Aus EasyLinux 01/2012

Das Dateisystem von Linux

© Vladislav Lebedinskiy, Fotolia

Alles an seinem Platz?

Das Dateisystem von Linux wirkt auf den ersten Blick verwirrend, aber hinter den Ordnern mit den merkwürdigen Namen steckt ein fixes System, nach dem Linux seine Dateien aufbewahrt. Das befindet sich jedoch im Umbruch.

Hinter dem farblosen Kürzel FHS verbirgt sich ein Standard, der die meisten Linux-Anwender betrifft: Er definiert, welche Dateien unter Linux wohin gehören. FHS steht für Filesystem Hierarchy Standard, aktuell ist die Version 2.3, die Sie auch problemlos im Netz nachschlagen können [1]. Ausgedruckt ergibt der Text des Standards etwa 53 Seiten, auf denen die Macher beschreiben, wohin unter Linux welche Dateien gehören. Das ist zwar vor allem für die Programmierer wichtig, betrifft aber auch die Anwender.

Hängen Sie USB-Sticks oder andere externe USB-Geräte an den Rechner, müssen Sie nicht stets nach dem Einhängepunkt suchen, sondern finden ihn unter /media – und zwar unter den meisten Distributionen. Im Standard heißt es hierzu: „Dieses Verzeichnis enthält Unterverzeichnisse, die als Einhängepunkte für bewegliche Geräte dienen, zu denen etwa Floppy Discs, CD-ROMs und Zip-Laufwerke gehören.“ Darunter folgt dann eine Erklärung zu den Hintergründen. Diese weist darauf hin, dass Linux solche Laufwerke historisch meist in die Verzeichnisse /mnt, /mnt/cdrom oder /cdrom einhängte, wodurch aber potenziell eine große Anzahl von neuen Verzeichnissen im Wurzelverzeichnis entstehen würde. Also kommen nun die Unterverzeichnisse im Ordner /media zum Einsatz.

Hier wird nicht nur recht schnell deutlich, dass es ohne Standards schnell zu einem Kuddelmuddel kommt, sondern es zeigt auch, dass Standards recht schnell Staub ansetzen: Floppy Discs und Zip-Laufwerke verwendet heute kaum noch jemand. Darum ist bereits eine Version 3.0 des FHS in Arbeit.

Das Home-Verzeichnis

Das für Sie als Benutzer wichtigste Verzeichnis ist /home. Darin erhält jeder Benutzer ein eigenes Verzeichnis, dessen Name meist identisch mit seinem Benutzernamen ist. Alle Dateien, die Sie aus dem Internet herunterladen, Ihre Musik- und Videosammlung und alle selbst erstellten Dokumente landen in diesem Ordner. Ubuntu richtet in Ihrem Home-Verzeichnis einige Standardordner ein, etwa Bilder, Videos und Musik. Diese können Sie löschen, allerdings suchen hier ein paar Multimediaanwendungen automatisch nach abspielbaren Inhalten. Insofern ist es sinnvoll, die Ordner zu nutzen.

Das Ablegen von Dateien im Home-Verzeichnis klappt unter Linux auch deshalb gut, weil Sie keine Dateien in Verzeichnissen wie /etc oder / speichern dürfen – möglich wäre das nur mit administrativen Rechten. Schieben Sie also zum Beispiel über den Dateimanager Dolphin eine Datei in das Verzeichnis /var, taucht diese nie am Bestimmungsort auf. Sie müssten Dolphin dafür mit Root-Rechten starten, also über kdesu dolphin (OpenSuse) oder kdesudo dolphin (Kubuntu).

Eine weitere wichtige Funktion des Home-Verzeichnis: Hier legen die Anwendungen, die Sie verwenden, meist ihre Konfigurationen ab. Unter Ubuntu gibt es dafür etwa die drei versteckten Verzeichnisse .config, .cache und .local, die allerdings nicht im FHS 2.3 beschrieben sind.

Starten Sie also als Nutzer alex eine Anwendung wie den Videoabspieler VLC, legt der seine ursprünglichen Einstellungen in Ihrem Home-Verzeichnis ab, zum Beispiel im Ordner /home/alex/.local/share/vlc. Passen Sie VLC an, landen auch diese Änderungen in den versteckten Verzeichnissen. Startet nun ein anderer Nutzer auf demselben System VLC, nutzt er das Programm zunächst mit den systemweiten Voreinstellungen (also ohne die Anpassungen von alex).

Viele Programme legen ihre Konfigurationsdateien allerdings einfach in einem versteckten Ordner im Home-Verzeichnis ab, so etwa Wine, Stellarium, Firefox, Thunderbird und viele weitere. Diese Verzeichnisse zeigt Dolphin an, wenn Sie [Alt]+[.] drücken, um die versteckten Dateien sichtbar zu machen (Abbildung 1). In der Konsole offenbart sie der Befehl ls -la. Sie sollten an diese Verzeichnisse denken, wenn Sie mit Anwendungen kämpfen, die nicht richtig funktionieren: Beim Entfernen von Programmen werden private Einstellungen nicht gelöscht. Startet ein bestimmtes Programm nicht mehr, hilft es oft nicht, dieses zu deinstallieren und neu einzuspielen. Sie müssen vielmehr zusätzlich die lokalen Konfigurationsdateien dieser Programme löschen, die Sie in den eben genannten Ordnern finden. Andernfalls betrifft Sie der Fehler, wenn er in der lokalen Konfiguration steckt, nach einer Neuinstallation weiterhin.

Abbildung 1: Der Dateimanager Dolphin zeigt versteckte Dateien an, wenn Sie auf das Werkzeugsymbol rechts oben klicken und die Option "Versteckte Dateien anzeigen" wählen.
Abbildung 1: Der Dateimanager Dolphin zeigt versteckte Dateien an, wenn Sie auf das Werkzeugsymbol rechts oben klicken und die Option „Versteckte Dateien anzeigen“ wählen.

Das Ganze ergibt Sinn: Eine Linux-Installation ist für mehrere Benutzer ausgelegt, jeder Benutzer soll daher die Gelegenheit erhalten, die genutzten Anwendungen an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Interessanterweise spricht der FHS 2.3 den zentralen Benutzerverzeichnissen keine große Relevanz zu: Demnach sollten sich Programme nicht auf die Existenz des Home-Verzeichnisses verlassen, da einige Anwender ihre Daten auf entfernten Servern speichern.

Die wichtigsten Orte des Systems

Als normaler Benutzer sollten Sie in der Regel recht selten mit den anderen Ordnern im Dateisystem zu tun haben. Doch wenn etwas schief geht, rücken diese Ordner oft in den Fokus. Wir stellen die wichtigsten vor.

Den Ordner /media haben wir bereits erwähnt: Darin finden Sie meist die Dateien von mobilen Geräten, zu denen neben modernen Smartphones auch MP3-Player, mobile Festplatten, USB-Sticks und Speicherkarten gehören.

Hinter /root versteckt sich das Home-Verzeichnis des Benutzers root, der aber unter Debian und Ubuntu nicht mehr so viel Bedeutung hat. Hier erhält standardmäßig der erste eingerichtete Benutzer administrative Rechte und darf daher alle wesentlichen Aufgaben erledigen. Unter anderem darf er in Verzeichnisse schreiben, die dem Benutzer root gehören.

Konfigurationsdateien in /etc

Interessant ist der Ordner /etc. Hier stoßen Sie auf die systemweiten Konfigurationsdateien zahlreicher Programme. Der Unterschied zu den lokalen Dateien liegt darin, dass Änderungen, die Sie hier vornehmen, sämtliche Anwender des Systems berühren, die das spezifische Programm verwenden. Sind Sie selbst der einzige Benutzer des System, kann Ihnen das egal sein. In /etc dürfen sich keine Binaries (ausführbare Programme) befinden; zahlreiche Unterordner versuchen, eine sinnvolle Logik in die Anordnung der Konfigurationsdateien zu bringen. Im Wesentlichen finden Sie hier die Konfigurationsdateien von Systemprogrammen wie APT (Ubuntu-Paketverwaltung), Samba, Pulseaudio, Grub (Bootmanager), NetworkManager oder MySQL (Abbildung 2). Es geht also um Software, mit der Sie als Durchschnittsanwender nicht in Berührung kommen.

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