Aus EasyLinux 01/2014

Mit Kdenlive Video-Tutorials erstellen

Video-Tutor

Wollen Sie Ihre Computerkenntnisse anderen Anwendern vermitteln, können Sie ein Video-Tutorial erstellen. Mit den richtigen Programmen nehmen Sie die Aktionen auf dem Desktop und Ihre eigenen Kommentare auf.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – wohl jeder hat diesen Satz schon mal gehört. Auch wenn er etwas abgedroschen ist, stimmt er: Als Leser von EasyLinux wissen Sie, dass die bildliche Darstellung eines ganz bestimmten Werkzeugs oft erst den Ausschlag gibt, sich das Programm genauer anzuschauen – oder auch nicht. Was für Screenshots gilt, trifft auf bewegte Bilder noch viel mehr zu: Ein fünfminütiges Video gibt dem Betrachter manchmal mehr Einblick in ein Thema, als es ein fünfseitiger Artikel vermag. Genau deshalb boomen Trainingsvideos: Bei ihnen beschäftigt sich der Trainer im Video mit einem spezifischen Thema; neben dem vorgetragenen Text ist auch der Desktop des Trainers zu sehen, so dass die Zuschauer schnell erfassen, was gerade passiert.

Professionelle Trainingsvideos benötigen allerdings viel Vorbereitung und sind entsprechend teuer in der Produktion. Wenn Sie nicht den Anspruch haben, mit Profiprodukten mitzuhalten, finden Sie unter Linux alle nötigen Werkzeuge, um eigene Tutorials zu erstellen.

Wir erläutern am Beispiel des KDE-Programms Kdenlive, wie Sie eine Desktopaufnahme nicht nur herstellen, sondern diese im Anschluss auch so zuschneiden, dass sie Ihren Wünschen entspricht und zur Weitergabe taugt. Der Einsatzzweck muss dabei nicht auf Schulungen beschränkt sein. Wer z. B. einfach ein selbst geschriebenes Programm oder eine eigens konstruierte Funktion in LibreOffice präsentieren möchte, der profitiert von den Screencasts genauso.

Vorbereitungen: Hardware

Für Desktopaufzeichnungen gilt eine goldene Regel: Durch sorgfältige Vorbereitung wird die Arbeit leichter und das Resultat besser. Sich in das Aufnahme- und Schnittprogramm Kdenlive einzuarbeiten, ist nur die eine Hälfte der Arbeit; die andere Hälfte besteht darin, sich die richtige Aufnahmeumgebung zu schaffen. Dazu gehört im Wesentlichen Folgendes: ein brauchbares Mikrofon, der richtige Ort und – falls auch ein Bild des Vortragenden im Video erscheinen soll – eine passende Kamera.

Das A & O ist freilich das Mikrofon. Von ihm hängt maßgeblich ab, wie die Sprachqualität des Videos ausfällt. Hier ist durchaus Vorsicht geboten, was integrierte Mikrofone von Notebooks angeht: Zwar verfügt jedes neue Notebook mittlerweile über ein eingebautes Mikrofon, doch die Qualität, die sich mit diesen Mikrofonen erreichen lässt, ist begrenzt. Oft genug sind diese Mikrofone nämlich in den Gehäusedeckel eingelassen, so dass sie zwar bequem in Reichweite des Notebooknutzers stehen und dieser sich nicht verrenken muss, um ins Mikrofon zu sprechen. Kritisch ist aber, dass die direkte Nähe zum CPU- und – falls vorhanden – Grafikkartenlüfter die Aufnahmen verdirbt: Statt klarem Sound herrscht dann Maschinenraum-Atmosphäre, und die Mühe war vergebens. Hinzu kommt, dass die Gehäusemikrofone auch Umgebungsgeräusche mit aufzeichnen, und je weniger die Stimme des Vortragenden im Vordergrund steht, desto unangenehmer gestaltet sich das Zuhören. Also: Wer Screencasts erstellen möchte, der nutzt dafür am besten ein externes Mikrofon.

Externes Mikrofon

Beim Kauf eines Mikrofons ist zu beachten, dass nicht alle Geräte perfekt mit Linux zusammenarbeiten. Wer einen Desktop-PC oder ein Notebook mit eigener Mikrofonbuchse (3,5-mm-Anschluss) hat, ist fein raus und greift zu einem Mikrofon mit diesem Stecker. Für Desktopaufnahmen empfehlen sich dabei leichte Headsets wie das CS499 von Hama, das für 8 Euro zu haben ist und trotzdem brauchbare Resultate erzielt. Der Vorteil der 3,5-mm-Anschlüsse ist, dass diese fast immer einwandfrei funktionieren, sofern Linux die Soundkarte unterstützt.

Schlechter sieht es bei USB-Headsets aus. Diese stellen zwar den Großteil der mittlerweile angebotenen Headsets dar, doch ob ein Gerät mit Linux klaglos zusammen arbeitet, lässt sich vorab kaum sagen. Der Autor selbst hatte unter Ubuntu z. B. mit USB-Headsets von Logitech wenig Erfolg. Im Zweifelsfall hilft vorab nur eine Suche per Google oder in der Dokumentation der eingesetzten Distribution.

Bleibt die Kamera: Falls das Video den Trainer zeigen soll, z. B. durch ein Overlay in einer der vier Ecken, so sollten Sie auf eine brauchbare Kamera achten. Die meisten erhältlichen USB-Kameras arbeiten unter Linux mittlerweile klaglos, das umfasst auch die HD-Kameras. Auch in Notebooks integrierte Geräte laufen meist gut. Wichtig ist für Videoaufnahmen, dass die Umgebung passt: Helle Umgebungen eignen sich deutlich besser als dunkle. Natürliches Licht ist zudem besser als Kunstlicht: Aufnahmen, die tagsüber entstanden sind, wirken immer besser als bei Lampenlicht aufgezeichnete.

Wenn Sie diese Hinweise beachten, sind Sie bestens gerüstet für Aufnahmen des eigenen Desktops.

recordMyDesktop & Kdenlive

Am komfortabelsten können Sie Screencasts unter Linux mit zwei Werkzeugen erstellen:

  • Mit recordMyDesktop (bzw. dessen GTK-Frontend gtk-recordMyDesktop) nehmen Sie das Geschehen auf dem Bildschirm samt Audiokommentaren auf,
  • und mit Kdenlive bearbeiten Sie anschließend die Aufnahmen, um überflüssige Ausschnitte zu entfernen. Kdenlive ist ein Video-Editor, der mit einer Vielzahl zusätzlicher Funktionen ausgestattet ist.

Sowohl recordMyDesktop als auch Kdenlive sind in allen aktuellen Distribution enthalten, so dass die Installation leicht ist. Zumindest unter OpenSuse ist aber noch nicht alles perfekt, denn hier fehlt aus lizenzrechtlichen Gründen das Werkzeug ffmpeg, das Sie brauchen, um qualitativ hochwertige Videos mit akzeptabler Dateigröße zu produzieren. Sie finden das Paket aber im PackMan-Repository (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gut zu erkennen: "ffmpeg" kommt aus dem PackMan-Repository und hilft Kdenlive dabei, HD-Formate zu nutzen.
Abbildung 1: Gut zu erkennen: „ffmpeg“ kommt aus dem PackMan-Repository und hilft Kdenlive dabei, HD-Formate zu nutzen.

Beginnen Sie mit der Installation von gtk-recordMyDesktop: Das Paket hat unter OpenSuse und Ubuntu den gleichen Namen (gtk-recordmydesktop), und über die Paketmanager der Distributionen lässt es sich direkt installieren.

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