Aus EasyLinux 04/2012

Software

Neue Software

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise.

Capivara – Grafische Verzeichnis-Synchronisationssoftware

Wer im Internet nach „Verzeichnisse synchronisieren Linux“ sucht, stößt meistens zuerst auf das Kommandozeilenprogramm Rsync. Die Java-Software Capivara bietet ähnliche Funktionen, aber unter einer schicken grafischen Oberfläche.

Eigentlich gehört das Synchronisieren von Verzeichnissen und Dateien zum Pflichtprogramm eines Dateimanagers. Dabei sucht die Funktion nach der neueren Version einer Datei und überschreibt die ältere Fassung. Dieses Feature ist für jeden nützlich, der ein mobiles Gerät besitzt, sei es ein Notebook oder nur ein MP3-Player. Allerdings beherrschen dies weder der Gnome- noch der KDE-Dateimanager. Die Standard-Lösung unter Linux zum synchron halten von Verzeichnissen ist nach wie vor das Konsolenprogramm Rsync. Einfacher zu bedienen ist Capivara [1], ein grafisches Java-Programm mit ausgeklügelten Synchronisationsfunktionen.

Die Applikation zeigt nicht nur lokale Verzeichnisse an, sondern verbindet sich auch über FTP und SSH mit Rechnern im Netz. SMB-Freigaben kennt die Software jedoch nicht, obwohl es wie fast alle Java-Programme auch auf Windows läuft. Etwas umständlich ist, dass sich auch das lokale Dateisystem erst nach einem Klick auf das Verbindungs-Icon rechts oben im Teilfenster öffnet. Dafür gibt es Bookmarks, die das Öffnen von Remote-Verbindungen beschleunigen.

Beamen mit Hindernissen

Capivara ist ein klassischer zweispaltiger Dateimanager (Abbildung 1). Allerdings darf der Anwender Dateien nicht einfach von einem Unterfenster in das andere ziehen. Nur der Kopieren-Button ganz oben im Programmfenster kopiert die Dateien auf die andere Seite.

Abbildung 1: Capivara synchronisiert komfortabel Verzeichnisse und achtet dabei peniebel darauf, dass es nicht versehentlich die falschen überschreibt.
Abbildung 1: Capivara synchronisiert komfortabel Verzeichnisse und achtet dabei peniebel darauf, dass es nicht versehentlich die falschen überschreibt.

Im Kopieren-Dialog gibt es die Optionen Verfolge Symlinks und Erhalte Zeitstempel. Die erste Einstellung steuert, ob die Software Links auf andere Verzeichnisse (im Linux-Jargon „symbolische Links“) so behandelt, wie echte Unterverzeichnisse. Die zweite legt fest, ob die beim Kopieren neu erstellten Dateien das Entstehungsdatum der Ursprungsdatei erben, oder ob das Dateidatum den Zeitpunkt des Kopierens anzeigt.

Schutzfunktion

Das Hauptproblem beim Synchronisieren von Verzeichnissen ist, dass Sie die ältere Fassung einer Datei nicht unbedingt durch die neuere ersetzen möchten. Eine gute grafische Synchronisationssoftware informiert den Anwender daher darüber, bei welchen Dateien ein Überschreiben bevorsteht. Das GUI kann dabei gar nicht übersichtlich genug sein, denn sonst zerstört ein unachtsamer Klick schnell benötigte Daten.

Eine Datei ist nur links, eine bloß rechts vorhanden. Zwei Dateien überschneiden sich, einmal ist die linke Version neuer, einmal die rechte. Das Programm signalisiert die drei Zustände der Dateien durch drei Farben: nur einmal vorhanden = rot, älter = hellrot, neuer = dunkelrot.

Allerdings fallen die Farbschattierungen so ähnlich aus, dass man sie kaum auseinander halten kann. Und was steht nun für „neuer“, Hellrot, oder Dunkelrot? Hier wäre es dringend geboten, statt der drei Rottöne die Ampelfarben Rot, Gelb und Grün einzusetzen.

Vorab-Info

Vor dem eigentlichen Synchronisieren liegt noch der Zwischenschritt Vorschau, in dem Capivara Sie darüber informiert, welche Dateien es in welche Richtung kopiert. Welche Datei eine frühere Fassung überschreibt, steht hier jedoch nicht: Die beiden Dateien WanderungImZillertal1.gpx und TuxerJoch-hausAut.gpx sind in beiden Verzeichnissen enthalten, die beiden anderen nicht. Capivara zeigt in beiden Fällen den gleich blauen Richtungspfeil an.

Außer dem Datenverlust durch versehentliches Überschreiben birgt das Synchronisieren nach dem Zeitstempel noch weitere Probleme: Nicht immer geht die Rechneruhr richtig. Linux-Rechner setzen beim Dateisystem außerdem universelle Weltzeit ein, Windows-Computer Lokalzeit. In Capivara darf der Benutzer daher eine Zeitdifferenz angeben, bis zu der das Programm Dateien als gleich alt wertet.

Zuverlässiger als nach dem Änderungsdatum gilt das Vergleichen von Dateien mit Prüfsummen. Sie kennen vielleicht die MD5-Prüfsummen, anhand derer Sie prüfen, ob beim Herunterladen eines CD-Images ein Übertragungsfehler aufgetreten ist. Das gleiche Prinzip nutzen die SynchronisationsvariantenMD5 sync und SHA1 sync. SHA1 ist eine zuverlässigere, aber auch wesentlich langsamere Testmethode als MD5.

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