Aus EasyLinux 03/2011

Online-Dienst Evernote als Notizspeicher

© Torsten Schon, Fotolia

Zettel-Wirtschaft

Notizen – auf Papier oder im PC – sind unschlagbar, um kurz Wichtiges festzuhalten. Doch wenn man die Informationen dann benötigt, hat man allzuoft den passenden Merkzettel nicht zu Hand. Evernote macht Schluss damit: Über den Onlinedienst greifen Sie von überall auf Ihre Notizen zu.

Kennen Sie das? Sie stehen im Supermarkt vor dem Gemüseregal, doch der Einkaufszettel liegt daheim. Oder Sie brauchen unterwegs dringend die private Handynummer eines Kollegen, die Sie leider nicht im Notebook, sondern auf dem Büro-PC gespeichert haben. So praktisch Notizen auch sind, sie haben den Nachteil, meistens nie dort zu liegen, wo man sie tatsächlich braucht.

Ein Weg aus dem Dilemma führt über den Onlinedienst Evernote [1], der nicht nur beim Speichern und Verwalten von Textnotizen hilft, sondern Sie auch Bilder, Videos und sogar Sprachaufnahmen in die digitalen Merkzettel einbetten lässt. Grundsätzlich können Sie von jedem Computer mit Internetzugang über den Browser auf Ihre Notizen zugreifen.

Nun hat man aber trotz zunehmender Verbreitung von Smartphones unterwegs nicht immer eine Internetverbindung, etwa im Ausland, wo man gut daran tut, UMTS-Datenverbindungen wegen der oft horrenden Roaming-Gebühren abzuschalten. Hier kommen spezielle Evernote-Clients ins Spiel, die es für mehrere Desktop- und Mobilbetriebssysteme gibt. Sie gleichen, sobald eine Internetverbindung vorhanden ist, alle Notizen mit dem Onlinedienst ab und speichern sie lokal, so dass Sie ohne Netz darauf zugreifen können. Notizen, die Sie im Offline-Modus erstellen oder ändern, lädt der Client automatisch hoch, wenn Sie das nächste Mal online sind. Installieren Sie sowohl auf dem Notebook, dem Desktop-PC und dem Smartphone einen Evernote-Client, haben Sie auf all diesen Geräten einen einheitlichen Notizbestand, der automatisch synchronisiert wird, sobald eine Verbindung zum Internet besteht.

Wir beschreiben zunächst, wie Sie ein kostenloses Evernote-Konto anlegen und über den Browser darauf zugreifen. Danach stellen wir die Desktop-Clients für Linux und Windows sowie die Evernote-Apps für Android und Apples iOS (iPad, iPod, iPhone) vor.

Kontoeröffnung

Ein Konto richten Sie fix auf der Evernote-Webseite [1] ein. Es gibt eine kostenlose und eine Premium-Variante, die 45 US-Dollar pro Jahr kostet. Für das durchschnittliche Notizaufkommen reicht der kostenlose Zugang locker aus: Damit dürfen Sie jeden Monat 60 MByte Daten hochladen. Die Premium-Version erlaubt bis zu 1 GByte Daten pro Monat, und Sie können damit neben Notizen auch Dateien wie Office-Dokumente bei dem Onlinedienst speichern. Eine ausführliche Liste der Unterschiede zwischen der kostenlosen und der Premium-Version finden Sie auf der Anbieterseite [2].

Für ein kostenloses Konto klicken Sie oben rechts auf LOS GEHT’S. Auf der folgenden Seite müssen Sie dann lediglich Ihren Namen (optional) und eine gültige E-Mail-Adresse sowie den gewünschten Benutzernamen und ein Passwort eingeben. Das Passwort, mit dem Sie später auf Ihr Konto zugreifen, sollte aus Sicherheitsgründen neben Buchstaben und Zahlen auch Satzzeichen enthalten. Geben Sie zum Schluss noch unter Wort-Überprüfung die Zeichen aus dem Bild in das Eingabefeld ein. Mit diesem „Captcha“ überprüft der Dienst, ob tatsächlich ein Mensch das Konto anlegt und nicht etwa ein Skript.

Nach einem Klick auf Registrieren sollten Sie Ihre Mails abfragen. Evernote hat Ihnen eine Bestätigungsmail geschickt, in der Sie per Klick auf den Link Ihre Mailadresse bestätigen. Ist das erledigt, können Sie sich mit dem zuvor festgelegten Benutzernamen und dem Passwort anmelden (Abbildung 1).

Abbildung 1: Um ein Evernote-Konto anzulegen, benötigen Sie nur eine gültige Mailadresse.
Abbildung 1: Um ein Evernote-Konto anzulegen, benötigen Sie nur eine gültige Mailadresse.

Zettelablage

Im Browser präsentiert sich Evernote in einer dreispaltigen Ansicht (Abbildung 2). In der linken Spalte finden Sie die Liste Ihrer Notizbücher und Schlagwörter. Standardmäßig legt Evernote ein Notizbuch mit Ihrem Benutzernamen an. Diese Grundausstattung können Sie gleich erweitern: Klicken Sie dazu auf den Pfeil neben Notizbücher und wählen Sie im ausklappenden Menü Neues Notizbuch. Nachdem Sie ihm einen Namen gegeben haben, erscheint es in der Liste. Schlagwörter helfen später bei der Suche nach einer bestimmten Notiz. Sie können wahlweise sofort einige anlegen und diese später Ihren Notizen zuordnen, oder Sie erledigen das erst beim Erstellen einer neuen Notiz.

Abbildung 2: Standardmäßig zeigt Evernote Notizbücher, die Notizübersicht und den Inhalt von Notizen in einer dreispaltigen Ansicht an.
Abbildung 2: Standardmäßig zeigt Evernote Notizbücher, die Notizübersicht und den Inhalt von Notizen in einer dreispaltigen Ansicht an.

Die mittlere Spalte zeigt alle Merkzettel des markierten Notizbuchs in einer Liste. Beim ersten Anmelden finden Sie dort nur die Willkommensmeldung von Evernote. Sobald Sie eine Notiz anklicken, erscheint in der dritten Spalte ihr Inhalt im Nur-Lese-Modus. Möchten Sie diesen Inhalt ändern, führt der Weg über die Schaltfläche Bearbeiten. Nach einem Klick darauf (oder wenn Sie über Neue Notiz einen neuen Zettel erstellen) landen Sie im Bearbeitungsmodus, der an eine Textverarbeitung erinnert. So können Sie eine Schriftart und -farbe auswählen, den Text rechtsbündig oder zentriert stellen, Einrückungen vornehmen und Listen erstellen. Außerdem ist es möglich, an eine Notiz Dateien anzuhängen und über das Symbol mit dem weißen Quadrat Aufgaben-Checkboxen einzufügen. Damit können Sie bequem To-do-Listen erstellen, deren Punkte Sie nach und nach als erledigt abhaken (Abbildung 3). Ein Klick auf Fertig speichert alle Änderungen und beendet den Bearbeitungsmodus.

Abbildung 3: Im Bearbeitungsmodus zeigt Evernote die von einer Textverarbeitung bekannten Buttons zum Formatieren der Schrift und zum Einfügen von Dateien an.
Abbildung 3: Im Bearbeitungsmodus zeigt Evernote die von einer Textverarbeitung bekannten Buttons zum Formatieren der Schrift und zum Einfügen von Dateien an.

Notizen teilen, Einstellungen verwalten

Einmal erstellte Notizen können Sie auch in anderen Anwendungen nutzen. Neben einigen Exportmöglichkeiten, etwa ins HTML-Format, können Sie Notizen über den gleichnamigen Button oben rechts via Mail, Facebook oder Link freigeben. Die Mailoption verschickt den Inhalt der Notiz an eine Mailadresse, über die Wahl von Link erstellen Sie einen Zufalls-Link, über den jeder, der diese zufällig erzeugte Adresse kennt, auch ohne Evernote-Konto die Notiz lesen kann. Bei einer Freigabe via Facebook erscheint der Inhalt der Notiz auf Ihrer Facebook-Seite und ist damit für alle Ihre Freunde oder auch für alle Besucher lesbar. Übrigens: Ab Seite 56 dieser Ausgabe stellen wir das populäre soziale Netzwerk vor und erklären, wie Sie dort dafür sorgen, dass nicht Hinz und Kunz Zugriff auf Ihre Daten haben.

Einen weiteren Blick sollten Sie in der Browser-Ansicht dem Punkt Einstellungen gönnen. Dort können Sie Ihr Passwort ändern, und Sie finden im Abschnitt Kontozusammenfassung eine ungefähre Schätzung, wie viele Notizen, Bilder und Sprachaufnahmen Sie noch hochladen dürfen. Ein Evernote-Monat dauert jeweils 30 Tage, und der erste beginnt an dem Tag, an dem Sie Ihr Konto anlegen.

Eine besonders pfiffige Funktion gibt es unten in der Kontozusammenfassung unter E-Mail an Evernote zu entdecken. Evernote legt für jeden Benutzer eine eigene Mail-Adresse der Form username.xxxxx@m.evernote.com an, wobei statt xxxxx eine zufällige Zeichenfolge hinter Ihrem Benutzernamen steht. Alle Mails, die an diese Adresse gehen, erscheinen automatisch als Notizen in Ihrem Evernote-Konto. Zieht die Adresse irgendwann zu viel Spam an, lassen Sie über einen Klick auf Bitte neue E-Mail-Adresse erstellen eine mit einer anderen zufälligen Zeichenfolge erstellen.

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2 Kommentare auf "Online-Dienst Evernote als Notizspeicher"

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Warum wird in der Linux Community ein Produkt/Dienst beworben, von dem es nichtmal einen Linux-Client sondern nur welche für Win und Mac gibt?

Ich finde zwar Evernote praktisch, es hat mich aber von Anfang an enttäuscht, dass man es nur mit WINE nutzen kann. Von der Homepage her zu urteilen hat sich da auch nichts getan.