Aus EasyLinux 04/2011

Unnütze Dienste erkennen und beseitigen

© KK, Fotolia

Entsorgen

Wenn Sie viel Software zu Testzwecken installieren, werden Sie früher oder später den Eindruck gewinnen, dass das System immer langsamer wird. Deaktivieren und löschen Sie unbenutzte Systemdienste!

Vielleicht haben Sie sich bei der nstallation neuer Software über die systemweite Software-Verwaltung schonmal an den Kopf gegriffen: Um auf einem typischen Kubuntu-System z. B. Pidgin (einen Client für Instant Messaging) zu installieren, genehmigt sich das System einen Download von mehreren Dutzend Megabyte. Pidgin selbst ist nur ein paar Megabyte groß – aber die zahlreichen Abhängigkeiten, die das Programm mit sich zieht, blähen die Installation auf.

Wenn Sie häufiger Software ausprobieren und sie zu diesem Zweck mit Ihrem Paketmanager installieren, gibt es entspechend häufig solche Abhängigkeitsketten. Der Haken dabei: Falls Ihnen ein Programm nicht zusagt und Sie es im Anschluss wieder deinstallieren, bleiben die zusammen mit dem ungebetenen Gast installierten Abhängigkeiten üblicherweise erhalten. Im günstigten Fall handelt es sich nur um ein paar Bibliotheken – manche Programme ziehen aber Ressourcenfresser wie MySQL (eine Datenbank) oder andere Serverdienste nach sich – Apache, Samba und dergleichen mehr. Das System wird zunehmend aufgebläht und auch langsamer, weil solche Dienste beim Systemstart aktiviert werden.

Sauber und schneller

Wenn Ihnen die negativen Effekte vieler laufender Dienste im Alltag durch eine verringerte Gesamtperformance auffallen, ist es höchste Zeit für eine ordentliche Systemfastenkur. Die hat drei Ziele: Dienste, welche Sie nicht mehr benötigen, ausfindig machen, sie stilllegen und löschen. Dabei führt allerdings nur eine behutsame Vorgehensweise zum Ziel – es ist nicht hilfreich, wenn im Eifer des Gefechts Pakete verloren gehen, die Sie eigentlich noch gebraucht hätten.

Die Werkzeuge, die Sie benötigen, um unnütze Dienste zu finden und zu entfernen, sind bei den gängigen Linux-Distributionen entweder schon ab Werk installiert oder liegen wenigstens in Paketform bei. Der Prozessmonitor von KDE sowie netstat gehören dazu – beide Tools sind Werkzeuge für Administratoren und verraten Ihnen Details über laufende Prozesse und bestehende Netzwerkverbindungen. Wir gehen davon aus, dass auf Ihrem System keine selbst kompilierte Software zu finden ist, sondern dass alle Programme über den Paketmanager des Systems den Weg auf die Platte gefunden haben.

Welche Dienste laufen?

Schritt 1 besteht darin, sich einen Überblick über die laufenden Dienste des Systems zu verschaffen. Zwei Möglichkeiten bieten sich: Wer ein schnelles Auge hat, kann die Boot-Meldungen des Systems verfolgen. Während des Systemstarts erscheinen nämlich detaillierte Angaben über sämtliche gestarteten Dienste auf dem Bildschirm – meistens sind diese aber hinter der Boot-Grafik der Distribution versteckt. [Esc] während des Bootens gibt den Blick auf die Systemdienste frei.

Nach dem Booten benötigen Sie andere Werkzeuge, um laufende Prozesse zu identifizieren. Sie haben die Wahl zwischen zwei Ansätzen: Sie können sich ansehen, welche Prozesse Netzwerkschnittstellen geöffnet haben, also nach außen hin (ins LAN oder ggf. auch ins Internet) Dienste anbieten. Daraus lässt sich oft schon schließen, ob es unerwünschte Programme gibt und wie sie heißen. Für diesen Arbeitsschritt benötigen Sie netstat.

Laufende Dienste mit Netstat finden

  1. Öffnen Sie ein Terminalfenster, indem Sie im K-Menü den entsprechenden Eintrag anklicken oder [Alt]+[F2] drücken und dann konsole eingeben.
  2. Führen Sie im geöffneten Terminalfenster den Befehl sudo netstat -nltp aus. Die Ausgabe sieht so ähnlich aus wie in Abbildung 1 – je nachdem, wie viele Dienste bei Ihnen laufen. (sudo führt das Kommando mit Root-Rechten aus, dafür müssen Sie beim ersten Aufruf Ihr Benutzerpasswort eingeben.)

    Abbildung 1: Auf diesem System laufen laut "netstat" nur der Server vom Drucksystem CUPS und der SSH-Server für Fernadministration.
    Abbildung 1: Auf diesem System laufen laut „netstat“ nur der Server vom Drucksystem CUPS und der SSH-Server für Fernadministration.

Netstat zeigt Ihnen an, welche Programme Ports auf Ihrem Computer geöffnet haben. Interessant ist für Sie besonders die Spalte ganz rechts, denn diese verrät den Namen des jeweiligen Programms. Im Beispiel laufen sshd, der Server für Remote-Logins, sowie cupsd, welcher zum CUPS-Drucksystem gehört.

Die zweite Variante, um laufende Programme ausfindig zu machen, nutzt den KDE-Systemmonitor. Dieser zeigt Ihnen eine Liste aller auf dem PC gerade laufenden Programme an. Sie starten ihn, indem Sie im K-Menü den Eintrag Anwendungen / System / Systemmonitor aufrufen. Unter Prozesstabelle sehen Sie die laufenden Programme, die erste Spalte enthält den Namen eines Programms und ist im weiteren Verlauf wichtig.

Die Interpretation der Ergebnisse

Grundsätzlich wissen Sie jetzt, welche Dienste auf Ihrem System überhaupt laufen. Das nächste Ziel ist, die Spreu vom Weizen zu trennen und unnütze Werkzeuge auszusortieren. Die Interpretation der Ausgaben von Nettop und vom KDE-Systemmonitor führt zu einer Liste von Tools und Programmen, die möglicherweise unnützer Ballast sind. Knöpfen Sie sich zuerst die Ausgabe von Nettop vor: Streichen Sie alle Programme, deren Namen Ihnen etwas sagen und von denen Sie wissen, dass Sie diese wirklich verwenden. Die übrig gebliebenen Einträge sind aber nicht automatisch zum Abschuss freigegeben – wichtige Systemdienste haben manchmal kryptische Namen. Notieren Sie sich die Einträge, denn diese werden im letzten Schritt wichtig.

Auch die Informationen aus dem KDE-Systemmonitor stehen noch an – sämtliche Dienste, bei denen im Feld Benutzername der Eintrag root steht, können Sie getrost ignorieren, denn es handelt sich um Dienste, die für den reibungslosen Betrieb des Rechners wichtig sind. Mit den übrigen Einträgen verfahren Sie wie mit der Ausgabe von nettop: Die bekannten und als wichtig identifizierten Namen streichen Sie raus, den Rest notieren Sie sich in einer separaten Datei.

Saubermachen

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Sie haben eine Liste von Programmen, die auf Ihrem System laufen, deren Namen Ihnen aber nichts sagen. Deshalb besteht der nächste Schritt darin, mit dem Werkzeug zur Paketverwaltung Ihres Systems nach genau diesen Programmen zu suchen. Es ist hilfreich, den gesamten Pfad des Programms im Dateisystem zu kennen. Das Programm sshd aus dem vorangegangenen Beispiel liegt etwa in /usr/sbin/sshd – mit dem Kommandozeilenwerkzeug which können Sie das herausfinden:

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