Aus EasyLinux 02/2013

Lubuntu und Puppy Linux für ältere PCs

© Dmitriy Melnikov, Fotolia

Langsame Kisten

Linux läuft auch auf alten PCs prima, heißt es immer. Das gilt aber nicht für moderne Linux-Distributionen mit KDE oder einem anderen grafisch aufwendigen Desktop. Doch es gibt Alternativen, mit denen Sie Ihre Altrechner reaktivieren.

Mit KDE, LibreOffice und ein paar weiteren Anwendungen treiben Sie auch halbwegs aktuelle Computer schnell an ihre Grenzen – vor allem geringer Hauptspeicher und eine langsame CPU machen sich hier schnell bemerkbar. Wenn Sie ein älteres PC-Schätzchen, auf dem früher vielleicht Windows XP oder Windows 95 lief, mit Linux wieder benutzbar machen möchten, sollten Sie von den Standard-Distributionen wie OpenSuse und Ubuntu Abstand halten, denn diese bremsen alte Hardware genauso aus, wie es eine Windows-7 oder -8-Installation täte.

Das liegt nicht am Linux-Kernel selbst, sondern am Ressourcenhunger der grafischen Oberfläche und der üblicherweise eingesetzten Anwendungen. LibreOffice, der Adobe Reader und viele andere Programme sind einfach nicht für altersschwache Computer gemacht. Installieren Sie hingegen eine speziell für PC-Oldtimer entwickelte oder angepasste Linux-Distribution, macht die Arbeit wieder Spaß.

In diesem Artikel empfehlen wir Ihnen Lubuntu für mittelalte und Wary Puppy für die ganz alten PCs. Lubuntu bietet den Vorteil, als Ubuntu-Variante Zugriff auf die große Paketauswahl von Ubuntu zu haben; für Wary Puppy gilt das nicht: Diese Distribution verwendet weder Debian- noch RPM-Pakete, sondern bietet einen grafischen Paketmanager, der auf eigene (Puppy-)Repositories zugreift – die darüber verfügbare Software-Auswahl ist aber sehr überschaubar.

Lubuntu 13.04

Lubuntu [1] ist einer der zahlreichen Ubuntu-Ableger, vergleichbar mit Kubuntu und Xubuntu. Während Ubuntu, Kubuntu und Xubuntu jeweils Unity, KDE bzw. Xfce als Desktops verwenden, haben die Lubuntu-Entwickler sich für LXDE, den Lightweight X11 Desktop, entschieden; das ist der Grund für das „L“ vor „Ubuntu“.

Lubuntu finden Sie auf der Heft-DVD der vorherigen Ausgabe (EasyLinux 01/2013) in Version 12.10; kurz nach Erscheinen dieser Ausgabe sollte die finale Version 13.04 als ca. 650 MByte großes Image auf der Lubuntu-Webseite verfügbar sein. Wir haben für diesen Artikel die bei Redaktionsschluss aktuelle Betaversion angesehen.

LXDE benötigt deutlich weniger Ressourcen als andere Desktops, was die Distributionsvariante für ältere Rechner interessant macht. Wem die Oberfläche gefällt, der kann das System aber auch auf einem modernen PC verwenden: Da Lubuntu exakt dieselben Repositories wie Ubuntu verwendet, sind alle aktuellen Softwarepakete verfügbar, und es lassen sich auf Wunsch auch später die großen Desktops nachinstallieren.

Als Dateimanager steht PCManFM zur Verfügung, die Anwendung beherrscht die üblichen Features zum Navigieren im Dateisystem. Dateien öffnet das Programm nach einem Doppelklick mit Standardanwendungen, die mit dem jeweiligen Dateityp verknüpft sind. Klappt das einmal nicht, können Sie über die Dateieigenschaften ein neues Standardprogramm wählen.

Fenster und Menüs

Mit LXDE machen Sie keine Experimente: Die Oberfläche funktioniert so, wie man es erwartet, über das Startmenü (klassisch links unten in einer Start- und Taskleiste) rufen Sie die installierten Programme auf, Fenster können Sie auf mehreren (zunächst zwei) Desktops platzieren, zwischen denen Sie mit [Strg]+[Alt]+[Cursor links] und [Strg]+[Alt]+[Cursor rechts] hin und her wechseln, und Fenster besitzen die üblichen Schaltflächen zum Maximieren, Minimieren und Schließen. Wollen Sie mehr als zwei Arbeitsflächen einsetzen, klicken Sie mit der rechten Maustaste in den Bereich der Startleiste, der zwischen den Desktops umschaltet, und wählen aus dem Kontextmenü die Desktop-Pager-Einstellungen. Im sich öffnenden Fenster setzen Sie dann im Reiter Arbeitsflächen unter Anzahl der Arbeitsflächen einen höheren Wert (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mehr Arbeitsflächen bietet Ihnen Lubuntus LXDE über die Desktop-Pager-Einstellungen.
Abbildung 1: Mehr Arbeitsflächen bietet Ihnen Lubuntus LXDE über die Desktop-Pager-Einstellungen.

Software-Ausstattung

Lubuntu setzt nicht auf LibreOffice, denn dieses komplexe Officepaket ist für ältere Hardware nicht zu empfehlen – es benötigt auf diesen Geräten zu viel Speicher und läuft nur sehr langsam. Stattdessen installiert die Distribution die Textverarbeitung Abiword und die Tabellenkalkulation Gnumeric. Gegenüber LibreOffice müssen Sie hier im Wesentlichen Abstriche bei der Liste der Programmfunktionen machen, aber für den gelegentlichen Brief und ein paar Tabellen reichen die Programme aus. Sie kommen auch mit Microsoft-Dokumenten zurecht und können sogar Microsofts neue XML-Formate (mit Dateiendungen .docx und .xlsx) öffnen – dabei gehen allerdings alle Formatierungen verloren, mit dem LibreOffice-Importfilter für XML-Office-Formate kann sich der von Abiword nicht vergleichen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Abiword ist eine schlanke Textverarbeitung, die Lubuntu automatisch installiert.
Abbildung 2: Abiword ist eine schlanke Textverarbeitung, die Lubuntu automatisch installiert.

Als Mailclient ist Sylpheed an Bord: Das Programm erlaubt in der gewohnten dreigeteilten Ansicht das komfortable Lesen und Erstellen von Mails – allerdings ohne jegliche HTML-Elemente: Die meisten Unternehmen und auch viele Privatpersonen verschicken ihre E-Mails HTML-formatiert mit eingefügten Bildern (z. B. in fast allen Firmen-Newslettern), und Sylpheed kann diese nicht ordentlich anzeigen.

Wer also auf den Empfang oder eigenen Versand von HTML-Mails Wert legt, kann Sylpheed nicht verwenden; als Alternative stehen dann andere Mailprogramme im Ubuntu-Repository zur Verfügung – nur sind diese nicht so schlank wie Sylpheed.

Die Einrichtung eines neuen Mailaccounts (wahlweise IMAP oder POP) ist mit Sylpheed schnell erledigt. Besonders praktisch ist es für Nutzer einer Googlemail-Adresse, denn dafür sieht Sylpheed eine verkürzte Konfiguration vor und fragt nur Benutzername und Passwort ab. Wer schon viele Mails auf dem Server liegen hat, muss sich beim ersten Zugriff ein wenig gedulden: Das Programm lädt die Headerzeilen aller Nachrichten des Eingangsordners herunter und ist erst wieder ansprechbar, wenn diese Aktion abgeschlossen ist.

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