Aus EasyLinux 04/2013

Software (Seite 2)

Bewertung

5 von 5 Sternen

Cheese – handliche Webcam-Software

Ohne die heute allgegenwärtigen, in den meisten mobilen Computern fest eingebauten Webcams hätte YouTube nie so viel Zuspruch gefunden. Mit Cheese lässt sich die Kamera unter Linux einfach nutzen.

Das Wort „Cheese“ sorgt bekanntlich für das bei Schnappschüssen unverzichtbare breite Grinsen. Deswegen liegt der Schluß nahe, dass es sich bei einem Programm namens Cheese [3] bloß um ein Programm für das Ablichten von Gesichtern handeln kann. Tatsächlich ist es die Standardanwendung für die Webcam-Aufnahmen unter Ubuntu. Sie steht aber auch für alle gängigen Distributionen zur Verfügung und funktioniert auch unter KDE.

Cheese schießt mit Hilfe der bei vielen mobilen Computern oberhalb des Bildschirms eingebauten Minikamera Einzelfotos und nimmt Videosequenzen auf. Dabei müssen Sie allerdings mit der aufgrund ihrer Winzigkeit stark weitwinkeligen Optik der eingebauten Webcams vorlieb nehmen, die der Eigenwahrnehmung nicht besonders schmeichelt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Name "Cheese" ist Programm: Wer die Webcam-Software benutzt, sollte immer lächeln, auch wenn die simple Netbook-Kamera wahre Schönheit zuweilen nicht optimal in Szene setzt.
Abbildung 4: Der Name „Cheese“ ist Programm: Wer die Webcam-Software benutzt, sollte immer lächeln, auch wenn die simple Netbook-Kamera wahre Schönheit zuweilen nicht optimal in Szene setzt.

Zerrbilder

„Da setzen wir doch noch eins drauf“, dachten sich die Programmentwickler deshalb und statteten ihre Software mit einer Reihe von Verzerrungs- und Verfremdungsfiltern aus (Abbildung 5).

Abbildung 5: Da die Weitwinkeloptik gängiger Webcams das Gesicht ohnehin verzerrt, kommt es auf ein paar Karikatureffekte mehr oder weniger auch nicht mehr an.
Abbildung 5: Da die Weitwinkeloptik gängiger Webcams das Gesicht ohnehin verzerrt, kommt es auf ein paar Karikatureffekte mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Seit es Cheese gibt (Anfang 2008), gelingen derlei Verunstaltungen auch unter Linux mit wenigen Mausklicks. Unter den Effekten finden sich etliche Verzerrungsfilter, die Gesichter live in Karikaturen verwandeln. Es gibt auch Farbfilter, die ein Schwarzweißbild, die Sepiatönung alter Fotos oder verfremdete Effekte, die wie ein Infrarotbild wirken, erzeugen. Für die meisten Effekte benötigt Cheese das Paket frei0r-plugins.

Abgesehen von der Videotelefonie [4], für die mobile Computer die Webcam in erster Linie vorhalten, sind noch weitere seriöse Anwendungen denkbar: Politiker wenden sich z. B. über Video-Blogs („Vlogs“) an das Volk. Selbstgedrehte Video-Tutorials, mit denen Anwender anderen ihre eigenen Fertigkeiten nahebringen, etablierten sich dank der omnipräsenten Webcams zu einer festen Gattung.

Bessere Optik

Glücklicherweise bleibt Cheese nicht auf die optisch eher mangelhaften Netbook-Kameras beschränkt: Die meisten Webcams und auch etliche professionelle Videokameras erkennt Linux inzwischen sofort nach dem Einstecken am USB-Anschluss. In den Cheese-Einstellungen gibt es einen Dialog zur Auswahl der für die Aufnahme genutzten Kamera. Dort stellen Sie auch Helligkeit, Kontrast, Farbtönung und Farbsättigung des Bildes ein. Das ist hilfreich, um z. B. den Farbstich einer künstlichen Beleuchtung auszugleichen. Einer Unterbelichtung steuern Sie damit freilich nur bis zu einem gewissen Grad entgegen, denn die lichtschwachen Minikameras erfassen bei zu geringer Helligkeit kaum noch Schattierungen. Ein Aufhellen per Software verwandelt dann ein einheitlich dunkelgraues Bild bloß in ein durchgehend hellgraues.

Außerdem erlauben es die Einstellungen, die Auflösung der Aufnahmen zu senken. Bei eingebauten Webcams ist sie zwar ohnehin nicht sehr hoch. Hilfreich ist die Funktion aber z. B., um Videobotschaften mit einer möglichst geringen Dateigröße per Mail zu versenden.

Catch me, if you can!

Das Programm bringt auch einen Selbstauslöser mit. Die Vorschau auf dem Bildschirm zeigt dabei die Zahl der Sekunden bis zur Aufnahme an. Auch zeitgesteuerte Serienaufnahmen beherrscht Cheese.

Die bisher gefertigten Aufnahmen zeigt die Software in einer Thumbnail-Leiste am unteren Fensterrand. Von dort exportieren Sie diese nach einem Rechtsklick mit Speichern unter in ein anderes Verzeichnis, löschen sie, versenden sie per Mail oder öffnen sie direkt im mit dem Dateityp verknüpften Programm.

Bilder speichert das Programm im JPEG-Format, Videos als VP8-komprimierte Webm-Dateien. Dieses Videoformat spielen viele Webbrowser auch ohne zusätzliches Plug-in ab. Alle Videoportale im Internet sollten darüber hinaus mit diesem sich schnell verbreitenden, weil soweit möglich patentfreien Format beim Upload klarkommen.

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