Aus EasyLinux 04/2014

Buch-Tipps für Linux-Einsteiger

© luxuz::., photocase.com

Linux erlesen

Trotz E-Book, Kindle und Internet: Das gute alte Buch hat selbst im Computerumfeld nicht ausgedient. Der Markt an Linux-Titeln hat sich aber in den letzten Jahren extrem konsolidiert. Was schlecht für Verlage und Autoren ist, erleichtert Ihnen die Auswahl.

Keine Frage: Bücher und Zeitschriften stehen im Bereich der Special-Interest- und Fachpublikationen in Konkurrenz. Trotzdem möchten wir Ihnen folgende von uns sorgfältig vorausgewählte Titel zur Begleitung Ihres Linux-Einstiegs ans Herz legen. Auch wenn Sie aktuelle, substanzielle Informationen und Hilfe am besten aus EasyLinux sowie aus unserem umfangreichen Archiv beziehen, hat ein gut gemachtes Buch seine Daseinsberechtigung, sei es als Motivationsförderer beim Schmökern im Zug oder Schwimmbad oder als Nachschlagewerk neben dem Schreibtisch. Apropos E-Books: In keiner anderen Branche haben sich diese so früh und flächendeckend durchgesetzt wie in der IT, doch Papier vermittelt für viele Nutzer neben einem gewissen Retro-Charme oft eine höhere Wertigkeit und motiviert allein durch den Besitz dazu, sich intensiv mit den gebotenen Informationen auseinanderzusetzen. Darüber hinaus ist es unter Didaktikern kein Geheimnis, dass ein abgetippter Befehl viel eher im Langzeitgedächtnis haften bleibt als ein per Copy & Paste kopierter – letzterer nämlich gar nicht.

Um sich bei Ihrer Auswahl nicht allein auf die Bewertung in diesem Artikel stützen zu müssen, präsentieren wir Ihnen auf unserer Heft-DVD Probekapitel zu allen hier besprochenen Titeln.

Linux (Kofler)

Der Kofler gilt mit seinen nunmehr 1435 Seiten als Bibel der Linux-Nutzer. Die erste Auflage erschien bereits 1996 beim damals noch von Pearson unabhängigen Addison-Wesley-Verlag, und die Jubiläumsausgabe des von Kofler laufend aktualisierten Werks kam 2006 in der damals siebten Auflage auf den Markt. 2013 gab Pearson für viele Brancheninsider völlig überraschend bekannt, in der Vermarktung der IT-Literatur keine Zukunft mehr zu sehen, und fuhr das Angebot an PC-Literatur der Marken Addison-Wesley und Markt+Technik von heute auf morgen auf Null zurück. Falls Sie sich für die Hintergründe interessieren, finden Sie auf der Homepage von Michael Kofler [1] eine lesenswerte Stellungnahme zum Thema.

Der Begleiter in allen Lebenslagen

Das Kofler-Buch wechselte dann noch im selben Jahr zu Galileo Press, wo das Linux-Standardwerk seit Oktober 2013 in erster Auflage 2014 in völlig überarbeiteter und aktualisierter Form mit satten 43 Kapiteln erscheint. Kofler richtet sich traditionell gleichermaßen an Einsteiger und Profis. Streng genommen ist das Buch didaktisch so konzeptioniert, dass es den Einsteiger vom ersten Tag in seiner Entwicklung zum Profi begleitet, allein aufgrund seines schwergewichtigen Formates aber auch als immer griffbereites Nachschlagewerk dient. Mit seinen rund 2,4 kg eignet sich der Kofler dagegen weniger fürs Schwimmbad.

Inhaltlich gibt es den zahlreichen positiven im Netz verfügbaren Rezensionen wenig hinzuzufügen. Für Sie als Einsteiger ist wichtig: Der promovierte Linux-Experte ist seit vielen Jahren als Fachbuchautor tätig, was sich bei diesem Buch in vielfältiger Weise widerspiegelt. Das gilt nicht nur für den Schreibstil und das fachliche Know-how. Vor allem Koflers praktischer Hintergrund schlägt sich in zahlreichen Details nieder. So behandelt er nicht nur allgemeingültiges Linux-Wissen, sondern geht ganz konkret auf die spezifischen Besonderheiten von Ubuntu und OpenSuse (den von EasyLinux unterstützten Distributionen) sowie Debian, Red Hat Enterprise Linux, CentOS und Fedora ein. Auch zeitnahe Entwicklungen, wie die neuen Anwendungsmöglichkeiten von Linux etwa im Zusammenhang mit einem Raspberry Pi werden berücksichtigt.

Besonders hervorzuheben ist die gebotene Aktualität: wenn man weiß, wie Computerbücher im Allgemeinen entstehen und wie der Produktionsprozess funktioniert, muss man davon ausgehen, dass der Autor sehr nah am Puls der aktuellen Entwicklungen ist und darüber hinaus vorausschauend schreibt.

Praxisnah

Trotz der im hinteren Teil durchaus anspruchsvollen Themen, die unter anderem auch den Servereinsatz behandeln, werden Sie als Einsteiger mit dem Werk auf lange Strecken nicht überfordert sein. Besonders erwähnenswert sind Praxiskapitel, in denen Kofler anhand von Szenarien konkrete Troubleshooting-Handreichungen aufzeigt. Neben einer ausführlichen Einführung in die wichtigsten Desktop-Umgebungen gibt es auch einen umfangreichen Teil, der sich ausschließlich populären Anwendungen widmet. Aber auch dieser Teil wird nicht isoliert betrachtet, sondern anhand konkreter Praxisszenarien. So erfahren Sie etwa im Multimedia-Kapitel nicht nur, mit welchen Gnome- oder KDE-Anwendungen Sie DVDs brennen, Videos anschauen oder Audioaufnahmen erstellen, sondern werden durch Praxisbeispiele von den elementaren Grundlagen im Bereich Multimedia zu einem funktionierenden Workaround geführt.

Generell ist das Buch nach Nutzungsszenarien gegliedert, also Desktop, Server oder Administration. Dazu gibt es einen komplett eigenen Buchteil zum Thema Sicherheit und im Bereich Desktop-Nutzung separate Kapitel über die Virtualisierungslösung VirtualBox und den Raspberry Pi. Eine effizientere und gleichsam unterhaltsamere Nachtlektüre zum Thema gibt es nicht. Daher zitieren wir an dieser Stelle gern ein Fazit unserer Schwesterzeitschrift Linux-Magazin: „Dürfte man einem Linux-Einsteiger nur ein einziges Buch in die Hand drücken, sollte es der Kofler sein.“

Ubuntu 14.04 LTS (Fischer)

Der Titel „Ubuntu 14.04 LTS“ von Marcus Fischer befasst sich ausschließlich mit der aktuellen Langzeit-Release von Ubuntu. Der Autor [2] arbeitet als Physiker an der Universität Hamburg und hat als Linux-Experte ebenfalls bereits viele Bücher zum Thema geschrieben.

„Ubuntu 14.04 LTS“ ist wie Koflers „Linux“ kein reines Einsteigerbuch, sondern behandelt auch den Servereinsatz und das Thema Virtualisierung, aber nur auf Basis von Ubuntu. Auch dieser Schinken bringt es auf rund 1100 Seiten und eignet sich daher ebenfalls kaum für unterwegs. An Quantität und Qualität der gebotenen Informationen gibt es nichts auszusetzen, der Autor braucht aber eine ganze Weile, bis er aus Sicht des erwartungsvollen Einsteigers zur Sache, also zum Installieren von Ubuntu kommt. Die klassische Linux-Abstammungslehre findet sich immerhin auch in anderen Werken. Dafür finden Leser, die sich aus Überzeugung ganz und gar für Ubuntu entschieden haben eine lückenlose Aufbereitung der Ubuntu-Geschichte ab Version 4.10 (Warty Warthog) samt sämtlicher Besonderheiten, Designentscheidungen und Randanekdoten. Das ist sicher amüsant und lesenswert, zum Installieren einer aktuellen Ubuntu-Version aber nicht zwingend erforderlich. Anderseits ist der Blick auf historische Designentscheidungen ganz nützlich, um die eine oder andere Besonderheit von Ubuntu im Lichte der strategischen Ziele des Ubuntu-Sponsors besser zu verstehen.

Desktop-Virtualisierung

Das Kapitel zur Desktop-Virtualisierung erweckt falsche Erwartungen, weil es hier nicht um Enterprise-VDI-Lösungen (Virtual-Desktop-Infrastruktur) geht, sondern um Virtualisierungslösungen für den Desktop, wie z. B. VirtualBox. Das ist aber gerade für Linux-Einsteiger und -Nutzer ohnehin das interessantere Thema. Warum dazu allerdings zunächst alle erdenklichen Virtualisierungstechnologien erläutert werden, weiß allein der Autor, zumal im Gegensatz zu Koflers „Linux“ der im Linux-Kernel enthaltene KVM-Hypervisor nicht behandelt wird. Auch das muss Einsteiger aber nicht weiter stören.

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