Aus EasyLinux 01/2015

Das beste Einsteiger-Linux mit KDE

Grün hat Vorfahrt

Drei aktuelle Distributionen mit dem KDE-Desktop in Version 4.14 treten gegeneinander an: Welche ist am besten für Linux-Einsteiger geeignet – OpenSuse 13.2, Kubuntu 14.10 oder Linux Mint 17 KDE?

Noch vor einigen Jahren war eine neue Hauptversion von Suse Linux für die Linux-Gemeinschaft ein wichtiges Ereignis: Suse war lange Zeit Trendsetter und die beliebteste Distribution für Desktop-Nutzer und Linux-Einsteiger. Diese Rolle hat Suse zwar spätestens mit dem Erfolg von Ubuntu abgegeben, schaut man aber nur auf KDE-Systeme, gehört das OpenSuse-Projekt immer noch zu den wichtigsten Vertretern.

Dass OpenSuse nicht mehr die Nummer Eins in der Gunst der Desktop-Nutzer ist, hat viele Gründe, unter anderem das große Angebot ähnlich guter Distributionen und die schwindende Bedeutung des Konfigurationswerkzeuges YaST, das früher ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal war.

Die Kandidaten

Die nun vorliegende Version 13.2 von OpenSuse [1] ist trotz des ursprünglich geplanten Acht-Monats-Rhythmus‘ wie schon OpenSuse 13.1 erneut erst nach fast einem Jahr Entwicklungszeit erschienen. Kubuntu 14.10 [2] ist wie üblich zeitgleich mit der aktuellen Ubuntu-Version 14.10 im Oktober 2014 veröffentlicht worden und bringt für eine reguläre Ubuntu-Release (keine LTS-Version) untypisch fast keine strukturellen Änderungen gegenüber der aktuellen LTS-Version 14.04. Linux Mint 17 [3], alias „Qiana“ ist dagegen im Auslieferungszustand softwaretechnisch auf einem rund vier Monate älteren Stand. Mit Version 17 haben die Mint-Entwickler ihre Release-Politik geändert: Während es bislang zu jeder neuen Ubuntu-Version (also zweimal im Jahr) auch eine Mint-Release gab, erscheint eine neue Mint-Hauptversion nun lediglich bei einer LTS-Version von Ubuntu. Daher wird Linux Mint 17 Qiana von den Entwicklern im Unterschied zu Kubuntu 14.10 fünf Jahre lang mit Updates versorgt. Nutzer von Kubuntu 14.10 dagegen erhalten nach Ablauf von sechs Monaten nur noch Sicherheitsaktualisierungen. OpenSuse kommt bei einem Veröffentlichungszyklus von acht Monaten auf eine Lifetime von 18 Monaten, die sich aus zwei Ausgaben zuzüglich zwei Monaten Überlappung berechnet.

Wegen der traditionellen Nähe zwischen OpenSuse und den KDE-Entwicklern ist davon auszugehen, dass das OpenSuse-Team innerhalb der gesamten Lifetime, also über den aktuellen Veröffentlichungszyklus hinaus, Fehlerkorrektur-Updates für KDE ausliefert.

Dieser Artikel richtet sich primär an Privatnutzer und widmet sich vorrangig der Alltagstauglichkeit und Einsteigerfreundlichkeit der drei Kandidaten mit KDE-Desktop. Wie Sie OpenSuse 13.2 und Kubuntu 14.10 installieren, lesen Sie in der Artikeln ab Seite 28 bzw. Seite 34; die 64-Bit-Versionen dieser beiden Distributionen finden Sie auf der Heft-DVD.

KDE intern

Wünschen Sie sich in erster Linie ein stabiles Arbeitsplatzsystem, sind Sie mit dem 14. KDE-Haupt-Update in mehrfacher Hinsicht bestens bedient. Der Grund: KDE 4 besteht aus den drei wesentlichen Einzelkomponenten „KDE Platform“, „KDE Applications“ und „KDE Workspaces“. Bisher wurden alle drei unter der Bezeichnung KDE Software Collection stets gemeinsam veröffentlicht, obwohl KDE-intern seit längerer Zeit verschiedene Teams an der Weiterentwicklung arbeiten.

Mit der Freigabe der KDE-Hauptversion 4.14 im Sommer 2014 haben die KDE-Entwickler das monolithische Veröffentlichen der KDE SC aufgegeben. Nachdem die Entwicklung der KDE Workspaces bereits mit der Version 4.11 eingefroren wurde, gelten KDE Applications 4.14 und KDE Platform 4.14 als letzte Veröffentlichungen des vierten Zyklus vor dem Wechsel zu Version 5. Für KDE 4.14 sind nur noch Fehlerkorrekturen vorgesehen. Zum Redaktionsschluss wurde das Minor-Update 4.14.3 ausgeliefert. Einige weitere werden noch kommen, ein KDE 4.15 wird es aber nicht mehr geben.

Dass die aktuelle KDE-Version also kurz vor dem Ende ihrer Lifetime steht, werten wir als Vorteil, denn einen ausgereifteren Linux-Desktop werden Sie nicht finden. Da zudem alle drei Kandidaten spätestens nach dem ersten System-Update KDE-technisch auf einem vergleichbaren Softwarestand sein dürften, lässt sich als Vorabfazit jetzt schon festhalten, dass die Unterschiede im Detail liegen. Das betrifft zum Beispiel die Frage, wie gut KDE mit der jeweiligen Distribution integriert ist, ob eine unveränderte oder vorkonfigurierte bzw. angepasste KDE-Version ausgeliefert wird oder bis wann Sie mit Fehlerkorrekturen und Sicherheitsupdates für KDE versorgt werden.

OpenSuse 13.2

Trotz der langen Entwicklungszeit – die Dreizehn hat bei OpenSuse nichts mit dem Erscheinungsjahr zu tun – wartet die neue OpenSuse-Version im Wesentlichen mit Software-Aktualisierungen auf und bringt strukturell nur wenige Änderungen gegenüber Version 13.1. Da wir unser Augenmerk vor allem auf die Alltags- und Einsteigerfreundlichkeit richten, verweisen wir, was die Versionsnummern wichtiger Pakete und Komponenten betrifft, auf die Release-Notes [3] und das Change-Log. Sie können aber davon ausgehen, dass Ihnen OpenSuse ein topaktuelles System mit einem Kernel 3.16.6 und einem KDE-Desktop auf dem aktuellsten Stand 4.14 zur Verfügung stellt.

Beim Installieren ist der KDE-Desktop standardmäßig vorausgewählt. Wenn Sie neugierig auf die kommende KDE-Version 5 sind, können Sie nach (nicht während) der Grundinstallation mit YaST Preview-Versionen von Plasma 5 und KF 5 installieren. Neben dem OpenSuse-spezifischen Linux-Konfigurationswerkzeug YaST zählt die detailverliebte KDE-Integration zu den besonderen Merkmalen von OpenSuse. Eine gerade für Einsteiger nicht ganz unproblematische Besonderheit von OpenSuse 13.2 besteht zudem darin, dass nun per Voreinstellung das Dateisystem Btrfs (siehe Artikel ab Seite 94) für die Systempartition und XFS für die Home-Partition verwendet wird. Sicher sind beide gegenüber Ext4 die moderneren Dateisysteme. Solange Sie aber keine Datenmengen in Big-Data-Dimensionen bewältigen müssen, ist das ausgereifte Ext4 für Einsteiger die bessere Wahl, denn Btrfs macht extensiven Gebrauch von Btrfs-Subvolumes, was beim Verwenden von Befehlen wie df -h zu einer unübersichtlichen Darstellung führt, die Einsteiger eher verunsichert. (Bei Subvolumes handelt es sich um eine Art virtuelles Dateisystem innerhalb von Btrfs.) Ferner gibt es für die Pflege des Dateisystems für Ext4 eine größere Auswahl gut funktionierender Tools.

Linux Mint 17 „Qiana“ KDE-Edition

Linux Mint 17 ist die erste Release, nachdem die Entwickler ihr Veröffentlichungsschema geändert haben, und wie Ubuntu 14.04 eine offizielle LTS-Release, bisher einmalig für das Mint-Projekt. Somit wird Quina von den Mint-Entwicklern bis mindestens 2019 mit Updates versorgt. Da ist es zu verschmerzen, dass im Auslieferungszustand noch KDE 4.13 installiert wird. Der Kernel ist noch auf dem Stand 3.13.0. Bis 2016 sollen dann auch Zwischenversionen von Linux Mint auf Ubuntu 14.04 LTS basieren. So ist kurz vor Redaktionsschluss die Version 17.1 (Rebecca) mit aktualisierter Softwareausstattung erschienen, allerdings nur in der Cinnamon- und Mate-Variante.

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