Aus EasyLinux 03/2011

Vielseitiger HD-Mediaplayer

Mehrplayer

HD-Mediaplayer gibt es von zahllosen Herstellern wie Sand am Meer. Der SSD- und Speicherspezialist Patriot bringt ein neues Modell, das einige zusätzliche attraktive Funktionen bietet, die es von der Konkurrenz abheben.

Die meisten Mediaplayer ähneln sich wie Netbooks: Sie unterstützen fast dieselben Dateitypen und Codecs, haben zwei USB-Anschlüsse, HDMI, Netzwerk, SPDIF, Cinch-Anschlüsse, optionales WLAN, einen Sigma-Designs- oder Realtek-Chip und ein Linux mit darüber gestülptem Mediaplayer-User-Interface unter der Haube.

Patriot versucht, sich mit dem im Handel für rund 70 Euro erhältlichen (UVP: 100 Euro) Patriot Box Office Core (kurz PBO Core) vom Einerlei der Mediaplayer durch einige attraktive Zusatzfeatures abzuheben: So bietet der amerikanische Hersteller Unterstützung für optische USB-Laufwerke und USB-Hubs sowie die Option, in das Gerät eine günstige nackte 2,5″-Festplatte zu bauen, was dann auch den Betrieb als externe Festplatte, SMB-Server oder Torrent-Downloader erlaubt.

Auspacken

Das 14,5 x 14 x 3,8 cm große Gerät ist kaum größer als ein WDTV, der Western-Digital-Konkurrent bietet aber nicht die Option auf eine Festplatte. Die Oberfläche aus gebürstetem schwarzem Aluminium wirkt wertig und macht das Gerät mit 530 Gramm relativ schwer, was zusammen mit den Gummifüßen das Ein- und Ausstecken erleichtert. Die Fernbedienung erscheint mit 47 Knöpfen stark überladen (Abbildung 1), viele davon sind nur in einem Betriebsmodus verwendbar (z. B. bei der DVD-Wiedergabe). Die Stromversorgung liefert ein kleines externes Steckernetzteil, Patriot legt dem Gerät löblicherweise ein HDMI-Kabel bei. Obendrein gibt es auch noch ein Composite-Cinch- und ein USB-Slave-Kabel für den Betrieb als Festplatte. Der PBO Core hat einen winzigen Lüfter, den man im Betrieb jedoch nicht hört.

Abbildung 1: Overkill: Mehr Knöpfe sind nicht automatisch besser.
Abbildung 1: Overkill: Mehr Knöpfe sind nicht automatisch besser.

Bedienung

Das grafische Benutzerinterface des PBO Core bedienen Sie – wie die meisten Mediaplayer – über eine Horizontal-/Vertikal-Navigation, die dem XMB-Interface der PSP oder der PlayStation 3 ähnelt.

Die Bedienung ist recht intuitiv, störend wirken lediglich eine stellenweise mangelhafte deutsche Lokalisierung, welche die Texte gerne auch mal abschneidet, und ein paar Inkonsistenzen in der Benutzerführung: So kann man Audiospuren mit einem Klick umschalten, für Untertitel muss man sich jedoch durch diverse Menüs hangeln. An einigen Stellen (z. B. im Wetter-Widget) wird auf eine ominöse Info-Taste verwiesen, die sich nicht auf der Fernbedienung findet, hiermit meint Patriot die blaue Optionstaste. Gelegentlich friert der Player ein und muss mit dem Ein-/Ausschalter neu gestartet werden – auch hier gibt es wenig Unterschied zur Konkurrenz. Leider sieht Patriot keine Online-Updates vor, neue Firmware-Versionen müssen an einem PC über die Homepage [1] heruntergeladen und dann per USB-Stick installiert werden.

Unter dem Hauptmenüpunkt IMS (Internet Media Services) finden Sie die Internet-Funktionalität des PBO Core. Auch hier gibt es wenig Neues im Vergleich zur Konkurrenz; zahllose Podcasts und Videofeeds, RSS-Feeds, Aktienkurse und Wetterinformationen, Internet-Radio-Streams, Picasa und Flickr warten auf Nutzung. Auf Wunsch können Sie eigene Quellen hinzufügen. Im Menü PBO Core Favourites gibt es unter International auch einige deutsche Streams, z. B. die Tagesschau, Tagesthemen, Heute, Heute Journal sowie Quarks & Co oder auch die Satiresendungen „Neues aus der Anstalt“ und „Toll“ von Frontal 21.

Bei den Videooptionen bietet das Gerät praktische Einstellmöglichkeiten für das Bild: Helligkeit, Kontrast, Farbe, Sättigung und digitale Rauschunterdrückung lassen sich beliebig regulieren. Der 24p-Modus erlaubt auf geeigneten Fernsehern die ruckelfreien Wiedergabe entsprechenden Materials. Eine weitere praktische Funktion ist die unterbrechungsfreie Wiedergabe von Videos, die in meherere Dateien aufgeteilt sind, z. B. für die DVD-Formate VOB und TS oder AVI.

Bei der Audioausgabe können Sie wahlweise über S/PDIF den nackten Bitstream (in Dolby Digital/AC3, DTS, AAC oder WMA) ausgeben, den ein externer Surround-Receiver dekodiert, oder den auch am Anlog-Audioausgang anliegenden Stereo-Downmix im unkomprimierten LPCM-Format nutzen. So können selbst ältere Receiver, die kein WMA oder AAC (was erst seit Blu-ray zum Standardrepertoire gehört) unterstützen, wenigstens den Stereoton nutzen. Auch für Besitzer eines nicht DTS-fähigen Receivers ist die Option nützlich. Für die Digital-Audioausgabe über HDMI gibt es dank der höheren möglichen Bandbreite zusätzlich die Option, die Multichannel-Audiodaten dekodiert zu schicken, womit das Audioformat dem Endgerät völlig egal ist. Die Ausgabe des nackten Bitstreams ist damit nur für die neueren 7.1-Surround-Systeme notwendig, denn das vollständige Dekodieren der einzelnen Kanäle der neuen 7.1-Blu-ray-Codecs Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio beherrscht der PBO Core nicht.

Bei der Bild- und Musikwiedergabe bietet das Patriot-Gerät vor allem bekannte Features: Der Musikplayer zeigt ID-Tags und als Bilddateien beiliegende Cover-Grafiken an, und es gibt optional Hintergrundmusik und Überblendeffekte für Slideshows. Lediglich der „Ken-Burns“-Effekt [2], bei dem automatisch im Bild herum gezoomt und gescrollt wird, ist neu.

Der PBO Core spult mit bis zu 32-facher Geschwindigkeit vor und zurück, bei nur doppelter Geschwindigkeit gibt es sogar Tonausgabe in korrekter Tonhöhe. Slow Motion ist bis 1/16 der Normalgeschwindigkeit möglich (Slow-Taste), bis 1/2 ebenfalls mit korrigiertem Ton. Die CM-Skip-Taste springt 20 Sekunden weiter, mit der Go-To-Taste kann man an einen beliebigen Punkt im Film springen. Im Pausenmodus kann der Anwender mit der Pause-Taste Einzelframes weiterschalten.

Die Pflicht

Die Ports des PBO Core (Abbildung 2) entsprechen weitgehend dem Standard: zweimal USB 2.0, 100-MBit-Ethernet, HDMI 1.3, Cinch für analoge SD-Video- und Stereo-Audioausgabe, optisches S/PDIF für Digitalaudio sowie zusätzlich ein Mini-USB-Slave-Port für den Betrieb als Festplatte (nur mit integrierter Festplatte). Beim Ausschalten schickt der Player externe Festplatten korrekt schlafen.

Abbildung 2: Das Rückpanel des PBO Core bietet die üblichen Anschlüsse.
Abbildung 2: Das Rückpanel des PBO Core bietet die üblichen Anschlüsse.

Auch die abspielbare Medienvielfalt ist recht gängig: An Video-Codecs unterstützt das Gerät bis zu einer Auflösung von 1080p MPEG1/2/4, H.264, DivX 3-7/Xvid und WMV9, sowie bis 720p auch RealVideo. Auch die Audio-Codecs entsprechen dem, was der verbaute Realtek-Chipsatz eben kann: MP3, AC3, DTS, AAC, MP2, (L)PCM, OGG, WAV, FLAC, RealAudio und WMA. An Container-Formaten spielt er AVI, MKV, MP4, MPG, VOB, TS, M2TS, FLV, WMV, MOV (nicht alle Codecs), DAT, ASF, RM/RMVB und ISO ab und erkennt die Untertitelformate SRT, SMI, SUB, SSA, ASS und Vobsub. Bilder zeigt der PBO Core in den Formaten JPEG, BMP, PNG, TIFF und GIF an. Wie bei anderen Realtek-basierten Geräten gibt es die Einschränkung, dass kein VC-1 (WMV3) in MKV-Containern unterstützt wird.

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