Init-System ist es in der Regel unmöglich, die grafische Oberfläche zu starten. Kubuntu 15.04 bekommt ein neues Init-Systems: Systemd löst das bisher verwendete Upstart ab. Theoretisch sollten Sie als Anwender von dieser Umstellung nichts merken, denn die meiste Arbeit verrichtet Systemd wie sein Vorgänger still und leise im Hintergrund. Die Änderung ist allerdings umfangreicher, als es auf den ersten Blick scheint.

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1 Kommentar auf "Kubuntu 15.04 im Vorab-Test"

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Auch wenn Plasma 5 bis auf ein paar Hänger wirklich zuverlässig läuft muss ich vor dem neuen (und von der Treiberverwaltung empfohlenen) Nvidia Grafiktreiber warnen. Nach gewisser Zeit erkennt die Plasmashell und X11 keinen Bildschirm mehr.

Ich empfehle den bereits bei 14.04 empfohlenen Grafiktreiber v3.04? zu verwenden.