Aus EasyLinux 04/2013

Rollenspiel: Legend of Grimrock

Klassische Keilerei

Auf dem imposanten Berg Grimrock stoßen Wächter vier Sträflinge in eine tiefe Höhle. Sollten die Vier den Ausgang finden, so wird ihnen ihre Strafe erlassen. Dummerweise ist das bisher noch niemandem gelungen.

Im Rollenspiel Legend of Grimrock [1] steuert der Spieler vier Strafgefangene durch die weitläufigen Höhlen des Bergs Grimrock. Das Spiel orientiert sich dabei sichtlich an den alten Rollenspielen aus den 1990er Jahren, wie etwa dem berühmten Dungeon Master [2]. So blickt der Spieler aus der Sicht der Heldentruppe in die dunkle Unterwelt. Diese besteht ähnlich wie ein Fertighaus aus quadratischen Versatzstücken bzw. Spielfeldern. Auf Tastendruck marschiert die Gruppe immer von Feld zu Feld, drehen kann sie sich immer nur in 90-Grad-Schritten.

Haudraufwienix

Die Höhlen und Gänge bewohnen nicht nur merkwürdige Kreaturen, sie sind auch mit Fallen, Toren und anderen Hindernissen gespickt (Abbildung 1). Während man die Fallen durch das Lösen von Schalterrätseln entschärft und Türen mit gefundenen Schlüsseln aufsperrt, hilft bei feindlich gesinnten Monstern nur der Angriff. Die vier Helden stehen dabei in zwei Reihen (siehe die Anordnung rechts unten in Abbildung 2). Gegen ein heranwatschelndes Monster können nur die zwei vorderen einen Nahangriff ausführen, die hinteren müssen aus der Distanz einen Zauber aussprechen, Steine werfen oder mit Pfeil und Bogen schießen. Die Aufstellung der Helden darf der Spieler jederzeit ändern und so etwa Verletzten schnell in der hinteren Reihe eine kleine Pause verschaffen.

Abbildung 1: Um an das Objekt in der Nische im Hintergrund zu gelangen, müssen Sie die Falltür überwinden: Das geht eigentlich mit einem Tritt auf die weiße Bodenplatte. Einen Lösungshinweis geben die Schriftzeichen an der rechten Wand.
Abbildung 1: Um an das Objekt in der Nische im Hintergrund zu gelangen, müssen Sie die Falltür überwinden: Das geht eigentlich mit einem Tritt auf die weiße Bodenplatte. Einen Lösungshinweis geben die Schriftzeichen an der rechten Wand.
Abbildung 2: Die Schnecke ist zwar äußerst angriffslustig, besitzt aber zum Glück nur ihre Zähne als Waffe. Wie rechts unten in der Ecke zu sehen, würde sie daher dem Menschen und dem Minotaurus in der vorderen Reihe gefährlich.
Abbildung 2: Die Schnecke ist zwar äußerst angriffslustig, besitzt aber zum Glück nur ihre Zähne als Waffe. Wie rechts unten in der Ecke zu sehen, würde sie daher dem Menschen und dem Minotaurus in der vorderen Reihe gefährlich.

Krimskrams

Bevor sich die Helden verteidigen können, müssen sie ihre Waffen zunächst in den dunklen Gängen finden. Dort liegen auch noch allerlei weitere mehr oder wenige nützliche Gegenstände herum. So mildern Rüstungen gegnerische Treffer ab, während Heiltränke die Gesundheit wiederherstellen. Ausgebrannte Fackeln lassen sich hingegen nur noch unmotiviert den Monstern entgegenwerfen. Einige auf den ersten Blick nutzlose Objekte können Sie allerdings mit anderen kombinieren und beispielsweise aus mehreren Kräutern einen Heiltrank brauen.

Gefundene Gegenstände darf der Spieler aufheben und dann einem der vier Helden in die Hand drücken, in seinem Inventar verstauen oder ihm im Fall von Kleidung sogar anziehen. Wie im wahren Leben kann jeder Held nur eine begrenzte Menge mit sich herumtragen oder überstreifen – mehr als ein Helm passt nun einmal nicht auf den Kopf (Abbildung 3). Man muss sich folglich gut überlegen, welche Gegenstände man aufhebt und welche man zurücklässt.

Abbildung 3: Jeder Gegenstand besitzt ein Gewicht, dieser Held kann höchstens 63 Kilo tragen. Darüber hinaus machen ihn Angriffe hungriger. Es empfiehlt sich folglich, eifrig Nahrung zu sammeln.
Abbildung 3: Jeder Gegenstand besitzt ein Gewicht, dieser Held kann höchstens 63 Kilo tragen. Darüber hinaus machen ihn Angriffe hungriger. Es empfiehlt sich folglich, eifrig Nahrung zu sammeln.

Aufsteiger

Mit jedem besiegten Gegner gewinnen die Helden Erfahrungspunkte. Konnten sie davon genügend sammeln, steigen sie eine Erfahrungsstufe auf. Der Spieler kann dann gezielt die Fähigkeiten des Helden verbessern und ihn so etwa zu einem besonders geschickten Axtkämpfer ausbilden. Um Zaubersprüche aussprechen zu können, muss man zunächst in den Höhlen Schriftrollen und Runen finden. Letztere sind dann gemäß den Angaben auf der Schriftrolle zu kombinieren.

Den eigenen Heldentrupp darf man sich zu Beginn wahlweise vom Spiel zusammenstellen lassen oder selbst rekrutieren. Zur Auswahl stehen die drei Klassen Krieger, Magier und Gauner sowie die vier Rassen Mensch, Minotaurus, Echse und Insektenwesen. Die gewählte Kombination hat Auswirkungen auf die Fähigkeiten des jeweiligen Helden. So ist z. B. ein Minotaurus-Krieger ein besonders muskelstarker Nahkämpfer.

Abbildung 4: Sobald man an der Kette zieht, öffnet sich das Gitter. Das macht zwar den Weg frei, gleichzeitig befreit man damit aber auch das merkwürdige Baumwesen.
Abbildung 4: Sobald man an der Kette zieht, öffnet sich das Gitter. Das macht zwar den Weg frei, gleichzeitig befreit man damit aber auch das merkwürdige Baumwesen.

Navi

Wer einfach planlos durch die riesigen labyrinthartigen Höhlen rennt, dürfte sich ziemlich schnell verlaufen. Die bereits besuchten Bereiche der Unterwelt verzeichnet Legend of Grimrock deshalb automatisch auf einer Karte. Nostalgiker können diese Hilfe auch ausschalten und wie in den 1990er Jahren mit Bleistift und Papier selbst eine Karte zeichnen. Als Bonus liegt dem Spiel ein Editor bei, mit dem sich Spieler ihre eigenen Höhlen basteln.

Der finnische Entwickler Almost Human vertreibt das Rollenspiel auf seiner Homepage [1], über die Vertriebsplattform Steam [3] und in Ubuntus Software-Center [4]. Die direkt auf der Homepage verkaufte Fassung besitzt zwar keinen Kopierschutz, installieren muss man das Spiel dann aber selbst (siehe Kasten Installationshilfe). Legend of Grimrock arbeitet häufig mit Schockeffekten. Für Kinder ist das Spiel somit weniger geeignet, eine offizielle Alterseinstufung durch die USK gibt es noch nicht.

Installationshilfe

Wenn Sie Legend of Grimrock direkt beim Entwickler erwerben, erhalten Sie eine ziemliche große Datei. Sobald Sie diese heruntergeladen haben, klicken Sie sie mit der rechten Maustaste an, wählen aus dem Kontextmenü die Eigenschaften, wechseln auf das Register Berechtigungen und kreuzen Ausführbar an. Mit einem Klick auf OK haben Sie Linux mitgeteilt, dass es sich bei der dicken Datei um ein Programm handelt.

Dieses starten Sie dann mit einem Mausklick. Es meldet sich nach ein paar Sekunden ein Installationsassistent. Hier übernehmen Sie die englische Sprache mit Next und klicken erneut auf Next. Entfernen Sie den Haken vor Register Software und klicken Sie auf Next. Das vorgeschlagene Verzeichnis ersetzen Sie durch ~/ (Ihr Home-Verzeichnis). Klicken Sie zweimal auf Next und bestätigen Sie die Nachfrage mit Continue. Warten Sie, bis Legend of Grimrock installiert ist. Die Bestätigung nicken Sie mit OK ab. Noch einmal Next und Finish beenden den Assistenten. Das geöffnete Textfenster schließen Sie mit der Eingabetaste.

Um das Spiel zu starten, wechseln Sie jetzt in Ihrem Home-Verzeichnis in den Unterordner bin und klicken dort Grimrock an.

Fazit

Legend of Grimrock ist eine liebevolle Hommage an die Rollenspiele der 90er Jahre. Die Grafik ist detailreich und verbreitet eine beklemmende Atmosphäre. Realistisch flackernde Fackeln und andere nette Grafikeffekte gibt es allerdings nur auf leistungsfähigen Grafikkarten. Die aus den immer gleichen Versatzstücken aufgebauten Gänge sollen einerseits absichtlich die Orientierung erschweren, andererseits machen sie die Unterwelt auch etwas eintönig. Eine deutsche Übersetzung fehlt bislang, für die wenigen Texte genügt jedoch einfaches Schulenglisch.

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