Aus EasyLinux 01/2012

Lernen Sie die wichtigsten Linux-Tools kennen

© chode, 123RF

Umzugshelfer

Der Umstieg auf Linux fällt leichter, wenn Sie wissen, welche Anwendungen das freie Betriebssystem anbietet. Die Überraschung: Häufig sind es dieselben Tools, die Sie unter Windows oder Mac OS einsetzen.

Kennen Sie Linux noch nicht, begeben Sie sich auf unbekanntes Terrain und stellen sich vermutlich einige Fragen: Was wird aus meiner Lieblingsanwendung? Womit schreibe ich Briefe und andere Texte? Kann ich meine Musiktitel und Filme noch abspielen? Was geschieht mit meinen Bildern? Keine Sorge: Für die meisten Aufgaben bietet das freie Betriebssystem Alternativen an. Und überraschend oft finden Sie die wichtigen Windows-Standardprogramme auch unter Linux wieder.

Was fehlt denn?

Die schlechten Nachrichten zuerst: Einige beliebte, kommerzielle Windows-Programme gibt es für Linux einfach nicht. Dazu gehören einige Adobe-Produkte wie Photoshop, Dreamweaver und Premiere. Arbeiten Sie im CAD-Bereich, vermissen Sie eventuell das neueste Autocad. Und natürlich fehlen die gängigen Microsoft-Programme: Outlook Express, der Internet Explorer und das komplette Microsoft-Office-Paket. Möglicherweise lieben Sie diese Software nicht unbedingt, sind aber beruflich oder privat darauf angewiesen.

Auch viele aktuelle Spiele laufen nicht nativ unter Linux, da sie für die 3-D-Grafik DirectX verwenden, was Linux nicht unterstützt. Mac-Anwender vermissen womöglich iTunes, iMovie, Time Machine oder Boot Camp. Zumindest für Windows-Nutzer gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Software Wine (lesen Sie dazu mehr im Abschnitt Spiele ganz am Ende des Artikels) bringt in einigen Fällen Windows-Programme zum Laufen.

Sind Sie aber gewillt, umzusteigen, zu lernen und Alternativen auszuprobieren, stoßen Sie im Open-Source-Universum auf verblüffend geniale Software, die ihre kommerziellen Gegenparts in einigen Fällen locker ausbootet. Da es aber zugleich sehr viel instabile, veraltete oder fehlerhafte freie Software gibt, halten Sie sich am besten an die Ratschläge anderer Nutzer oder testen selbst die Programme, bevor Sie umsteigen. Häufig müssen Sie noch bestimmte Zusatzpakete installieren, bevor eine Anwendung tut, was Sie wollen. Damit zum Beispiel der Audioplayer Amarok MP3s abspielt, müssen Sie im Vorfeld den passenden Codec einrichten [1].

In vielen Punkten brauchen Sie jedoch nicht umzulernen: Auch unter Windows setzt sich freie Software zunehmend durch. Das bekannteste Programm hier heißt Firefox, es gibt aber auch zahlreiche weitere Beispiele für erfolgreiche Open-Source-Software, die Millionen Windows-Anwender nutzen. Diese Software können Sie also zunächst unter Windows testen, bevor Sie auf Linux umsteigen.

Internet

Wir starten unseren Überblick mit Programmen für die Internet-Nutzung.

E-Mail-Clients

Viele Menschen benutzen ihre Rechner inzwischen vor allem zur Kommunikation über das Internet. Sie besuchen Webseiten, senden und empfangen E-Mails und füttern ihre Facebook/Google+/Flickr/YouTube-Profile mit Informationen. Vielleicht twittern sie auch oder telefonieren mit Skype – aber das war es im wesentlichen. Gehören Sie zu diesem Personenkreis, sind Sie der perfekte Linux-Anwender.

Tatsächlich ist ein Großteil der Software, mit dem Sie heute über das Internet kommunizieren, frei. Der beliebte E-Mail-Client Thunderbird ist ein schönes Beispiel. Ihn können Sie auch unter Windows und Mac OS verwenden und müssen so nicht umlernen. Unter OpenSuse 11.4/12.1 installieren Sie die Software über Rechner / Software installieren/entfernen, unter Kubuntu über die Muon-Paketverwaltung ([Alt]+[F1] drücken und in die Suchzeile muon eingeben). Bei letzterer Distribution müssen Sie zusätzlich das Paket thunderbird-locale-de einspielen, damit der Donnervogel die deutsche Sprache erlernt.

Ein wiederkehrendes Problem unter Linux ist die Unterstützung von Microsofts Exchange-Server. Das betrifft Sie, wenn Sie Linux in der Firma einsetzen wollen und diese einen Exchange-Server betreibt. Mitunter besteht die Möglichkeit, Exchange-E-Mails über den Browser zu sichten, was aber nicht so komfortabel ist, wie der Einsatz eines E-Mail-Clients. Mit der freien E-Mail-Software Evolution [2], die eigentlich zum Gnome-Desktop gehört, klappt der Exchange-Austausch zwar nicht perfekt, aber besser als mit Thunderbird.

Verwenden Sie hingegen einen E-Mail-Anbieter wie T-Online, Google Mail, Yahoo, AOL, Web.de oder GMX, ist Thunderbird definitiv eine Empfehlung: Sie richten den Donnervogel, der mit POP, SMTP und IMAP die gängigen E-Mail-Protokolle unterstützt, sehr einfach ein.

Macht es Ihnen nichts aus, eine neue E-Mail-Software kennenzulernen, testen Sie KMail [3]. Das Programm gehört zu Kontact [4] (Abbildung 1), einer Sammlung von nützlichen Anwendungen, mit denen Sie unter KDE Ihre E-Mails, Kontakte, Notizen und RSS-Feeds verwalten (Stichwort: Personal Information Management). Der Vorteil: KMail ist bestens in den KDE-Desktop integriert und unterstützt ebenfalls IMAP, SMTP und POP. Es bietet aber zusätzlich Groupware-Funktionen an, über die Sie Einladungen von Kollegen empfangen oder verschicken und Kalender teilen. Damit eignet sich KMail speziell für den Einsatz in Firmenumgebungen mit Groupware-Anbindung.

Abbildung 1: Kontact versammelt die wesentlichen Programme unter einem Dach, über die Sie Ihre persönlichen Informationen organisieren. Dazu gehören unter anderem KMail, Akregator und ein Kalender-Modul.
Abbildung 1: Kontact versammelt die wesentlichen Programme unter einem Dach, über die Sie Ihre persönlichen Informationen organisieren. Dazu gehören unter anderem KMail, Akregator und ein Kalender-Modul.

Ihnen als Anwender bietet KMail zum Beispiel an, Ihre E-Mail-Kontakte mit Fotos zu versehen, die erscheinen, sobald Ihnen jemand eine E-Mail sendet. Zugleich dürfen Sie jeder E-Mail ein Foto von sich mit auf den Weg geben, das einige E-Mail-Programme anzeigen. Ein Nachteil von KMail besteht darin, dass Sie den Client nicht so einfach konfigurieren wie Thunderbird. Letzterer erkennt oft an Ihrer E-Mail-Adresse, welche POP- oder IMAP-Einstellungen Sie benötigen. Zudem arbeitet die integrierte Suchfunktion von KMail wesentlich langsamer als die des Donnervogels.

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