Aus EasyLinux 02/2012

Wohnzimmertauglicher Mini-Mediaplayer

Videos vom Linux-PC

Western Digitals WD TV HD Live kommt ab Werk mit Linux, doch lässt sich das Gerät mit einer Community-Firmware weiter aufbohren. In Kombination mit einem PC und Linux wird aus dem Kästchen so ein echter Alleskönner.

Die Zeiten, in denen klobige und laute Computer unter dem Fernseher nötig waren, um Filme vom eigenen Rechner oder aus dem Netz wiederzugeben, sind endgültig vorbei. Kaum ein anderes Gerät verkörpert diese Tatsache so sehr wie Western Digitals WD TV HD Live [1]. Das Kästchen ist kaum größer als eine Brotdose und kommt ohne lärmende Lüfter aus. Dafür verfügt es über alle Anschlüsse, um Multimedia-Enthusiasten ins Schwärmen geraten zu lassen. Im Grunde handelt es sich um einen kleinen Computer, auf dem ab Werk obendrein Linux läuft.

Wer auf dem Gerät WDLXTV [2] installiert, zieht noch mehr Nutzen aus ihm. WDLXTV ist eine Firmware, die auf dem Original von Western Digital aufbaut, aber diverse nützliche Zusatzfunktionen integriert. So erweitert WDLXTV das Spektrum der unterstützten Formate beträchtlich, und auch die Optik der Menüs des WD TV HD Live lässt sich mit der Firmware aus der Community verbessern. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie aus dem Medienspieler und einem Linux-PC das perfekte Multimedia-Zentrum für Ihr Wohnzimmer machen.

Die Voraussetzungen schaffen

Zunächst steht die Anschaffung des WD TV HD Live an. Das Gerät findet sich im Elektrohandel zu Preisen ab rund 70 Euro. Mit in den Warenkorb gehört auch ein USB-Stick mit mindestens 256 MByte Speicherplatz – dieser ist nötig, um dem Gerät die neue Firmware unterzujubeln. Wer schon einen USB-Stick hat, kann diesen verwenden, wenn er mit dem VFAT-Dateisystem formatiert ist.

Der Minirechner hat einen HDMI-Ausgang, der mit dem Wiedergabegerät – dem Fernseher oder einem HDMI-fähigen Monitor – zu verbinden ist. Die Box kommt ab Werk ohne HDMI-Kabel, so dass dieses ebenfalls zu kaufen ist. Wer digitalen Sound haben will, verbindet den WD TV entweder über den optischen Ausgang mit einem Hifi-Verstärker oder nutzt die Audio-Features von HDMI, sollte der Fernseher selbst bereits an einen Verstärker angeschlossen sein. Unumgänglich ist eine Netzwerkanbindung des WD TV an das lokale Netz inklusive dem Linux-Rechner, von dem später die Multimedia-Inhalte kommen. Gigabit-Netzwerk ist aber nicht nötig, denn der WD-TV-Netzwerkchip beherrscht selbst nur 100 Mbit/s.

Wenn der WDTV HD Live mit allen notwendigen Kabeln an Fernseher und Netz hängt, ist der nächste Schritt der Austausch der Firmware. Beachten Sie: Durch die Installation der Austauschfirmware erlischt eine eventuell vorhandene Garantie des Geräts. Führen Sie diesen Schritt also nur aus, wenn Sie damit einverstanden sind.

Firmware austauschen

Um die mitgelieferte Firmware des WD TV durch WDLXTV zu ersetzen, gehen Sie so vor:

  1. Stecken Sie einen USB-Stick mit mindestens 256 MByte freiem Speicher an Ihren Linux-Computer an und warten Sie, bis die Aktivierung des Sticks abgeschlossen ist.
  2. Legen Sie die Heft-DVD in das DVD-Laufwerk und öffnen Sie den Ordner programme/andere/wdlxtv/ der DVD. Entpacken Sie den Inhalt der Datei 1.05.04_V_WDLXTV.COM_WDLXTV_LIVE-0.5.1.1.zip; dadurch entsteht ein neuer Unterordner 1.05.04_V_WDLXTV.COM_WDLXTV_LIVE-0.5.1.1 in Ihrem Home-Verzeichnis.
  3. Kopieren Sie die Dateien, deren Namen auf .fff, .ver oder .bin enden, auf den USB-Stick. Die Dateien müssen direkt im Wurzelverzeichnis des USB-Sticks liegen und nicht etwa in einem eigenen Ordner.
  4. Hängen Sie den USB-Stick aus und ziehen Sie ihn aus Ihrem Linux-Rechner. Stecken Sie ihn danach in den USB-Port auf der Rückseite des WD TV HD Live und starten Sie das Gerät neu.
  5. Beim Neustart erkennt die vorhandene Firmware auf dem WDTV das „Update“ vom USB-Stick. Warten Sie, bis die neue Firmware aufgespielt ist. Falls es hier Probleme gibt und das Gerät die Aktualisierung verweigert, lesen Sie den Kasten Update-Probleme.

Ist das passiert, landen Sie im WDLXTV-Menü. Dieses unterscheidet sich optisch von der Originalversion dadurch, dass den Hintergrund kein knalliges Blau mehr ziert, sondern ein grün-bläulicher Hintergrund. Außerdem sehen Sie während des Starts das WDLXTV-Logo.

Update-Probleme

Manchmal gibt es beim Versuch, WDLXTV zu installieren, ein Problem: Der Installer erkennt die neue Firmware auf dem angeschlossenen USB-Stick zwar, glaubt aber, dass sie älter sei als die bereits installierte Version. In diesem Falle behelfen Sie sich mit einem einfachen aber wirksamen Trick:

  1. Öffnen Sie die auf dem USB-Stick abgelegte Datei wdtvlive.ver in einem Text-Editor, zum Beispiel Kate.
  2. Ändern Sie in der Datei die Versionsangabe von 1.05.04_V.WDLXTV_PLUS-0.5.1.1 auf 2.20.04.WDLXTV_PLUS-0.5.1.1. Schließen Sie den USB-Stick danach wieder an den WD TV Live HD an und starten Sie das Gerät neu. Nun sollte das Update funktionieren.

Das Netzwerk des WD TV HD Live einrichten

Der vorgestellte Mediaplayer hat ab Werk kein eigenes Speichermedium und ist darauf angewiesen, Multimedia-Inhalte über das Netzwerk zu empfangen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Netzwerkkonfiguration passt. Falls das Netzwerk noch nicht eingerichtet hat, erledigen Sie das so:

  1. Drücken Sie auf der mitgelieferten Fernbedienung des WD TV HD die Tasten für [Pfeil runter], bis Sie beim Menüpunkt Settings angekommen sind. Drücken Sie [OK] auf der Fernbedienung.
  2. Navigieren Sie mit derselben Taste zu Network Setup und drücken Sie erneut [OK].
  3. Wie das Netzwerk zu konfigurieren ist, hängt davon ab, ob es in Ihrem lokalen Netzwerk einen DHCP-Server gibt oder nicht. Wenn ein solcher Server vorhanden ist, wählen Sie Automatic aus, andernfalls Manual (Abbildung 1).

    Abbildung 1: Die Netzwerkkonfiguration muss stimmen, damit Linux-PC und WDTV miteinander kommunizieren können.
    Abbildung 1: Die Netzwerkkonfiguration muss stimmen, damit Linux-PC und WDTV miteinander kommunizieren können.
  4. Wenn die Konfiguration automatisch passiert, holt sich der WD TV HD Live nun seine gesamte Netzwerkkonfiguration per DHCP. Im manuellen Modus geben Sie über die Bildschimtastatur und mit den Pfeiltasten der Fernbedienung die entsprechende Netzwerkkonfiguration ein (siehe Grundlagenartikel in dieser Ausgabe).
  5. Navigieren Sie mit den Pfeiltasten zu Finish und drücken Sie [OK], um die Netzwerkkonfiguration abzuschließen.

Ob die Netzwerkkonfiguration funktioniert hat, testen Sie am besten mit ping. Drücken Sie auf Ihrem Linux-System [Alt]+[F2] und geben Sie konsole ein. Führen Sie dann den Befehl ping IP-Adresse aus. Kommt eine Antwort vom WD TV HD Live, funktioniert das Netzwerk.

Kasten 2: Innen hui, außen auch

Das Menü des WD TV HD Live ist optisch nicht besonders ansprechend, und die WDLXTV-Firmware ändert daran leider kaum etwas. Benutzer, die von WDLXTV begeistert waren, haben das Problem gelöst: Sie stellen „Mods“ zur Verfügung, die dem Menü ein komplett neues Aussehen verpassen. Der Favorit des Autors ist das Picto2-Theme, das für eine aufgeräumte und hübsche Oberfläche sorgt. Auf der Projektseite [3] finden Sie eine Liste aller Themes, die für aktuelle Versionen von WDLXTV zur Verfügung stehen. Um Picto2 auf dem WDLXTV zu nutzen, gehen Sie so vor:

  1. Laden Sie die Datei mit der Endung .bin herunter und legen Sie diese auf dem USB-Stick ab. Benennen Sie die Datei in osd.bin um.
  2. Starten Sie den WDLXTV neu. Nach dem Neustart erscheint das Frontend von WDLXTV im neuen Gewand.

Der vorgestellte Weg ändert das Aussehen der Oberfläche von WDLXTV bis zum nächsten Neustart. Würde der USB-Stick mit osd.bin dann fehlen, entspräche das Menü wieder dem Standard. Um das Picto2-Theme oder ein anderes Theme dauerhaft zu nutzen, sollte der USB-Stick mit der passenden osd.bin-Datei also permanent am Gerät angeschlossen bleiben.

Samba-Shares einrichten

Der Medienplayer selbst ist damit für den Einsatz bereit. Nun fehlt noch die Videoquelle, die im Beispiel Ihr Linux-Rechner ist. WDLXTV beherrscht mehrere Kommunikationsprotokolle: Neben NFS gehört dazu auch das SMB-Protokoll, mit dem der WD TV HD Live auf Windows-Freigaben zugreifen kann. Auch am Linux-Rechner lassen sich Samba-Freigaben aufsetzen, die kompatibel mit dem SMB-Protokoll sind. Im Folgenden gehen wir deshalb davon aus, dass der WD TV auf sein Videomaterial über SMB zugreift.

EasyLinux 02/2012 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: