Aus EasyLinux 02/2012

Multimediadateien streamen

© Ioannis Kounadeas, Fotolia

Stream-Team

Im vernetzten Wohnzimmer spielt UPnP eine immer größere Rolle, wenn es darum geht, über den Fernseher oder mit anderen Geräten auf Filme, Videos und Musik zuzugreifen. MediaTomb vernetzt Ihre Mediensammlung.

Wollen Sie Filme, Bilder und Musik in Ihrem Netzwerk zentral verwalten, greifen Sie oft zu einem Rechner mit einer festen IP-Adresse, der seine große Festplatte über eine Samba-Freigabe teilt. Sie schaufeln dann Ihre Mediendateien in dieses freigegebene Verzeichnis und spielen sie auf dem dazugehörigen Rechner ab. Das Kopieren braucht allerdings etwas Zeit, daher gibt es noch einen weiteren Weg – das Streamen.

Mittlerweile beherrschen immer mehr Geräte UPnP. Die Spezifikation wurde im UPnP-Forum erstellt, einer Initiative der Industrie, die es seit 1999 gibt. Hier haben sich rund tausend Anbieter aus dem IT- und Hardwarebereich zusammengeschlossen, um einen technischen Standard zu entwickeln, der es auf einfache Weise ermöglicht, von einem Zielgerät aus auf die Bild-, Ton- und Videodateien von ganz verschiedenen Rechnern im Netzwerk zuzugreifen. Auf diesen läuft ein UPnP-Server, der die jeweiligen Multimediadateien im Netzwerk bekanntmacht. Die UPnP-Clients (etwa ein TV-Gerät oder Media Center) entdecken diese und spielen sie ab (Abbildung 1). Der Vorteil: Sie müssen die Medien nicht auf einen zentralen Rechner kopieren, sondern starten auf den einzelnen Rechnern vorübergehend einen UPnP-Server wie MediaTomb und streamen die Dateien in das lokale Netzwerk. In der Praxis lauern allerdings einige Fallstricke – dazu später mehr.

Abbildung 1: Mit UPnP streamen Sie Filme, Bilder und Musik im lokalen Netzwerk und sparen sich so aufwändige Kopieraktionen.
Abbildung 1: Mit UPnP streamen Sie Filme, Bilder und Musik im lokalen Netzwerk und sparen sich so aufwändige Kopieraktionen.

UPnP und DLNA

Grob vereinfacht besteht UPnP aus Clients, Kontrollpunkten und Diensten, die sich über ein eigenes Protokoll miteinander unterhalten – aber nur im lokalen Netzwerk. Während die Dienste (UPnP AV MediaServer) Inhalte anbieten, spielen die Clients (UPnP MediaRenderer) diese ab. Sie prüfen dafür, welche Features der Server anbietet und bieten eine Oberfläche, um ihn zu steuern. Die Kontrollpunkte (UPnP AV MediaServer ControlPoints) vermitteln zwischen den Clients und Diensten: Sie sind in der Lage, die Freigaben zu entdecken und zu lesen.

In der Praxis laufen UPnP-Clients auf der Xbox oder Playstation 3 oder auf einem intelligenten Fernseher. Auch die meisten käuflichen Media-Center – also die kleinen Boxen, die Sie an den Fernseher anschließen – bringen einen eingebauten UPnP-Client mit. Selbst auf Ihrem Smartphone können Sie Mediendateien abrufen. Ihr Linux-Rechner bringt gleich mehrere Programme mit, die UPnP-Freigaben abspielen: In diesem Artikel zeigen wir, wie es mit dem Videoabspieler VLC klappt (Abbildung 2). Mitunter bringen die Geräte auch gleich einen UPnP-Server mit, um auch selbst Dateien im Netzwerk anzubieten – das kommt aber seltener vor.

Abbildung 2: Geben Sie die Multimediadateien über einen UPnP-Server wie MediaTomb frei, spielen Sie diese auf einem anderen Rechner über VLC ab.
Abbildung 2: Geben Sie die Multimediadateien über einen UPnP-Server wie MediaTomb frei, spielen Sie diese auf einem anderen Rechner über VLC ab.

Neben UPnP taucht häufig auch der Begriff DLNA auf. Die Digital Living Network Alliance vergibt – in Form eines Logos – eine Art Gütesiegel für Geräte, die bestimmte Richtlinien erfüllen: die „Home Networked Device Interoperability Guidelines“. Diese liegen seit 2006 in Version 1.5 vor und werden nur an Mitglieder der DLNA oder zahlende Interessenten vergeben. So führt die Organisation verschiedene Tests mit Geräten durch, die im Erfolgsfall das Siegel erhalten [1]. Das ist allerdings nicht sonderlich schwer: Ein großer Mangel von DLNA besteht darin, dass ein Gerät lediglich drei vorgeschriebene Audio-, Video- und Bildformate (LPCM, MPEG-2, JPEG) unterstützen muss, um das Logo zu erhalten [2].

UPnP-Chaos

In der Theorie klingt die Idee hinter UPnP großartig, in der Praxis macht sich oft Ernüchterung breit. Wenn Sie Pech haben, werfen Sie Ihren UPnP-fähigen Client an, geben auf einem anderen Rechner Ihre Multimediadateien frei und sehen am Ende doch nichts. Die verfügbaren freien und proprietären UPnP-Clients und -Dienste verfügen über ganz unterschiedliche Fähigkeiten. Es grenzt an ein Kunststück, eine gut funktionierende Kombination aus Client und Server zu finden. Wahlweise unterstützt der Dienst oder der Client ein bestimmtes Format nicht. In diesem Fall tauchen die freigegebenen Dateien einfach nicht auf, oder sie lassen sich nicht abspielen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die kommerziellen UPnP-Implementierungen meist keinen Deut besser sind als die freien Varianten.

Allerdings scheint sich die Situation langsam zu verbessern. In unserem Test erzielten wir durchaus akzeptable Ergebnisse, die allerdings nur für die probierten Distributionen mitsamt der vorgestellten Testsoftware gelten. Wir haben MediaTomb 0.12.1 als Server eingesetzt, und zwar unter OpenSuse 11.4/12.1 und Kubuntu 11.10. Dieser kommt also auf den Rechnern zum Einsatz, auf denen sich Ihre Multimediasammlung befindet.

Als Client verwendeten wir VLC 1.1.13 in einer Vorabversion von (K)Ubuntu 12.04 sowie VLC 1.1.12 unter (K)Ubuntu 11.10. Die freie Software spielte die gewünschten Filme überall problemlos ab. Als wir jedoch aus Interesse einen UPnP-Client auf einem Android-Handy testeten, verweigerte dieser bei einem Teil der Filme die Kooperation – nicht untypisch für die Technologie.

MediaTomb auf die Platte

Zunächst zur Installation von MediaTomb: Unter OpenSuse 11.4/12.1 (und vermutlich auch unter OpenSuse 11.3) finden Sie den UPnP-Server MediaTomb in der externen Paketquelle von Packman – oder auf unserer Heft-DVD. Binden Sie die DVD als Paketquelle ein und installieren Sie die Pakete. Dazu geben Sie in der Paketsuche mediatomb in die Suchzeile ein. Kreuzen Sie dann mediatomb und mediatomb-mysql an und wählen Sie Akzeptieren (Abbildung 3). Nun erscheint ein Fenster mit Software, die OpenSuse zusätzlich installieren will: Klicken Sie auf Fortfahren, landen eine ganze Reihe von Softwarepaketen auf Ihrem Rechner.

Abbildung 3: Über unsere Heft-DVD installieren Sie MediaTomb auch unter OpenSuse 11.4/12.1, ohne zusätzliche Paketquellen zu benötigen.
Abbildung 3: Über unsere Heft-DVD installieren Sie MediaTomb auch unter OpenSuse 11.4/12.1, ohne zusätzliche Paketquellen zu benötigen.

Unter OpenSuse verhindert nun noch die Firewall, dass Sie von einem externen Rechner auf die Freigaben zugreifen dürfen. Um die Regeln für diese anzupassen, sind noch weitere Handgriffe nötig.

  1. Rufen Sie im K-Menü den Eintrag Rechner / YaST auf. Im Fenster der Systemverwaltung wählen Sie dann links den Punkt Sicherheit und Benutzer und klicken rechts auf Firewall.
  2. Bevor Sie Parameter der Brandmauer ändern, klicken Sie auf Firewall jetzt stoppen. Im linken Bereich wählen Sie nun den Eintrag Erlaubte Dienste aus und auf der rechten Seite den Button Erweitert
  3. In das kleine Fenster, das sich nun öffnet (Abbildung), tragen Sie in die Zeile TCP-Ports die Ports 49152 49153 49154 ein und trennen diese durch ein Leerzeichen. Über diese Ports kündigt MediaTomb die eigenen Multimediadateien im Netzwerk an.

  4. Nach einem Klick auf OK landen Sie wieder im Übersichtsfenster und wählen nun links Start, rechts Firewall jetzt starten und dann rechts unten Weiter.
  5. Das bringt Sie zu einem Übersichtsfenster. Hier sollte stehen, dass die Firewall nun die drei eingetragenen Ports freigibt. Über Beenden schließen Sie die Konfiguration ab.

Nutzer von Kubuntu 11.10 haben es wesentlich leichter: Sie müssen keine Firewall verändern und installieren den Server bequem über den Paketmanager. Den rufen Sie auch hier über das K-Menü auf – der gesuchte Eintrag lautet Rechner / Muon-Programmverwaltung. In die Suchzeile geben Sie mediatomb ein und installieren die Software dann über einen Klick auf Installieren. Das war es schon.

MediaTomb einrichten

Das Schöne an MediaTomb ist: Die Software kann – im Gegensatz zum ebenfalls freien Ushare – auch Flash-Dateien streamen. Das kann man nicht genug betonen, bietet es Ihnen doch die Möglichkeit, Ihre gesammelten YouTube-Videos zu streamen. Zudem verfügt MediaTomb über eine grafische Oberfläche, die in einem Browserfenster läuft. Dadurch funktioniert sie plattformübergreifend und sieht überall gleich aus. Starten müssen Sie MediaTomb über die Kommandozeile: Dazu klicken Sie unter Kubuntu 11.10 oder OpenSuse 11.4/12.1 auf das K-Menü-Icon und geben in die Suchzeile im Menü konsole ein. Nun sollte ein Icon erscheinen, über das Sie das Terminalprogramm aufrufen.

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