Aus EasyLinux 03/2013

X-Server und Shell-Tools für Windows

Schweizermesser für Weltenbummler

Egal, ob Sie den Umstieg von Windows auf Linux erst planen, während der Umstiegsphase noch in beiden Welten zu Hause sind oder ohnehin abwechselnd unter Linux und Windows arbeiten, leistet ein X-Server für Windows gute Dienste – wie z. B. MobaXterm.

Der Umstieg auf Linux schließt auch bei perfekt konfiguriertem Desktop erste Kontakte mit der Linux-Shell und elementaren Kommandozeilenbefehlen ein. In einem älteren Artikel haben wir GOW (GNU on Windows) vorgestellt, mit dem Sie unter Windows vorab mit Linux-Befehlen experimentieren können [1]. Einen ähnlichen Zweck erfüllt Cygwin [2], eine Programmsammlung, die wichtige Linux-Tools unter Windows bereitstellt. Eine der interessantesten Cygwin-Portierungen ist Cygwin/X, ein X-Server, den auch das Tool MobaXterm [3] nutzt.

Der auch als Portable-Variante verfügbare X-Server für Windows ermöglicht es unter anderem, Windows-PCs mit mächtigen Linux-Kommandozeilentools zu verwalten. MobaXterm stellt damit zum Beispiel Linux-Administratoren, die gelegentlich auch Windows-Rechner pflegen, eine vertraute Umgebung zur Verfügung. Auf der anderen Seite profitieren aber auch potenzielle Linux-Einsteiger von dem mächtigen Werkzeug, weil Sie sich so auf Ihrem Windows-Rechner gefahrlos mit den Möglichkeiten der Linux-Shell und mit den wichtigsten Tools vertraut machen können.

Darüber hinaus stecken unter der schicken Oberfläche von MobaXterm zahlreiche nützliche Remote-Tools, von denen Sie beim Umstieg profitieren, und dank der eingebauten Plug-in-Architektur gibt es viele nützliche Erweiterungen.

MobaXterm installieren

MobaXterm bietet wesentlich mehr als eine Linux-Shell und die unter Linux üblichen Shell-Tools für Windows: Die einfach installierbare msi-Datei enthält einen vollständigen integrierten X-Server, ein Tab-fähiges Terminal mit Unix-/Linux-Kommandos (ls, cd, cat, sed, grep, awk, rsync, wget usw.) und darüber hinaus einen Session-Manager, der alle wichtigen Unix-Tools für den Zugriff auf entfernte Rechner (SSH, RDP, VNC, FTP/SFTP und weitere) unter Windows zur Verfügung stellt.

Die aktuelle zum kostenlosen Herunterladen angebotene Personal-Edition 6.3 [4] unterstützt im Gegensatz zur Professional Edition (49 Euro) lediglich kein individuelles Branding, bietet keinen Zugriff auf die Plug-in-Entwicklung und erlaubt kein Ändern von Standardoptionen. Außerdem ist die Anzahl einer Reihe von Ressourcen – so sichert die Personal Edition nur maximal zwölf Sitzungen – begrenzt. Das sind Features, auf die Heimanwender problemlos verzichten können. Weitere Einzelheiten zu den unterschiedlichen Versionen verrät die Download-Seite [5], die eine msi-Installer-Datei, eine Portable-Version als ZIP-Archiv und einen Link [6] auf eine große Anzahl optionaler Plug-ins zur Verfügung stellt.

Erste Schritte

Beim Start von MobaXterm startet das Tool im zentralen Arbeitsbereich eine Terminalsitzung an und weist darauf hin, dass Ihre Windows-Laufwerke in einer MobaXterm-Sitzung über den Ordner /drives erreichbar sind (Abbildung 1). Die Oberfläche stellt neben dem Terminalfenster – MobaXterm unterstützt auch Tabs – eine Werkzeugleiste, eine Menüleiste und eine Sidebar, in der Sie ebenfalls mit Hilfe von Tabs zwischen Session-Management, Tools und Makros umschalten können, zur Verfügung. Allerdings bieten Sidebar, Menüleiste und Werkzeugleiste mehr oder weniger die gleichen Funktionen an, d. h., sämtliche Programme im Reiter Tools der Sidebar finden sich auch im Menü Tools.

Sie können MobaXterm über den Menüpunkt Settings / Configuration konfigurieren. Die Einstellungen zum Terminalmodus (z. B. Zeichensatz und Schriftgröße) finden Sie im Reiter Terminal. MobaXterm lässt sich übrigens auch als SSH-Client verwenden, ähnlich wie das beliebte Tool Putty. Die zugehörigen Konfigurationseinstellungen finden Sie im Reiter SSH (Abbildung 2). Hier können Sie z. B. den grafischen SFTP-Browser aktivieren, der ein komfortables und Windows-Explorer-ähnliches Navigieren auf einem entfernten Linux-Rechner (mit aktiviertem SSH-Server) erlaubt.

Abbildung 1: Die Startseite von MobaXterm mit dem zentralen Terminal-Modus.
Abbildung 1: Die Startseite von MobaXterm mit dem zentralen Terminal-Modus.
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Abbildung 5: Hier konfigurieren Sie MobaXterm für das Verwenden als ssh-Client.

Darüber hinaus stehen im Reiter Display (Abbildung 3) ganz oben mit den Pfeil-Navigationssymbolen eine Reihe von Skins für die Oberfläche zur Verfügung, darunter auch ein Mac-Style (Snow Leopard).

Abbildung 3: MobaXterm ist wandelbar und unterstützt auch Skins.
Abbildung 3: MobaXterm ist wandelbar und unterstützt auch Skins.

Kommandomodus

Zu den einfachsten Übungen von MobaXTerm gehören die klassischen Linux-Shell-Kommandos, unter denen die klassischen Dateioperationen (cp, mv) und das Navigieren im Windows-Dateisystem mit Hilfe von Unix-Kommandos wie ls und cd am nützlichsten sind (Abbildung 4).

Abbildung 4: Im Terminal verhält sich das Tools wie eine Linux-Shell.
Abbildung 4: Im Terminal verhält sich das Tools wie eine Linux-Shell.

Mit fortschreitendem Kenntnisstand im Umgang mit der Bash-Shell oder gar der Shell-Programmierung werden für Sie auch Tools wie cat, sed, awk oder grep und deren Kombination durch Pipes von Interesse sein.

Fernzugriff

Neben der Möglichkeit, sich mit MobaXterm auf dem Windows-Desktop mit einer Linux-ähnlichen Shell-Umgebung und beliebten Linux-Tools vertraut zu machen, ohne dazu eine virtuelle Maschine nebst vollständigem Installieren einer Linux-Distribution einrichten zu müssen, können Sie MobaXterm auch als Schweizermesser für diverse Arten von Fernzugriffen betrachten. Das ist hilfreich, wenn Sie einen Windows- und einen Linux-PC gemeinsam im Netzwerk betreiben.

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