Aus EasyLinux 04/2014

Know-how für die Kommandozeile

Shell-Tipps

Erfahrene Linux-Nutzer schwören auf flexible Kommandozeilentools, mit denen sie manche Aufgabe schneller bewältigen als in grafischen Programmen. Wir stellen interessante Anwendungen und Aufrufparameter vor, um auch Einsteiger zu einem Ausflug in die Shell zu ermutigen.

Tipp: Einzelne Dateien mit „wget“ herunterladen

Der Downloadmanager für die Shell überträgt Daten aus dem WWW auf Ihren eigenen Rechner. Um eine einzelne Datei herunterzuladen, geben Sie deren URL hinter dem Befehl wget an (Abbildung 1). In der Ausgabe sehen Sie, dass das Programm zunächst den Hostnamen in eine IP-Adresse umwandelt, dann Verbindung aufnimmt, eine Anforderung an den Webserver schickt und schließlich den Download startet. Ein Fortschrittsbalken zeigt an, wie viele Daten schon auf die eigene Platte gewandert sind.

Abbildung 1: Mit dem Kommandozeilentool "wget" laden Sie komfortabel Dateien aus dem WWW herunter.
Abbildung 1: Mit dem Kommandozeilentool „wget“ laden Sie komfortabel Dateien aus dem WWW herunter.

Tipp: Rekursiv spiegeln mit „wget“

Das Tool lädt nicht nur einzelne Dateien herunter, sondern spiegelt auf Wunsch eine komplette Webseite mit allen Inhalten, Unterverzeichnissen, Bildern usw. Zum Einsatz kommt dabei die Option -r (rekursiv), die Sie auf Wunsch begrenzen können. Setzen Sie über wget -r -l1 den Level der Rekursion auf 1, so wandern neben der Startseite auch die dort eingebetteten Links auf den eigenen Rechner. Dazu gehören dann beispielsweise Bilder oder Unterseiten. Definieren Sie hingegen -r -l2, dann folgt wget den Verknüpfungen noch eine Stufe weiter. Praktisch ist in diesem Zusammenhang auch der Parameter -k, der externe Links nach dem Herunterladen in interne umwandelt, damit Sie den gespiegelten Inhalt auch offline im Browser betrachten können.

Tipp: „wget“: User-Agent vorgeben

Einige Webseiten blockieren wget als Downloadmanager, und beim Versuch, etwas herunterzuladen, erhalten Sie vom Webserver eine Meldung wie diese hier:

HTTP request sent, awaiting response... 403 Forbidden

Eine solche Blockierung können Sie mit dem Kommandozeilentool schnell umgehen, denn es erlaubt, per Parameter den User Agent zu definieren. Dazu hängen Sie die Zeichenkette, die diesen beschreibt, hinter den Parameter --user-agent=; schließen Sie diese in doppelte Hochkommata ein, z. B.:

wget --user-agent="Opera/8.52 (X11; Linux i386; U; de) " ...

Eine Liste von allen User Agents aus der Kategorie Webbrowser finden Sie unter [1].

Tipp: Mutt: Übersichtliche Mailbox dank Farben

Elektronische Post von Ihrem Chef und den Kollegen hätten Sie gerne in strahlendem Pink? Die EasyLinux-Mailinglisten [2] sollen gelb leuchten? Nichts leichter als das – den Textmailer Mutt können Sie so konfigurieren, dass er eingehende Post bewertet und Punkte an Mails verteilt, wenn sie ein bestimmtes Kriterium erfüllen. Abhängig von dieser Punktzahl markiert Mutt dann die Nachrichten mit unterschiedlichen Farben. Wir zeigen in der folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie Post einfärben, die von einer bestimmten Domain kommt oder die an eine Mailadresse wie ubuntu@easylinux.de geht:

  1. Öffnen Sie die Konfigurationsdatei des textbasierten Mailclients (~/.muttrc) in einem Texteditor Ihrer Wahl, z. B. in GEdit oder KWrite.
  2. Fügen Sie an einer beliebigen Stelle der Datei das folgende Statement ein, um alle Punkte zunächst auf Null zu setzen:

    unscore *
    
  3. Jetzt vergeben Sie Punkte nach bestimmten Mustern. Der Ausdruck ~f prüft beispielsweise, ob die Mail von einem bestimmten Absender stammt. Um Mails von der Domain linuxnewmedia.de 35 Punkte zuzuweisen, tragen Sie diese Zeile ein:

    score '~f @linuxnewmedia\.de' 35
    

    Der gesamte Ausdruck ist in einfache Hochkommata eingeschlossen, da er Leer- und Sonderzeichen enthält. Beachten Sie außerdem den Backslash vor dem Punkt, den Sie über [AltGr]+[ß] erreichen.

  4. Um alle Nachrichten mit 45 Punkten zu bewerten, die an die Adresse ubuntu@easylinux.de (die EasyLinux-Mailingliste, die sich mit Themen rund um Ubuntu und Debian beschäftigt) geschickt wurden, tragen Sie eine weitere Zeile ein:

    score '~C ubuntu@easylinux\.de' 45
    

    Anstelle von ~f kommt hier das Muster ~C zum Einsatz, das nicht den Absender, sondern den Empfänger anspricht. Er darf entweder im To:– oder im CC:-Feld stehen.

  5. Jetzt weisen Sie den Punktzahlen Farben zu. Dazu definieren Sie jeweils hinter dem Pattern ~n einen Bereich mit einem Minimal- und Maximalwert. Diese beiden Zeilen färben Mails leuchtend pink ein, die zwischen 31 und 40 Punkten haben, und leuchtend gelb, wenn die Zahl zwischen 41 und 50 Punkten liegt:

    color index brightmagenta default '~n 31-40'
    color index brightyellow default '~n 41-50'
    
  6. Speichern Sie die Änderungen und schließen Sie den Texteditor. Wenn Sie Mutt das nächste Mal starten, erwartet Sie ein Index mit neuem Look und auffälligen Farben (Abbildung 2).

    Abbildung 2: Farben bringen mehr Übersicht in den Mutt-Index. Dienstliche Mails erscheinen in diesem Beispiel pink und Post an die EasyLinux-Mailinglisten gelb.
    Abbildung 2: Farben bringen mehr Übersicht in den Mutt-Index. Dienstliche Mails erscheinen in diesem Beispiel pink und Post an die EasyLinux-Mailinglisten gelb.

Tipp: Weitere Muster für Mutt

Die im letzten Tipp gezeigten Muster können Sie auch für das automatische Markieren (Tagging) oder die Suchfunktion (/ für vorwärts, [Esc] und / für rückwärts) verwenden. Mutt kennt eine ganze Reihe von Patterns, die das Handbuch in Kapitel 4 im Abschnitt 4.2 auflistet [3]. So erwischen Sie mit ~A alle Nachrichten, mit ~N nur neue Mails, mit ~O nur alte, ~R meint gelesene und ~Q beantwortete. Für das Einfärben interessant sind eventuell noch ~s (Subject, also Betreff), ~g (PGP-signiert) und ~G (PGP-verschlüsselt).

Tipp: Mutt: Eigene Antwortzeile einrichten

Wenn Sie auf eine Mail antworten und das Original einbinden und zitieren, fügt Mutt am oberen Rand eine Zeile wie die folgende ein:

On Thu, Jul 31, 2014 at 09:04:38PM +0200, Heike Jurzik wrote:

Hinter dem Datum und der Uhrzeit steht der Name des Verfasses, dahinter das englische Wort „wrote“ („schrieb“), ein Doppelpunkt, und dann folgt die zitierte Nachricht.

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