Aus EasyLinux 04/2012

Test der Betaversion von SoftMaker Office (Seite 2)

Im Test der zweiten Betaversion zeigten sich ein paar Bugs, die der Hersteller in der finalen Version beheben sollte: Suchen und Ersetzen funktionierte noch nicht fehlerfrei (beim Versuch, in einem zwölfseitigen Dokument alle Vorkommen von „wir“ durch „WIR“ zu ersetzen, stürzte das Programm reproduzierbar ab), der mitgelieferte Duden öffnet beim Nachschlagen ein für Netbooks zu breites Fenster (das sich auch nicht verkleinern lässt), und bei wörtlicher Rede setzt das Programm nur doppelte Anführungszeichen (Gänsefüßchen) korrekt, während die einfachen Anführungen falsch (englisch statt deutsch) sind.

PlanMaker

Wenn Sie unter Linux bisher mit Open- oder LibreOffice Tabellen erstellt haben, müssen Sie diese zunächst ins Excel-Format exportieren, um sie in PlanMaker zu öffnen: Calcs ods-Format fehlt in den Importfiltern.

Aus einer in LibreOffice geöffneten Tabelle können Sie markierte Bereiche per Copy & Paste in PlanMaker einfügen, dabei gehen allerdings alle Formatierungen und auch Formeln verloren. Zudem gibt es hier einen kleinen Bug: Das letzte Element (rechts unten) eines rechteckigen Bereichs fügt SoftMaker bei dieser Aktion als Text (und nicht als Zahl) ein. In der umgekehrten Richtung (von PlanMaker nach LibreOffice) bleiben Formatierungen (Schriftart, Größe, fett, kursiv etc.) erhalten, Formeln gehen aber auch hier verloren. Neben Copy & Paste funktioniert auch Drag & Drop von LibreOffice- in PlanMaker-Dokumente – mit denselben Einschränkungen; der umgekehrte Weg funktioniert nicht: Wenn Sie im PlanMaker einen Bereich markieren und dann versuchen, via Drag & Drop in das Calc-Fenster zu wechseln, lässt PlanMaker Sie nicht aus dem Fenster heraus: Beim Loslassen der Maus über dem Calc-Fenster lösen Sie nur eine PlanMaker-interne Verschiebeaktion in andere Zellen aus.

Ein nützliches PlanMaker-Feature, das auch LibreOffice Calc und Excel bieten, ist das Bearbeiten einer Auswahl: Wenn Sie einen rechteckigen Bereich markieren, können Sie mit der Eingabetaste zwischen den Feldern der Auswahl hin und her springen – dabei bewegen Sie sich zuerst durch alle Felder der ersten Spalte, dann durch die der zweiten usw., bis Sie die letzte Spalte erreicht haben, danach geht es wieder in der ersten Spalte weiter. Mit [Umschalt]+[Eingabe] navigieren Sie in umgekehrter Reihenfolge.

In PlanMaker können Sie Zahlen auch als Brüche (1/4 statt 0,25) eingeben – zudem gibt es die Möglichkeit, bei der Zellformatierung als Zahldarstellung Bruch auszuwählen, allerdings mit zweifelhaftem Nutzen: So wird der Wert 0,1 z. B. zu 1/9 (statt 1/10), und 0,3 wird zu 1/3 (statt 1/10). Das ist grob falsch und führt bei Summenberechnungen zu lustigen Ergebnissen, etwa 1/3+1/3+1/3 = 8/9 (Abbildung 5).

Abbildung 5: Gut gemeint, aber (noch) nicht gut gemacht: Die Darstellung von Zahlen als Bruch funktioniert in der Betaversion nicht.
Abbildung 5: Gut gemeint, aber (noch) nicht gut gemacht: Die Darstellung von Zahlen als Bruch funktioniert in der Betaversion nicht.

Allgemeines

Alle SoftMaker-Anwendungen setzen auf eine Bubble Help, die unaufdringlich arbeitet: Wenn Sie nur schnell mit der Maus über die Icons fahren, erscheinen keine Hinweistexte – erst wenn Sie über einem Symbol für eine knappe Sekunde verharren, erscheint die Erklärung. Dadurch wechseln Sie in einen gesprächigeren Modus: Ziehen Sie bei sichtbarer Bubble Help den Mauszeiger über weitere Icons, erscheint jeweils sofort die zugehörige Erklärung direkt unter dem Icon.

Unabhängig davon blenden die Programme links unten in der Statusleiste immer die Erklärung für das Icon ein, auf das die Maus gerade zeigt – auch beim „Erstkontakt“ mit einem Icon.

Die Bubble Help können Sie in den Einstellungen abschalten (wenn Sie den richtigen Namen kennen: Die Einblendungen heißen hier „Quickinfos“), danach bleiben immer noch die Erläuterungen in der Statusleiste erhalten.

Öffnen Sie in einer der Anwendungen mehr als ein Dokument, erscheint eine kleine Leiste mit Reitern: Zwischen den Dateien springen Sie also (wie im Browser) per Klick auf den Reiter hin und her. Ist der Platz auf dem Desktop so knapp, dass jeder Millimeter zählt, können Sie die Reiter auch abschalten – und dann immer noch über das Fenster-Menü zwischen den geöffneten Dokumenten wechseln. Sie können auch die Tastenkombinationen [Alt]+[N],[1] für das erste, [Alt]+[N],[2] für das zweite Dokument usw. nutzen, was schneller ist, als das Menü von Hand anzusteuern.

Was in der Linux-Version fehlt, ist die Möglichkeit, Makros zu verwenden. Die Windows-Version enthält dafür das Modul BasicMaker. Vor allem bisherige Excel-Anwender, die es gewohnt sind, Tabellen mit Makros zu verarbeiten, werden darauf nicht verzichten wollen und dann lieber LibreOffice nutzen.

SoftMaker Office bringt eine sehr ausführliche Dokumentation mit: Im PDF-Format gibt es über 1700 Seiten (TextMaker: 616, PlanMajer: 770, Presentations: 343); und ein Teil des Materials liegt der 70 Euro teuren Schachtel auch als ca. 400 Seiten starkes gedrucktes Handbuch bei.

Performance

Nach ersten Tests auf einer aktuellen Maschine haben wir SoftMaker Office 2012 noch auf einem Netbook in klassischer Ausstattung (Atom-Prozessor mit 1,6 GHz; 1 GByte RAM) installiert und hier kurz TextMaker ausprobiert. Die Bedienbarkeit war gut, allerdings verhielt sich TextMaker beim Versuch, in einem längeren Dokument Text am Anfang einzufügen und wieder zu löschen, träger als das zum Vergleich gestartete OpenOffice 3.2.0, das auf diesem Netbook installiert war – die Verzögerungen zwischen dem Drücken von [Eingabe] und der Darstellung der Änderung war deutlicher spürbar, aber noch akzeptabel. Auf aktueller Hardware arbeiten alle SoftMaker-Programme rasend schnell.

Bei sehr großen Dokumenten (im Test: mit 1000 Seiten) fiel positiv aus, dass TextMaker fast sofort nach dem Öffnen wusste, wie lang das Dokument ist – es war kein Problem, auf Anhieb zur 500. oder 1000. Seite zu springen. LibreOffice Writer hingegen benötigte mehrere Sekunden für einen Sprung ans Dokumentende. Dafür dauerte das Öffnen des großen Dokuments in TextMaker allerdings einen Tick länger.

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